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Apples Bilanz besser als erwartet - aber weniger Umsatz

26.10.2016 | 11:25 Uhr |

Apple hat in der Nacht seine Bilanz für das Septemberquartal vorgelegt und dabei weiteren Umsatzrückgang ausgewiesen.

Erneut muss Apple weniger Umsatz und Gewinn als im Vorjahr bilanzieren. Im Zeitraum von Juni bis September 2016 nahm der Mac-Hersteller 46,9 Milliarden US-Dollar ein, wobei ein Gewinn von 9 Milliarden US-Dollar hängen blieb. Im Vorjahr waren es jedoch noch 51,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und 11 Milliarden US-Dollar Gewinn gewesen.

Umsatz und Gewinn: Die rückläufigen Produktbereiche bescheren Apple erstmals seit 2001 eine schlechtere Jahresbilanz als die vom Vorjahr.
Vergrößern Umsatz und Gewinn: Die rückläufigen Produktbereiche bescheren Apple erstmals seit 2001 eine schlechtere Jahresbilanz als die vom Vorjahr.

Vor allem das iPhone ist für den Rückgang verantwortlich zu machen, wobei das Niveau immer noch hoch bleibt und Apple sogar mehr Smartphones verkaufte, als Wall Street prognostizierte. Analysten hatten 44,8 Millionen Stück angesetzt, es waren laut Apple-Bilanz dann doch 45,5 Millionen. Der damit erzielte Umsatz von 28,16 Milliarden US-Dollar lag deutlich unter dem von 2015 (32,21 Milliarden US-Dollar), 2015 hatte Apple 48,05 Millionen iPhones zwischen Juni und September verkauft. Wie Apple-CEO Tim Cook im Conference-Call mit Analysten im Anschluss an die Bilanzveröffentlichung betonte, habe das iPhone in 33 der 40 wichtigsten Märkte zugelegt - welche die sieben mit negativen Wachstum waren, verriet Cook nicht.

Apples iPhone-Verkäufe gingen 2015/16 mit Ausnahme des ersten Quartals erstmals gegenüber Vorjahr zurück. Das iPhone 7 macht zwar Hoffnung, der nächste Boom ist aber erst mit dem Nachfolgemodell zu erwarten.
Vergrößern Apples iPhone-Verkäufe gingen 2015/16 mit Ausnahme des ersten Quartals erstmals gegenüber Vorjahr zurück. Das iPhone 7 macht zwar Hoffnung, der nächste Boom ist aber erst mit dem Nachfolgemodell zu erwarten.

Weiter rückläufig entwickelt sich auch das Geschäft mit dem iPad, im Berichtszeitraum wurde Apple 9,27 Millionen Stück los, was 4,26  Milliarden US-Dollar in die Kassen Cupertinos spülte. Vor einem Jahr waren es noch 9,88 Millionen Stück und 4,28  Milliarden US-Dollar gewesen.

Mac kommt von hohem Niveau, Apple Watch marginal

Deutlich Federn lassen musste indes der Mac, Apple hatte vor einem Jahr aber mit 5,7 Millionen Stück so viele Rechner in einem Quartal verkauft wie noch nie davor und dabei 6,9 Milliarden US-Dollar eingenommen. Heuer waren es bei nur noch 4,89 Millionen Verkäufen 5,74 Milliarden US-Dollar. Am Donnerstag dieser Woche stellt Apple neue Macs vor, die den Absatz wieder ankurbeln sollten, im Berichtszeitraum waren neue Modelle ausgeblieben.

Das iPad führt seinen Abwärtstrend fort und nähert sich in Stückzahlen wieder dem Mac an. Dieser hat in Q4 15/16 zwar stark verloren, kam aber von seinem absoluten Maximum im Vorjahr.
Vergrößern Das iPad führt seinen Abwärtstrend fort und nähert sich in Stückzahlen wieder dem Mac an. Dieser hat in Q4 15/16 zwar stark verloren, kam aber von seinem absoluten Maximum im Vorjahr.

