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Apples neue Offenheit: Zufall oder Trend?

21.12.2021 | 13:40 Uhr | Stephan Wiesend, Halyna Kubiv

Ein Team des Senders TV1 durfte erstmals einen Bericht in Apples Firmenzentrum drehen und liefert einen "kurzen" Einblick in die AtmosphÀre der Firmenzentrale Apple Park.

Apples GeheimniskrĂ€merei ist legendĂ€r, ausgerechnet wĂ€hrend der Pandemie scheint sich hier aber ein Wandel abzuzeichnen. So wĂ€re es noch vor Kurzem undenkbar gewesen, dass ein Magazin wie „ Wallpaper “ die RĂ€ume von Apples Design Team besucht – und dort sogar Fotos machen darf. Der Bericht von Jonathan Bell erschien letzte Woche online und in der aktuellen Ausgabe des Magazins. Vor allem die Fotos liefern interessante Einblicke in die ArbeitsatmosphĂ€re des immens wichtigen Teams um Evans Hankey und Alan Dye.

Noch erstaunlicher: Jetzt erhielt sogar ein ganzes TV-Team des französischen Senders TF1 eine Dreherlaubnis im Apple Campus. Das Team um Yani Khezzar durfte dabei nicht nur im GebĂ€ude filmen, sondern interviewte auch drei leitende Apple Manager: Apples Marketing-Chef Greg Joswiak, Lisa Jackson und die fĂŒr den Bereich Gesundheit zustĂ€ndige Dr. Sumbul Desai. Der Beitrag ist hier abrufbar . Inhaltlich ist der knapp vier Minuten lange Beitrag fĂŒr Apple-Fans fast etwas enttĂ€uschend. Von den drei Interviewpartnern hört man eigentlich wenig Neues, Dr. Sumbul Desai bekrĂ€ftigt etwa, wie wichtig fĂŒr Apple der Schutz privater Daten ist, die fĂŒr Umweltschutz verantwortliche Lisa Jackson, wie wichtig fĂŒr Apple Recycling und Innovation sind.

Interessanter ist aber wohl, dass diese Reportagen ĂŒberhaupt möglich wurden. Noch zu Zeiten von Steve Jobs oder Joswiaks VorgĂ€nger Phil Schiller wĂ€ren solche BeitrĂ€ge wohl kaum möglich gewesen. Wirklich einfach hat man es aber als Journalist wohl noch immer nicht mit Apple, in einem Twitter-Beitrag merkt der Sender TF1 an , dass die Verhandlung mit Apple ĂŒber den Besuch ganze zwei Jahre gedauert hĂ€tten – viel Aufwand fĂŒr knapp vier Minuten. WĂ€hrend der Dreharbeiten waren die Journalisten außerdem nie ohne Begleitung und ĂŒber jeden gefilmten Ort wurde verhandelt. Es fĂ€llt außerdem auf, dass alle in den Innenaufnahmen vorbei gehenden  Apple-Mitarbeiter im Video unkenntlich gemacht wurden, offensichtlich eine weitere Vorgabe von Apple.

Fazit: 

Ob die neue Offenheit von Apple lange anhĂ€lt, bleibt abzuwarten. Doch eine lang bewĂ€hrte Schmallippigkeit gegenĂŒber den Medien hat in den letzten Jahren ein böses Spiel mit Apple gespielt: Konnte 2010 noch Polizei bei Gizmodo auftauchen und das Haus nach verlorengegangenem iPhone-4-Prototyp durchsuchen , kontrollieren in den letzten Jahren die Berichterstattung um die (kommenden) Produkte die Leaker. Zwar sind die Keynotes nach wie vor genau orchestrierte Ereignisse rund um iPhone, Mac und iPad, doch das Gezeigte wird lang davor bekannt. Trotzt einem eigens erschaffenen Sicherheitsdienst und juristischen Schritten gegenĂŒber einzelnen Personen  bleibt Apples Zuliefererkette löchrig wie ein Sieb. Die Informationen, die daraus stammen, kann das Unternehmen weder kontrollieren noch stoppen, mit der Berichterstattung aus der Zentrale in Cupertino kann Apple zumindest teilweise das Gesamtbild in den Medien steuern. 

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