2473464

Apples Reparaturstrategie und Umweltschutz – passt das zusammen?

05.12.2019 | 09:05 Uhr | Peter Müller

Apple betont, sich für Umweltschutz einzusetzen. Aber passt es auch zu der Strategie, seine Geräte nur selbst reparieren zu wollen?

Der Guardian-Kolumnistin Arwa Mahdawi ist ihr zwei Jahre altes Macbook Pro kaputtgegangen – in einer Art und Weise, dass sich die Reparatur kaum lohnte und sie den Empfehlungen des Genius folgte, lieber ein neues Gerät zu kaufen. So weit, so unschön für die Kollegin, doch zieht sie in ihrem Kommentar einen nicht ganz korrekten Schluss: Apple würde zwar ständig davon sprechen, den Klimawandel zu bekämpfen und einen besseren Planeten zu hinterlassen, aber wenn es darum ginge, mit einem Recht auf Reparatur kaputte Geräte länger haltbar zu machen, wehre sich Apple gegen die entsprechende Gesetzgebung. Die Folge seien Haufen von unbenutzbaren Macbooks, iPhones und iPads.

Hier irrt die Kollegin aber, denn Apples Bestreben, seine Produkte nur selbst oder von autorisieren Fachleuten reparieren zu lassen, steht eben nicht im Widerspruch zum Umweltschutz. Denken wir uns den Fall des Macbook Air von 2017 – also Modelljahr 2015 und damit effektiv vier Jahre alt – in einer alternativen Realität, in der weniger versierte Fachleute das Gerät verschlimmbessern. Dann liegt es wirklich nur herum oder landet am Ende noch auf einer Müllhalde in der Dritten Welt. So aber lässt Apple zumindest das Aluminium einschmelzen und wieder verwerten, auch für andere Komponenten ist noch nicht das Ende erreicht, obwohl Apple beim Recycling von Zinn und Kobalt noch einen weiten Weg vor sich hat. Zumal der beschriebene Fall eher ein seltener sein dürfte, Macbooks halten in der Regel meist wesentlich länger als die Produkte der Konkurrenz.

Und wer das ausrangierte Gerät zurück in den Apple Store bringt, bekommt auch für Altaluminium noch ein bisschen Geld zurück, das man etwa in die Garantieverlängerung Apple Care+ für das neue Gerät stecken kann. Dann wird im Zweifelsfall die Reparatur nicht so teuer.

Unser Macworld-Kollege Kirk McElhern merkt noch dazu an, die Autorin sei unvorbereitet zum Termin gekommen: In Großbritannien gibt es ein Verbrauchergesetz "Sales of Goods act", seit 2015 Verbraucherrechtegesetz ( Consumer Rights Act 2015 ) genannt. Demnach hat ein verkauftes Gerät von einer zufriedenstellenden Qualität zu sein, unter anderem auch langlebig. Entspricht das gekaute Gerät nicht dieser Beschreibung, hat der Kunde ein Recht auf eine kostenlose Reparatur. Auf dieses Gesetz hätte sich die Autorin berufen müssen und auf einer Reparatur bestehen können, meint McElhern. So hätte sie kein neues Macbook kaufen müssen.

Macwelt Marktplatz

2473464