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Apples AR-Brille und Mars-Flüge: Was 2020 bringen sollte

15.01.2020 | 15:55 Uhr | Halyna Kubiv

In der vergangenen Dekade hat das Jahr 2020 als gewisse Grenze gegolten: Viele Prognosen haben sich darauf bezogen.

Etwas genau vorherzusagen ist eigentlich eine undankbare Sache. Will man eine begründete Prognose erstellen, nimmt man meistens den aktuellen Trend, verfolgt diesen für einige Zeit in der Vergangenheit und projiziert die Entwicklung in die Zukunft. Doch diese Projektion muss nicht immer mit der vorhergesagten Wirklichkeit übereinstimmen, denn, wie der Kollege Müller in solchen Fällen immer wieder Karl Valentin zitiert, "... Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie es mit der Zukunft zu tun haben". Und dennoch sind Vorhersagen und Prognosen sehr beliebt, will doch der Mensch genau wissen, was ihn demnächst erwartet. 2020 wurde wohl als eine gewisse Grenze zwischen den Dekaden gesehen, so haben sich nicht wenige Prognosen auf das gerade angefangene Jahr bezogen.

An der Stelle sollen wir noch Apples Projekt "Titan" erwähnen. Zwar waren dazu keine bzw. sehr wenige konkrete Starttermine erwähnt worden, wenn alles nach Apples Plan gelaufen hätte, würden wir aktuell deutlich mehr zu den Forschungen Apples im Bereich autonomes Fahren wissen. Wie dem auch sei, momentan ist nichts über ein selbstfahrendes Auto mit dem angebissenen Apfel bekannt. Apple investiert lieber seine Zeit und Mühe eher in die Software und Services in dem Bereich, als es das Rad neu erfindet.

Apples AR-Brille : Mehrere Analysten und Apple-Experten waren sich 2017 ziemlich sicher: Bis 2020 wird Apple eine eigene AR-Brille vorstellen. Der relativ treffsichere Mark Gurman von "Bloomberg" nannte sogar die konkreten Daten – 2019, also auf der vergangenen iPhone-Keynote, sollte Apple die Brille vorstellen, 2020 wird die Brille auf den Markt kommen. " Cnet " hat die gleichen Berichte ein halbes Jahr später aus eigenen Quellen bestätigt. Doch bis jetzt haben sie sich nicht bewahrheitet. Zwar kann man nicht bestreiten, dass Apple seine AR-Technologie immer weiterentwickelt, eine Brille mit der erweiterten Realität wäre der nächste logische Schritt, doch es gibt zu der Apples Brille nach wie vor höchstens Gerüchte und Patente aber weiterhin nichts Konkretes.

ARM-Mac: Auch wir haben den ARM-Mac vorhergesagt , bis heute haben wir uns nur beim Datum geirrt. Es gibt viele Gründe, warum Apple eigene Prozessoren den Intel-Chips zumindest bei den Einsteiger-Macs vorziehen soll: Diese haben die Desktop-Chips in puncto Leistung und Geschwindigkeit bereits eingeholt, dazu hätte Apple die Entwicklungs-Road-Map der nächsten Jahre selbst in der Hand. Spätestens ab der WWDC 2020 werden wir an dem Nachfolger von macOS Catalina sehen können, ob Apple einen derartigen Umstieg plant.

Mars-Flüge und Mars-Dörfer: Elon Musk hat 2017 eine Vision veröffentlicht, wonach die Menschheit bald den Mars besiedeln könnte. Mit den eigenen wiederverwendbaren Raketen wollte der US-Milliardär die Transportkosten im Weltall derart reduzieren, sodass ein Flugticket zum Roten Planeten einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten würde. Nach seiner Vision würde das erste Mars-Dorf ab 2023 möglich sein, die ersten Flüge bereits ab 2020 realisierbar.

Russischer Überschall-Bomber: Beschäftigt sich Elon Musk mit einer friedlichen Besiedlung des anderen Planeten, wurde an diesem Technologie-Produkt wohl mit entgegengesetzten Intentionen gearbeitet. Der neue russische Überschall-Bomber sollte mit Atomwaffen ausgestattet werden und eigentlich 2020 bereits flugbereit sein. In diesem Fall ist man froh, dass sich die Prognose nicht verwirklicht hat. Russland hat jedoch die Entwicklung von TU-160M2, so wird der neue Flieger genannt, nicht komplett aufgegeben. Nach neuesten Berichten der russischen Medien soll das Flugzeug 2023 in die Serie gehen.

Doch nicht nur fehlerhafte Prognosen durften Sie in der vergangenen Dekade bei der Macwelt lesen. Bereits 2016 haben sich die Wissenschaftler mit dem Problem auseinandergesetzt , was den nach dem Moore'schen Gesetz kommen sollte. Gordon Moore, einer der Mitbegründer von Intel, hat schon 1965 treffsicher vorhergesagt, dass sich die Anzahl der Transistoren in einem Chip alle Jahre verdoppeln werden und deren Geschwindigkeit sich alle zwei Jahre. Nun scheint das Moore'sche Gesetz nicht mal bei iPhone-Chips zu greifen: A12 Bionic hatte knapp 7 Milliarden Transistoren, A13 – "nur" 8,5 Milliarden Transistoren. Im Magazin Nature publizierende Forscher haben noch 2016 den Trend zu Hyperthreading richtig vorhergesehen. Auch ihre Vorhersage zu mehr spezialisierten Co-Chips, die sich auf einzelne Aufgaben konzentrieren dürfte mittlerweile bestätigt sein. Einzig die Hoffnung auf Chips aus Graphen (eine Art von zweidimensionalem Kohlenstoff, gewissermaßen die flach ausgerollten Wände der Nanotubes) hat sich nicht bewahrheitet, aber das kommt noch...

Hatte Gene Munster 2013 noch unermüdlich einen Fernsehapparat von Apple prophezeit, hat der Kollege Müller eine ganz andere Prognose gewagt: Apple würde auf Services und Sensoren setzen, klassische Rechner dürfen aus dem Alltag nach und nach verschwinden, auch das Moore'sche Gesetz (siehe oben) gelte nicht mehr: "Gegen Mitte und Ende der zwanziger Jahre werden aber ohnehin die Computer von heute aus unserem Alltag verschwunden und in etwas völlig anderes übergegangen sein. Die nächste Revolution hat womöglich schon begonnen: Wearable Devices, allgegenwärtig und perfekt miteinander vernetzt." … "Die Herausforderung der Zukunft wird dann nicht in schnelleren Prozessoren oder mehr Prozessorkernen bestehen, sondern in der intelligenten Vernetzung der Dinge. Man wird dann nicht mehr „ins Internet gehen“, da die Kleidung und andere Alltagsgegenstände ständig mit dem Netz in Verbindung stehen, beziehungsweise das Netz ausmachen. Wer Produkte und Services am schlauesten und zuverlässigsten miteinander verbindet, wird das nächste große Ding liefern können. Einmal mehr wird die Software über den Erfolg entscheiden."

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