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Apples M1 – ist er wirklich „3X so schnell“?

11.11.2020 | 15:41 Uhr | Stephan Wiesend

Die neue M1-CPU von Apple liefert eine beeindruckende Leistung, Apples Benchmarks lassen aber einige Fragen offen.

Bei der gestrigen Keynote attestierte Apple dem neuen M1-Chip eine beeindruckende Leistung. Jedem der Modelle, Macbook Air, Macbook Pro und Mac Mini, wurde eine um etwa den Faktor drei gesteigerte Leistung bescheinigt – auch im Vergleich zu Windows-Geräten. Will man die Performance der neuen Geräte mit ihren Vorgängern vergleichen, wird es aber kompliziert – sorgen doch beim M1 gleich drei verschiedene Module für die hohe Performance: Eine neue 8-Kern-CPU, eine 8-Kern-Grafikkarte und eine 16-Kern-Neural Engine. Es lohnt sich deshalb nachzuprüfen, wie Apple zu diesen Ergebnissen kommt.

CPU 2,8x schneller?

Laut Apple ist die neue CPU um bis zu 2,8-Mal schneller als die CPU des alten Macbook Pro – so auf der Webseite. Wie Apple zu diesem „2,8“ kommt, wird in Fußnoten näher erläutert – mit interessanten Details. Laut dem „Kleingedruckten“ bezieht sich der behauptete Leistungssprung nämlich auf das günstige Quadcore-Modell mit Core i7-CPU, nicht auf die Top-Modelle mit Quad-Cores der zehnten Intel-Generation oder gar einen Core i9 mit 8 Kernen. Die Leistungssteigerung selbst klingt glaubwürdig, sie wurde mit Beispielen aus dem Programmieralltag geprüft und ein Open source erstellt: Mit Xcode 12.2 mit Apple Clang 12.0.0, Ninja 1.10.0.git und CMake 3.16.5. Der Haken: Nicht übersehen sollte man, dass es sich um eine ARM-Version von Xcode handelt. Performance-Messungen mit nicht-nativer Software wie Premiere oder Word könnten dagegen deutlich schlechter ausfallen.

Der neue Mac Mini sollte sich auch für Spiele eignen.
Vergrößern Der neue Mac Mini sollte sich auch für Spiele eignen.
© Apple

Grafik 5x schneller

Integrierte Grafiklösungen wie die Intel Iris Plus Graphics 645 des alten Macbook Pro sind eher lahm und für Spiele nur sehr begrenzt geeignet. Mit der Grafik des M1-Chips verspricht Apple aber eine besonders deutliche Leistungsverbesserung – um etwa den Faktor fünf. Offenbar fehlt es hier aber noch an nativen ARM-Apps. Für den Test der Grafik-Leistung wurde deshalb eine Vorabversion von Final Cut Pro 10.5 gewählt und als Test etwa ein 10-Sekunden-Projekt mit  Apple ProRes 422 bei einer Auflösung von 3840 × 2160  und 30 Frames pro Sekunde.

Auch ein Spiel wie Tomb Raider profitiert von der besseren Grafikleistung.
Vergrößern Auch ein Spiel wie Tomb Raider profitiert von der besseren Grafikleistung.

Besonders das Rendern wurde offenbar beschleunigt, beim Macbook Air um den Faktor 5,3 – sehr beeindruckend. Aber auch bei einem „echten“ Spiele-Test beweist der M1 eine gute Leistung. Im Vergleich zum Intel Mac Mini lieferte die M1-Version die vierfache Framerate – eine beeindruckende Leistung und umso mehr, da das Spiel wohl nicht als ARM-Version vorlag.

Auch im Vergleich zum Macbook Air mit besserer Iris-Grafikkarte stieg die Performance deutlich: Bei Tom Raider immerhin um das 3,1-fache. Weniger beeindruckend die Leistung bei Shapr3D, hier steigerte sich die Echtzeit 3D-Leistung im Vergleich „nur“  um das 2,2-fache. Was man aber nicht vergessen sollte: Apple testete die Performance mit M1-Chips mit 16 GB RAM. Da sich aber beim M1 CPU und Grafikkarte den Arbeitsspeicher teilen, könnten die günstigeren M1-Versionen mit 8 GB RAM deutlich langsamer abschneiden. Dazu muss man aber erste Tests abwarten.

Neural Engine

Auch die Neural Engine soll bis zu 11x schneller sein. Dies wurde allerdings in einem recht speziellen Fall getestet: Mit einer Vorabversion von Xcode 12.2 und Create ML 2.0, mit einem in der App erstellten Action Classification Modell. Zum Einsatz kommt sie schließlich nur, wenn ein Softwareentwickler diese Engine unterstützt – was uns ein wenig an die alte Altivec-Einheit des G4-Prozessors erinnert. Hier wird sich zeigen, inwieweit Entwickler diese neue Technologie nutzen werden.

Fazit:

Apples Performance-Versprechen scheinen in etwa zu stimmen. Als Vergleichsmaßstab nutzt Apple allerdings eher schwachbrüstige Einstiegsmodelle und vor allem Apps, die bereits als ARM-Version vorliegen. Wir sind gespannt, wie die neuen Macs gegen eine Macbook Pro 16-Zoll besteht, vor allem bei Apps, die noch nicht als ARM-Version vorliegen.

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