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Auf der anderen Seite - Windows-News für Macianer

08.05.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller, Thomas Hartmann

Auf der anderen Seite - Windows-News für Macianer

AOL, Gateway und Microsoft - unsere Themenzusammenstellung klingt nach einer typischen Windows-Trias der neunziger Jahre. Doch die Zeiten ändern sich - aber nur zum Teil... Von Thomas Hartmann

AOL Highspeed - Macianer müssen draußen bleiben

AOL als Internet-Provider ist bei vielen Macianern nicht allzu beliebt, wie sich auch in unserem Forum nachlesen lässt. Manche betrachten "America Online" wie einen vorgekauten Brei, der bloß zu Verstopfung führt. Und ärgern sich über die in der Tat akute Verstopfung der Briefkästen durch unerwünscht zugesandte AOL-Software in dicker Verpackung. Das Verhältnis war nicht immer so negativ. Schließlich ist AOL aus einer engen Zusammenarbeit mit Apple Anfang der neunziger Jahre aus Quantum hervorgegangen. Auch wenn die Wege dann auseinander gingen und AOL bereits auf den Windows-Markt zielte - der Versuch von Apple, mit eWorld Macianern einen proprietären Internet-Zugang zu bieten, basierte auf der Vorarbeit von AOL auch in grafischer Hinsicht.


Zeitsprung nach 2002: Die ersten amerikanischen (Beta-) Versionen von AOL für Mac-OS X waren den Windows-Ausgaben in mancher Hinsicht überlegen und passten sich immer besser in die Erscheinungsweise des neueren Apple-Betriebssystems ein. Doch dieser Fortschritt ist leider stehen geblieben, die heutige AOL-Software für Mac-OS X ist deutlich ins Hintertreffen gegenüber der Windows-Version geraten. Das merkt man nicht nur an der jetzt deutlich "frischer" wirkenden Windows-Oberfläche von AOL, sondern auch konkret inhaltlich, wenn man mit AOL-DSL "Highspeed" die multimedialen Angebote wie Musik-Download, Internet-Radio oder die sehr gelungene Auswahl von Kinotrailern aus Deutschland und den USA (als Preview) nutzen will. Die Musik lässt sich mit installiertem Windows Media Player Mac-OS X immerhin noch Probe hören. Doch beim Download-Versuch wird der Mac-Anwender mit einem Systemcheck konfrontiert.


Pech gehabt! Ähnlich ergeht es dem X-User beim Begehren, einen AOL-Trailer anzuschauen. Trotz DSL-Anschluss auf dem iBook heißt es vergeblich warten - unter Windows klappt das mit AOL dagegen hervorragend. Natürlich lassen sich die Vorschau-Filme auf künftige Kinoereignisse auch auf der Apple Homepage als Quicktime-Filme betrachten. Aber wer aus welchen Gründen auch immer das halbwegs "geschlossene System" eines klassischen Internet Service Providers mag, in dem man sich wie in einem virtuellen Dorf oder einer digitalen Einkaufszone bewegen kann, ohne den Bereich von AOL spürbar zu verlassen, der ärgert sich darüber. Auch übrigens über häufiger vorkommende Abstürze des AOL-Clients für Mac-OS X, wogegen die Windows-Ausgabe zumeist sehr stabil läuft und nach einem Crash wenigstens noch eine ordnungsgemäße Anmeldung ermöglicht. Der Macianer ärgert sich ferner über den schwachen Mac-Support der ansonsten kompetenten Hotline, die für 12 Cent pro Minute und rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche erreichbar ist. Der für Mitglieder kostenlose Chat mit Technikern von AOL funktioniert aber auch unter Mac-OS X. Möchte man jedoch spezielle Mac-Hilfe in Anspruch nehmen, verweisen die AOL-Berater freundlich, aber bestimmt an eine telefonische Auskunft unter einer 0190-Nummer. Teuer - freilich schreiben die AOL-Mitarbeiter ihren Kunden schon einmal 10 oder 15 Euro gut, bevor man am anderen Ende der Leitung in Tränen ausbricht.

