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Apples Geheimniskrämerei: Ein Problem für Profi-Anwender

23.08.2021 | 12:10 Uhr | Stephan Wiesend

Apples neue Mac-Angebote richten sich eher an Büro- und Heimanwender, Interessenten der Pro-Linie bleiben aber im Unklaren und sind auf Gerüchte angewiesen.

Macs haben einen guten Ruf bei Profis. Oft steht bei Events ein altes Apple-Notebook am Mischpult, Regisseure, Designer und Grafiker sieht man ebenfalls häufig vor einem Gerät mit Apfel-Logo sitzen. Das ist unbezahlbar für das Image der Produkte und Apple nutzt dies auch intensiv, etwa für eine Kampagne wie Apples „ Hinter dem Mac “. Was Apples aktuelle Angebot für Profi-Anwender betrifft, gibt es aber eine viel zu große Anzahl an Fragezeichen. Stellen wir uns vor, ein angehender Youtube-Star will sich einen Mac kaufen – für den täglichen Videoschnitt mit Final Cut Pro. Leistung ist wichtig, Geld kein Problem. Er braucht ihn aber sofort. Was soll er sich nun im Apple Store kaufen?

Aktuell kämen wir bei der Empfehlung eines Macs ziemlich ins Schwimmen und schuld daran ist vor allem Apples Geheimniskrämerei bzw. Marketing.

ARM hinterlässt professionelle Anwender verunsichert

Der iMac Pro von 2017 wäre noch vor einem Jahr unsere klare Empfehlung gewesen und ist es für diese Aufgaben eigentlich noch immer. Apple hat aber angekündigt alle Rechner auf die ARM-Plattform umzuziehen, Intel-Geräte wie der iMac Pro sind deshalb keine sicher Bank mehr. Das Problem: Kompatible Software ist da, bisher hat Apple aber noch keine Geräte für Profis vor ihrem Erscheinungstermin angekündigt. Die bisher erschienenen Macbooks und der Mini richten sich wie der farbenfrohe iMac 24-Zoll vor allem an Heim- und Büroanwender. So sind sie mit maximal 16 GB RAM zu haben und haben lächerlich wenig Schnittstellen. Was aber, wenn jemand 8K-Videos schneiden will? Oder in einem Jahr mit VR und AR experimentieren? Noch mehr Skrupel hätten wir aktuell, zur Anschaffung eines Mac Pro zu raten – und das nicht nur wegen des Preises. Der Mac Pro ist sinnvoll, wenn man ihn mit PCI-Karten, Grafikkarten und Speicherlösungen erweitern will. MPX-Module und Karten wie Afterburner könnten sich in ARM-Zeiten aber schnell als Insellösungen erweisen. Mancher wird jetzt auf die kommenden Macbook Pro verweisen, die bald erscheinen werden.  Das ist richtig, für professionellen Videoschnitt sind aber Desktops wie iMac und Mac Pro weit besser geeignet. Schon aus Gründen wie Überhitzung, Fragen der Ergonomie und Effizienz sind hier Desktops die bessere Wahl. Auch das kommende Macbook Pro 16-Zoll würden wir deshalb eher im „Premium“ als im „Pro“-Bereich verorten.

Der Mangel an Planungssicherheit

Soll man also raten mit dem Kauf zu warten? Dann müsste man dem Käufer aber auch erklären wie lange er warten soll. Aktuell kann man hier nur auf die von Apple energisch bekämpften Gerüchte verweisen – was für einen professionellen Nutzer eigentlich nicht akzeptabel ist. Einem Heimanwender schadet es nicht, wenn er mal ein iPad oder Macbook Air-Modell abwartet, bei seinem Firmenrechner möchte man  doch mehr Investitionsssicherheit. So soll es laut diesen Gerüchten im vierten Quartal einen neuen großen iMac geben, der den iMac Pro ersetzen könnte. Eine gute Nachricht, das Erscheinungsdatum ist aber unbekannt. Besonders wolkig sind noch dazu die Gerüchte über den kommenden Mac Pro. Was bekannt ist: Laut dem gut informierten Mark Gurman soll der kommende Rechner ein kleineres Gehäuse erhalten und statt AMD-Grafikkarten auf eine eigene Apple-Grafik setzen – und in zwei CPU-Versionen erscheinen. Er soll doppelt so schnell wie die kommenden Macbook Pro sein, für uns lässt das Konzept aber noch viele Fragen offen und sorgt eher für Unsicherheit. So klingt dies nach einem geschlossenen und nicht erweiterbarer  System wie der Mac Pro von 2013, weniger einem erweiterbaren Mac Pro.

Den Erscheinungstermin erfahren wir aber – irgendwann. Auch das Erscheinen einer Pro-Version des Mac Mini wurde offenbar in das nächste Jahr verschoben, um mehr Aufmerksamkeit für die Macbook Pro zu erhalten.

Dabei hatte Apple bei der Vorstellung des letzten Mac Pro Besserung gelobt und wollte besser auf die Bedürfnisse professioneller Anwender eingehen. Der Mac Pro 2019 wurde lange im Voraus ausführlich angekündigt und man arbeitete mit professionellen Nutzern zusammen. Ist doch eine Workstation wie der Mac Pro auf lange Nutzungszeit ausgelegt und man legt viel Wert auf Modularität und Anpassbarkeit. Aktuell ist von diesen guten Vorsätzen aber nichts mehr zu hören. Noch immer steht kein Termin für den Mac Pro-Nachfolger fest, noch ist dessen Konzept bekannt. Fast hat man den Eindruck, dass Geräte wie der Mac Pro für Apple eine Art lästige Pflicht geworden sind. Wir hoffen, dass wir da falsch liegen und Apple zumindest bei einer der nächsten Keynotes eine kleine Vorschau auf die kommen Pro-Modelle gibt.

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