Schlechte Zeiten scheint aber auch die Apple Watch zu haben, der Bereich "andere Produkte" trug nur noch 2,4 Milliarden US-Dollar zur Bilanz bei, vor einem Jahr waren es 3,05 Milliarden US-Dollar. Laut IDC ist Apple zwar weiterhin Marktführer bei Smartwatches , hat von Juni bis September aber nur noch etwas mehr als eine Million Uhren verkauft - 70 Prozent weniger als vor einem Jahr. Apple nennt keine genauen Zahlen, die Bilanz untermauert aber die Kalkulation der Marktforscher aus Framingham bei Boston. Unter die anderen Produkte subsummiert Apple auch den iPod, der ist aber 15 Jahre nach seiner Premiere unwichtig geworden.

Service legt zu, optimistische Prognose

Erfreulich für Apple entwickelt sich indes der Service-Bereich, in dem die Einnahmen aus iTunes, iCloud, Apple Music und dem App Store zusammenlaufen, diese stiegen um 24 Prozent auf nunmehr 6,3 Milliarden US-Dollar. Besonders erfreut zeigte sich Cook über den Zuwachs der Musikumsätze um 22 Prozent, was vor allem auf Apple Music zurückzuführen sei. Zur Erinnerung: im Vorjahr hatte Apple mit seinem Streamingdienst nach einer dreimonatigen Probephase erst ab dem Dezember Einnahmen generiert. Apple Pay ist diese Woche auch in Japan an den Start gegangen, in den "nächsten Monaten" werde das auch in Spanien der Fall sein - von Deutschland kein Wort.

Trotz der eher mäßigen Zahlen betonte Apple-CEO Tim Cook in der Pressemeldung, Apple sei begeistert über die Kundenresonanz auf iPhone 7, iPhone 7 Plus und Apple Watch Series 2, ohne aber genaue Zahlen zu nennen, wie viele der neuen iPhones Apple nun verkauft hat. Anders als im Vorjahr fiel immerhin eine ganze Woche nach dem Verkaufsstart in den Berichtszeitraum, ohne das neue Modell hätte die Bilanz womöglich deutlich schlechter ausfallen können. Besserung ist aber in Sicht, für das Dezemberquartal erwartet Apple einen Umsatz zwischen 76 und 78 Milliarden US-Dollar. Das wäre dann im Rahmen des Vorjahres respektive leicht darüber. Am 10. November will Apple die nächste Dividende an Aktionäre auszahlen, 57 Cent pro Aktie.

Was die Zukunft sonst noch bringt

Apple muss seine Aktionäre bei Laune halten und deren Glauben an zukünftiges Wachstum fördern, weshalb Tim Cook im Conference Call diverse Andeutungen über zukünftige und auch gegenwärtige Technologien macht. Lang und breit preist er etwa das maschinelle Lernen, das in iOS 10 noch mehr Bedeutung bekommen hat und den Assistenten Siri intelligenter machen soll. Auf die neugierige Frage von Gene Muster nach Apples Autoplänen sagte Cook nur, das Thema Auto sei gewiss ein interessantes, da Apple stets auf neue Dinge schaue, auf die man die Kundenerfahrung mit Apple-Produkten ausdehnen könne. Doch er könne keine Gerüchte kommentieren und habe auch nichts Neues anzukündigen. Die gegenüber dem Umsatz deutlich stärker angestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung begründet Tim Cook auch mit zunehmenden Investitionen in Services. Zudem gebe Apple natürlich immer Geld für Entwicklung von Produkten aus, die noch nicht auf dem Markt seien. Apple habe die "Stärkste Pipeline aller Zeiten" meinte Cook auf eine weitere Frage, werde aber nicht darüber sprechen, was denn genau darin stecke. Apple wisse aber genau, auf welche Technologien man setzen müsse und sei agil genug, sich immer wieder neu zu justieren.

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