Allen Schmährufen zum Trotz: AOL ist nach unserer Erfahrung ein insgesamt guter und verlässlicher Dienstleister, dafür sicher etwas teurer als manch anderer. Aber wirklich überall und jederzeit erreichbar, das betrifft auch alle persönlichen Einstellungen. Nur das definitive Kündigen der Mitgliedschaft soll nicht immer so einwandfrei klappen. AOL möchte seinen Kundenstamm weltweit offenbar so groß wie möglich halten, um der größte Provider in der Welt zu bleiben.
Klar ist: Möchte AOL die Mac-Nutzer bei Laune halten beziehungsweise dort wieder hinbekommen, muss der Provider deutlich nacharbeiten und seine DSL-Angebote auch unter Mac-OS X uneingeschränkt zur Verfügung stellen. Mindestens das Niveau von AOL 9.0 (Windows) erwarten wir. Immerhin konnten wir von AOL Deutschland erfahren, dass an einem neuen Client gearbeitet werde, der für beide Plattformen identische Funktionalität zur Verfügung stellen soll. Genaue Informationen oder gar einen Erscheinungstermin gibt es dafür leider noch nicht. Aber es ist gut zu hören, dass AOL seine - so wörtlich - "treue Mac-Klientel" nicht vergisst.

Info: AOL Deutschland

Gateway 2004 - and beyond?

Zunächst einmal ist es eine sehr ernsthafte und zu bedauernde Tatsache, wenn weitere 1500 Mitarbeiter (entspricht 40 Prozent der Gesamtbelegschaft) bei Gateway ihren Arbeitsplatz verlieren. Dies berichtete nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen von Gateway unser Schwestermagazin Computerwoche. Hire and fire gehört zum US-amerikanischen Business wie Gurken zum Cheeseburger, aber das soziale Netz dort drüben ist bei weitem nicht so dicht gespannt wie immer noch hier zu Lande.
Betrachtet man die letzten vier Jahre, hat der Computerbauer Gateway seine Belegschaft sogar von 25.000 Mitarbeitern in 2000 auf jetzt nur noch 2500 insgesamt reduziert, das bedeutet keinen Arbeitsplatzabbau um, sondern auf zehn Prozent! Die Ursachen hierfür sind vielfältig, unter anderem leistete sich Gateway 2000, wie es früher einmal hieß, als die Millenniums-Zahl noch zukunftsträchtig klang, zahlreiche "Gateway Stores" auch in Deutschland, unter anderem in Frankfurt am Main und Köln. Hier wurde man nett und kompetent beraten, wie wir aus eigener Erfahrung berichten können. Doch bereits gegen Ende der neunziger Jahre war das alles Vergangenheit in Deutschland. Direktanbieter wie Dell gruben dem Konkurrenten zunehmend das Wasser ab. Zwar hat die Übernahme von eMachines im März neue Dollars in die leeren Kassen gebracht, aber noch immer schreibt die US-Firma, die 1985 gegründet wurde, rote Zahlen.

Dabei galt Gateway ein bisschen als das "Apple für PCs"-Unternehmen, denn obgleich der Versender letztlich die Kisten auch nur zusammenschraubt anstatt sie selbst zu entwickeln, war deren Qualität und der dazugehörige Service doch vorbildlich. So telefonierte man über eine kostenlose 0180-Nummer mit dem europäischen Standort in Irland, und zwar ohne zeitliche Einschränkung mit Garantielaufzeit oder ähnlichem. Die Berater am anderen Ende der Leitung waren äußerst kompetent und telefonierten auch schon einmal zeitgleich zum gebührenfreien Anruf eines Kunden mit dem Hersteller eines Modems oder anderer Drittkomponenten, um zu klären, warum denn ein bestimmter Treiber nicht mit dem fraglichen Gateway-PC zusammenarbeiten wollte. In der Service-Wüste Deutschland wirkte ein solch kundenfreundliches Verhalten geradezu außerirdisch. Auch die Qualität der gelieferten PCs und die Systembetreuung durch mitgelieferte CDs und Tools war hervorragend, insofern ist es besonders bedauerlich, dass diese Marke, die mit Kuhfellflecken für einen etwas eigenartigen Hingucker sorgte, aus Deutschland verschwunden ist. Auch deren deutsche Internet-Seite verweist nur noch darauf, dass Verkauf und Direktvertrieb der Produkte eingestellt sind. Eingefleischte Mac-Liebhaber mögen es nicht wirklich bedauern. Schließlich hatte Gateway mit seinem All-in-One-Plagiat :PC Profile 4 einen ziemlich kläglichen Versuch unternommen, sich gegen Apples iMac mit TFT-Display zu positionieren. Dennoch bleibt die Gateway -Produktpalette mit seinem recht ausgefeilten Design auch heute noch eine - wenn schon denn schon - "bessere" PC-Alternative gegenüber anderen Dosen-Bauern.

