2419923

Apples Streit mit der EU – Ladekabel für alle(s)?

03.04.2019 | 13:30 Uhr | Jan Schaller

Die Idee für ein einheitliches Ladekabel ist einfach und genial, aber wohl kaum zu verwirklichen.

Vor zehn Jahren waren wir dem Traum schon einmal ganz nahe: Ein (Lade-)Kabel für alles. Jedes Smartphone, egal von welchem Hersteller, egal aus welchem Produktzyklus sollte mit nur einem einzigen Typ von Ladekabel mit frischer Energie versorgt werden können. Zumindest war das das Ansinnen der EU-Kommission. Damals waren nicht weniger als 30 verschiedene Lösungen auf dem Markt. Das ist nicht nur schlecht für Konsumenten, sondern auch für die Umwelt. Vereinheitlichung war also das höchste Gebot.

Heraus kam damals ein sogenanntes „Memorandum of Understanding“, welches zunächst bis 2014 galt. Es handelt sich hierbei um eine Art Absichtserklärung zwischen den Herstellern, die aber nicht rechtlich bindend ist. Dennoch machte man bedeutende Fortschritte. Selbst Apple war mit von der Partie, wenngleich man den eigenen Dockanschluss behielt und lediglich einen Micro-USB-Adapter anbot. In der Folge etablierte sich der USB 2.0 Micro B Stecker oder einfach Micro-USB als Standard. 90 Prozent der Hersteller unterstützen diesen Standard Ende 2012.

Seitdem ist allerdings nicht viel passiert. Zwar bemühte sich die EU-Kommission nach Auslaufen des Memorandums um weitere Vereinbarungen, signifikante Fortschritte waren aber nicht zu verzeichnen. Mit Einführung des Lightning-Standards beim iPhone 5 im Jahr 2012 rückte eine einzige Lösung für alle wieder in weite Ferne.

Lightning, USB-C und Thunderbolt 3

Dabei gab es gute Gründe für Apples damalige Entscheidung: Lightning-Stecker können nicht falsch eingesteckt werden. Deutlich wichtiger dürfte aber gewesen sein, dass Lightning vielseitiger ist. Wo bei Micro-USB nur zwei Leitungen für Strom und Datentransfer zur Verfügung stehen, wurde Lightning u.a. auch für HDMI konzipiert. Kontrolle über die Lieferkette und die Möglichkeit, Lizenzgebühren zu erheben, dürften ebenso eine wichtige Rolle gespielt haben.

Mit Einführung des USB-C-Standards sollte dann aber wirklich alles besser werden. Blöd nur, dass sich USB-C nur auf die Bauform bezieht, nicht aber auf die Inhalte. Und so kann es passieren, dass man zwar einen USB-C-Stecker in Händen hält, dieser aber nur mit lahmer USB-2.0-Geschwindigkeit überträgt. Die meisten USB-C-Stecker nutzen zum Glück USB 3.1, womit zum Beispiel auch Displays in 4K betrieben werden können. Apple war aber auch das nicht genug, sodass man gemeinsam mit Intel Thunderbolt 3 entwickelte – und nun in der Lage ist, schnellere Geschwindigkeiten zu liefern und externe Grafikkarten anzusteuern. Im Frühjahr 2019 haben wir also nun zwar eine bessere Lage als noch zehn Jahre zuvor, ideal ist sie aber auch bei weitem nicht. Die USB-C-Bauform hat sich zwar etabliert, es existieren aber nach wie vor verschiedene Übertragungsstandards. Hinzu kommt immer noch Micro-USB, das manch obskurer Hardware-Hersteller immer noch nutzt. Und natürlich Lightning für iPhones.

USB-C und Thunderbolt 3: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Neue Initiative der EU-Kommission

Seit August 2018 plant die EU-Kommission den nächsten Anlauf in Form einer Initiative unter dem Titel „Gemeinsame Ladegeräte für Mobiltelefone und andere kompatible Geräte“. Ziel ist es, die Zersplitterung der Ladelösungen möglichst zu beseitigen, gleichzeitig aber Innovation nicht zu behindern. Man hat hier offenkundig aus dem ersten Versuch von 2009 gelernt und möchte dieses Mal nicht, dass beispielsweise Apple ausschert, wenn der vereinbarte Standard nicht ambitioniert genug ist.

Momentan ist man hier aber noch an einem sehr frühen Punkt, an dem alle Optionen auf dem Tisch liegen: ein „Weiter so“ wie bisher ohne gemeinsame Lösung, eine freiwillige Übereinkunft oder die Regulierung seitens der EU. Auch was die technische Umsetzung angeht, ist noch keine Festlegung erfolgt. Vorsorglich werden alle denkbaren Möglichkeiten ins Spiel gebracht: USB-A-Stecker (das sind die „normalen“) mit abnehmbaren Kabel, USB-C-Stecker mit abnehmbaren Kabel oder eine Lösung mit fest verbautem Kabel. Einzig das Ziel steht fest: eine zukunftssichere Lösung, die möglichst nur einen einzigen Ladestandard bereithält, den alle nutzen.

Interessant ist auf jeden Fall, was Apple selbst zur Initiative sagt. In einer offiziellen Stellungnahme vom 31.Januar 2019 betonen die Kalifornier, dass ihnen Innovation und Umweltschutz besonders wichtig seien. Man wolle die vielen Millionen Zubehörgeräte mit Lightning-Anschluss nicht wertlos machen. Gleichzeitig habe man sich aber darauf festgelegt, dass alle neuen Smartphones den USB-C-Standard nutzen sollen. Bekanntermaßen setzen aber zumindest die aktuellen iPhones noch auf Lightning, ebenso die neuen iPad-Modelle aus dem Frühjahr 2019 (iPad Mini, iPad Air). Möglicherweise ändert sich das im kommenden Herbst, wenn neue iPhones vorgestellt werden.

Nächste Schritte bereits Ende 2019

Im nächsten Schritt sollen nun die Öffentlichkeit und Experten konsultiert werden. Die Konfliktlinie dürfte dabei u.a. zwischen Herstellern im unteren Preissegment und Premium-Marken wie Apple verlaufen. Die einen wollen die günstigste Lösung, die anderen keine Kompromisse bei der Leistung. Dennoch ist es gut, wenn in dieser Frage wieder ein Dialog einsetzt. Denn ohne Dialog wird sich garantiert nichts bessern. In der EU-Kommission will man bereits im letzten Quartal 2019 mit ersten Entwürfen starten.

Eine Übersicht zum aktuellen Stand der Diskussion findet sich auf der Webseite der EU-Kommission .

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Macwelt Marktplatz

2419923