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31.10.2004 | 16:00 Uhr |

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Die Windowskolumne


Von Thomas Hartmann

Happy Birthday Windows XP! Im Ernst?

Geben wir es zu: die Zeiten, zu denen man sich als Macianer über gelungene Anzeigenkampagnen von Apple wie das berühmte "C:\NGRTLNS.W95" zur Einführung von Windows-95 freuen konnte, sind vorbei. Denn DOS-Unterbau und Befehlszeilen-Eingaben gehören beim Microsoft-Betriebssystem der Vergangenheit an. Ein Treppenwitz der Computergeschichte: Heutzutage dürften sehr viel mehr Mac-User als Windows-Adepten Kommandos in schwarze Terminals einhacken. Es war ganz subjektiv früher einfacher, das in unseren Kreisen beliebte "Windows-Bashing" zu betreiben als gegenwärtig. Denn nach drei Jahren Windows XP hat man sich darüber wieder abgeregt, dass viele Features praktisch vom Mac geklaut erscheinen. Und die knallbunte "Luna-Oberfläche", mit der sich Windows XP zu Beginn präsentierte, ist schließlich schnell weggeklickt, für Nostalgiker sogar zurück zum alten Windows-98-Look. Wer will, kann sich mit Shareware dagegen auch eine Mac-OS-X-ähnliche Windows-Oberfläche verpassen.
Wie auch immer - selbstverständlich hat sich Windows XP mit der Marktmacht aus Redmond weltweit durchgesetzt. Nach wie vor klaffen zwar erhebliche Sicherheitslücken im System, besonders wenn man weiterhin den Internet-Explorer nutzt, wie er von Microsoft geliefert wird. Selbst dran schuld, muss man da in den meisten Fällen sagen, Alternativen gibt es genug. Aber um Browser-Fragen soll es jetzt nicht gehen.

Sondern wir wollen ernsthaft anerkennen, dass Microsoft aus dem schon vorher weithin geschätzten Windows NT und Windows 2000 ein Betriebssystem für die Massen gebastelt hat, das so schlecht nicht ist, wie man es aus Mac-Sicht gern hätte. Jenseits aller ästhetischen Perspektiven - da macht kein Windows-PC einem Mac was vor, auch nicht auf Betriebssystemebene - und auch jenseits der Tatsache, dass ein Mac immer noch einfacher zu bedienen ist als das doch recht komplex gewordene Windows XP. Aber stabil insgesamt ist es. Programme stürzen zwar ab, die berühmten Neustarts sind nach wie vor erforderlich. Davor bleiben wir bei intensivem Arbeiten freilich auch am Mac nicht immer verschont, Speicherschutz hin oder her. Aber früher haben wir in etwa alle drei Monate Windows (95 und 98) komplett neu installiert, weil das Basteln in den Tiefen der Registry, Optimieren oder Reparieren keinen Sinn mehr machte - nicht mal mit entsprechend mächtigen Tools. Also alles runter und wieder neu drauf gespielt. Dann lief es wieder vier Wochen lang wie geschmiert (so geschmiert Windows halt lief). Dann das Spielchen von vorn ...

Nein, so ist es heute wirklich nicht mehr. Wir betreiben sehr ausgiebig mit allen möglichen Shareware-Versuchen, Updates für Grafikkartentreiber und natürlich Windows XP selbst einen Dell-PC, der seit über einem Jahr weit gehend klaglos läuft, ohne dass wir auch nur an eine Neuinstallation denken mussten (auf Holz geklopft, dass es nach dieser Äußerung jetzt auch so bleibt...). Selbstverständlich ist ordentliche Pflege wie Defragmentieren, Aufräumen mit Tools oder auch per Hand vonnöten, schlimmsten Falls hilft meist die System eigene Wiederherstellungsfunktion, die übrigens entsprechend auch dem Mac gut täte. Aber dann läuft es doch mit einem durchaus vertretbaren Aufwand. Und man fragt sich schon mal, warum eigentlich noch Mac?
Dazu findet jeder seine eigenen Antworten, etwa aus professioneller Grafiker-Sicht. Dass Macs cooler sind und mit G5-Prozessoren verdammt schnell, ist ebenfalls wahr. Doch sicher ist, dass Apple ohne sein geniales Musikkonzept noch sehr viel deutlicher ins Hintertreffen geraten wäre, was Marktanteile in punkto Betriebssystem ausmacht. Die Konkurrenz von Windows ist mit XP inhaltlich sehr viel stärker geworden. Freilich hat Apple mit dem im nächsten Jahr erscheinenden Mac-OS X 10.4 "Tiger" die große Chance, den Abstand wieder richtig spürbar zu machen, zudem Microsoft mit seinem groß angekündigten "Longhorn" vorerst nicht wirklich protzen kann. Trotzdem und insofern ein ernst gemeintes "Congratulations Windows XP". Und auf dass Apple es in den kommenden drei Jahren schaffen möge, etwa über sein Musikgeschäft als "trojanisches Pferd" und auf Grund der Begeisterung für seinen neuen iMac im PC-Lager (!) dem übergroßen Konkurrenten aus Redmond ein paar Kuchenstückchen weg zu essen. Guten Appetit!

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