Info: Computerwoche

Office für Mac-OS X - die "helle Seite" von Microsoft

Es war ein historischer, wenngleich bei Macianern ungeliebter Moment, als Bill Gates 1997 auf einem Großbildschirm während der Keynote des damaligen Interims-CEO Steve Jobs erschien und einen überraschenden Deal zwischen Microsoft und Apple bekannt gab. Dazu gehörte unter anderem eine faktische Garantie für die Weiterentwicklung der Mac-Version von Microsoft Office. Lebensnotwendig für das Fortbestehen Apples als "Global Player", wenn man davon bei dem geringen Marktanteil im Computersektor überhaupt reden kann. Aber immerhin. Schon das erste Office: Mac noch für das klassische Mac-OS und dann auch das neue für Mac-OS X erschienen als ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den Vorgängerversionen. Es blitzte etwas davon auf, dass etwa Word ursprünglich einmal für den Mac entwickelt wurde. Und in wenigen Wochen dürfte es wieder so weit sein, das "beste Office aller Zeiten" wird auf Macs laufen, die Mac BU in Redmond hat offensichtlich ganze Arbeit geleistet, unsere :Preview zeugte bereits davon. Bekanntlich hat sich nun auch das Time-Magazin voll des Lobes für das kommende Mac-Office begeistert und vorausgesagt, dass Windows-Anwender neidisch darauf schauen werden. Besonders das "Project Center" und neue "Scrapbook" haben es dem Time-Autor angetan.

Doch sicherlich wird die Windows-Abteilung nicht schlafen und, so weit möglich, die besten Features für das XP-Office nachrüsten und noch draufsatteln. Für die Datenbank Access und das großartig gemachte MS Publisher gibt es in der Tat keine Parallele auf dem Mac, und auch die in Zukunft sehr wichtige XML-Unterstützung fehlt dem Mac-Office 2004. So bleibt zu hoffen, dass das allen Vorschusslorbeeren nach zu urteilende sehens- und begehrenswerte neue Büropaket von Microsoft für unsere Apple-Rechner nicht in Schönheit sterben wird, weil eben diese in einer professionellen Arbeitsumgebung wichtigen Features (insbesondere Access und XML) fehlen. Wer das aber nicht braucht, darf sich schon einmal freuen. Die neueste Office-Version von Microsoft soll bereits ab diesem Monat in den USA und ab Juni auch hier zu Lande erhältlich sein. Wie auch immer die Systemanforderungen übrigens genau sein werden - einen Doppelprozessor mit 4-6 GHz und mindestens zwei Gigabyte RAM sowie 1 TB an Festplattenspeicher wird es dazu nicht brauchen. Solche Guinnessbuch-verdächtigen Rekordzahlen sollen angeblich dem nächsten größeren Windows-Update "Longhorn" vorbehalten sein. Wer dann noch das bis dahin sicherlich überarbeitete Microsoft Office-Update für Windows drauf packen will, sollte schon einmal die digitalen Muskeln trainieren. Oder lieber auf dem Mac bleiben...

Info: Microsoft Mactopia

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