2229281

Astronomen rätseln über Signale von 234 Sternen

21.10.2016 | 11:44 Uhr |

Little Green Men, zum Dritten: Astronomen rätseln über Signale von sonnenähnlichen Sternen und finden noch keine natürliche Erklärung dafür - stattdessen außerirdische Intelligenz

"Der Weltraum, unendliche Weiten..." so begannen vor 50 Jahren zunächst im US-Fernsehen die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise im 23. Jahrhundert. Mal davon abgesehen, dass das mit der Unendlichkeit so eine Sache ist, seitdem die Wissenschaft zunächst die Erde, dann die Sonne und selbst unsere Galaxis aus dem Zentrum des menschlichen Weltbildes verbannt hat, treibt uns die Frage um: "Is there anybody out there?" Vor gut 40 Jahren verließen mit den Voyager-Sonden zwei Raumfahrzeuge die Erde, die umgekehrt in ferne Zukunft und in großen Weiten von unserer Existenz künden sollten, gut 40 Jahre länger sind bereits Radiowellen unterwegs, die fortschrittliche Lebewesen weit draußen im All als künstlich identifizieren würden. Im Umkreis von 80 Lichtjahren gibt es etliche Kandidaten für Planeten in habitablen Zonen, die Antwort wäre aber genau so lange unterwegs wie unser Signal.

Carl Sagans Roman "Contact", verfilmt mit Jodie Foster in der Hauptrolle, spielt mit genau diesem Gedanken: Was wäre, wenn eine uns technisch (und hoffentlich auch sozial) überlegene Kultur die ersten weltumspannenden (und daher energiereichen) Radiowellen auffangen würde? Im Film geht es konkret um die Übertragung der Eröffnung der olympischen Spiele 1936 in Berlin, welche die Aliens zurücksenden und darin einen Bauplan für eine ominöse Maschine einbetten. In der Realität haben wir aber bisher weder eine Antwort auf eine nicht gestellte Frage bekommen, noch andere Signale aufgefangen, die eindeutig außerirdischer und zugleich "intelligenter" Natur waren.

Im Jahr 1967 entdeckte die Doktorandin Jocelyn Bell mit dem Radioteleskop an der Universität Cambridge ein verdächtiges Signal aus Richtung des Sternbildes Vulpecula, das sie ironisch auf den Namen LGM-1 ("Little Green Men") taufte. Langweiliger Weise war damit aber nur ein zuvor unbekannter Sternenzustand entdeckt, der des Pulsars, eine auf seine Neutronen eingedampfte ausgebrannte Sonne. Den Nobelpreis für diese Entdeckung bekam anschließend Bells Doktorvater Antony Hewish zugesprochen.

Im Jahr 1977 traf anscheinend das nächste Telefonat von E.T. ein, das als "Wow"-Signal bekannt geworden ist. Die bisher plausibelste Erklärung dafür ließ fast vierzig Jahre auf sich warten, Anfang 2016 behaupteten Forscher, sie wären einem Kometen auf die Schliche gekommen, der exakt zu jener Zeit einmalig am Radioteleskop der Forscher vorbeigezogen war und entsprechende Spuren hinterließ .

Mysteriöse Signale von sonnenähnlichen Sternen

Nun aber rätselt die Fachwelt vor einer faszinierten Öffentlichkeit über ein Ergebnis der Astronomen E.F. Borra und E. Trottier von der Cornell Universität, die die Spektren von 2,5 Millionen Sternen vermessen hatten und in 234 davon seltsame periodische Modulationen entdeckten. Diese lägen nur in einem engen Frequenzbereich und stammten von Sternen der Spektralklassen F2 bis K1, also jenen "gelben" Sternen, zu denen auch unsere Sonne gehört und in deren Umgebung im Gegensatz zu den blauen und roten Sternen an den beiden Enden des Spektrums Leben, wie wir es kennen, zumindest denkbar ist. Für Aufsehen sorgt aber seit Veröffentlichung am 10. Oktober die Schlussfolgerung der Forscher.

Denn neben natürlichen Ursachen wie Rotationsübergänge in Molekülen (also in etwa das, was täglich in unseren Mikrowellenherden passiert...), schnelle Pulse oder Fourier-Transformationen hatten Borra und Trottier auch von extraterrestrischen Intelligenzen versandte Lichtimpulse als eine mögliche Ursache angesehen. Und weder die genannten Rotationsmoden (langwelliges Licht, das wir als Mikrowellen bezeichnen, bringt bei der richtigen Frequenz das dipolare Wassermolekül dazu, sich um die eigene Achse zu drehen) noch schnelle Pulse oder gar Fourier-Transformationen würden aber Art und Form des Signals erklären. Stattdessen halten es die Forscher also für möglich, dass Außerirdische uns mit Lichtsignalen von ihrer Existenz künden wollen. Die Signale würden genau so aussehen, wie frühere Forschungen über die Form von extraterrestrischen Botschaften spekuliert hatten - das würde also zur Hypothese des Anrufs von E.T. passen. 

Die Wissenschaftler weisen aber vorsichtig darauf hin, dass ihre Hypothese von weiteren Untersuchungen gestützt werden müsste. Eine natürliche Ursache, die sie zwar für unwahrscheinlich halten, erwähnen Borra und Trottier dennoch: Die Signale könnten auch von seltsamen chemischen Verbindungen seltener Sterne aus dem Halo unserer Galaxis kommen.

Sollte E.T. aber wirklich anrufen wollen, müsste er das Signal in einer Weise modulieren, damit wir verstehen, was er uns sagen will. Im erwähnten Werk "Contact" machen die Außerirdischen von ihrer Relais-Station nahe der Wega von der universellen Sprache Gebrauch, die in dieser und alle den anderen Galaxien jedes fortschrittliche Wesen verstehen sollte – der Mathematik. Ihre Radiopulse kommen in Gruppen von 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17 Signalen - und so weiter bis alle Primzahlen unter 100 dran waren, dann geht es von vorne los. Derartige Chiffren haben die 234 Sterne wohl (noch) nicht ausgesandt...

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

2229281