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Augmented Reality: Was hat Apple gegen Virtual Reality?

21.10.2016 | 16:09 Uhr |

Während VR-Brillen wie HTC Hive und Oculus Rift Aufsehen erregen, setzt Tim Cook ausdrücklich auf Augmented Reality.

Traditionell ist Apple immer sehr verschwiegen, was zukünftige Produkte betrifft. Nur beim Zukunftsthema Augmented Reality bzw. AR scheint dies nicht zu gelten. So hat Tim Cook schon mehrmals bekräftigt, Apple würde sehr stark auf AR setzen. Erst kürzlich war in einem Interview mit Buzzfeed zu hören, Apple ziehe ausdrücklich Augmented Reality der hipperen Virtual Reality vor. Während bei Virtual Reality (VR) künstliche Welten geschaffen würden, stehe bei AR der menschliche Kontakt im Vordergrund. „There´s no subtitute to human contact“ so Cook zu Buzzfeed.

VR-Brillen sind ein Hype-Thema
Vergrößern VR-Brillen sind ein Hype-Thema

Vielleicht wollte Tim Cook dem Medienrummel um die drei VR-Brillen HTC Vive, Playstation VR und Oculus Rift etwas entgegensetzen: Ist doch keine der Brillen mit dem Mac kompatibel und wird es so schnell wohl auch nicht sein. Für Virtual-Reality-Erfahrungen gibt es für den iPhone-Nutzer allenfalls eine Notlösung wie Google Cardboard, für die mangels ausgereifter Tracking-Funktionen und Auflösung aber nur ein Minimum an VR-Effekten geboten wird.

Firmen mit AR-Erfahrung hat Apple bereits in ansehnlicher Zahl übernommen: Mit Prime Sense erwarb Apple die Firma hinter der Bewegungserkennung der Microsoft Kinect, das 2015 übernommene Metaio war damals für eine erstklassige AR-Entwicklungsumgebung bekannt. Mit dem kurz darauf assimilierten Faceshift ergänzte Apple sein Repertoire um einen Spezialisten für Motion-Capturing, außerdem stellte Entwickler etwas des Oculus-Projekts und von Magic Leap ein. Auch Microsoft setzt mit der Hololens übrigens auf Augmented Reality, weniger auf virtuelle Welten. Microsoft spricht zwar lieber von "Mixed Reality", was aber im Prinzip dasselbe ist.

Der Unterschied zwischen Augmented Reality und Virtual Reality

Augmented Reality steht ein wenig im Schatten der eindrucksvollen Virtual Reality, dabei ist sie vielleicht sogar langfristig bedeutender. Den Vorläufer Head-Up-Display (HUD) gab es schon vor Jahrzehnten in Kampfflugzeugen – und wurde seitdem immer weiter ausgebaut. Bei diesen HUD-Systemen blendet ein Projektor Informationen wie Geschwindigkeit in die Windschutzscheibe ein, auch bei Autos sind diese Systeme keine Seltenheit mehr. So gibt es mittlerweile für 150 Euro von Garmin ein HUD , das vom iPhone sogar Streckendaten empfängt und auf die Windschutzscheine projiziert. Bei neueren Konzepten wie Google Glass sieht der Nutzer die Informationen dagegen in seinem „Brillenglas“. Auch das Kamerabild eines iPhons kann als so genanntes Head-Up-Display dienen. Was die Abgrenzung zur VR schwierig macht: Auch eine Virtual Reality-Brille mit Kamera kann Augmented Reality nutzen.

Die Besonderheit: Durch Sensoren wird bei neueren Lösungen die Sehrichtung des Nutzers erfasst und Zusatzinformationen sind ortsbezogen. Die Grenzen zur Virtual Reality sind hier manchmal fließend und Augmented Reality eignet sich auch gut für Spiele, wie Niantic mit seinem Titel Pokémon Go bewiesen hat. Ist das Einblenden von Pokémon-Figuren in unsere Alltagsumgebung doch ein Musterbeispiel für Augmented Reality.

Mit Augmented Reality sind eindrucksvolle Vermischungen vom Realem und Virtuellem möglich.
Vergrößern Mit Augmented Reality sind eindrucksvolle Vermischungen vom Realem und Virtuellem möglich.

Der Rummel um Pokémon Go ist bereits abgeflaut, trotzdem hat der Erfolg viele überrascht. In gewisser Weise ist diese Technologie nämlich schon aus der Mode gekommen. Im App Store findet man zwar ein Fülle an Apps mit AR-Funktionen, überwiegend sind sie aber schon ein paar Jahre alt. Der erste Boom an Augmented-Reality-Apps liegt nämlich bereits einige Zeit zurück. Vor vier Jahren kamen in schneller Folge Apps wie ein interaktiver Ikea-Katalog (2013), Immobilienapps, die freie Mietwohnungen in der Umgebung im Kamerabild anzeigen und Navigationsapps auf den Markt. Autohersteller nutzten AR-Funktionen außerdem als Werbemittel, um beispielsweise einen BMW in allen Ausstattungsvarianten präsentieren zu können. Nicht zuletzt durch den Aufkauf von Metaio durch Apple fehlte den Entwicklern aber plötzlich eine wichtige Entwicklersoftware. Nach einiger Zeit kamen vor allem die als reiner Marketing-Effekt konzipierten Tools außerdem schnell außer Mode.

Die Ikea App von 2013 war ein erstes Beispiel für Augmented Reality
Vergrößern Die Ikea App von 2013 war ein erstes Beispiel für Augmented Reality

Das ist aber für neue Technologien völlig normal. Laut den Markforschen von Gartner kann man die Entwicklung vieler innovativer Trend als „ Hype Cycle “ beschreiben: Zuerst durchlebt eine neue Technologie eine kurze „Hype“-Phase, wie wohl AR vor einigen Jahren. Erst Jahre später aber ist die Technologie wirklich „marktreif“ und kann ihr volles Potential entwickeln – und wird für Unternehmen relevant.

Augmented Reality – Die erweiterte Realität (2012)

Was plant Apple? Warum ist AR so wichtig?

Im Unterschied zu VR-Technologien könnten sich Augmented-Reality-Anwendungen als langweilig, aber sehr profitabel erweisen. Hat doch beispielsweise die Deutsche Post den Einsatz von AR-Technologie in der Logistik vor einiger Zeit geprüft und sehr positiv bewertet. Bosch bietet seit einigen Jahren AR-Lösungen für Schulung, Vertrieb und Ausbildung an. Für Werkstätten gibt es Apps, die das Kamerabild eines Tablets um Betriebsanleitungen, Schaltpläne und dreidimensionale Objekte ergänzen. Das soll komplexe Reparaturen um 10 bis 15 Prozent beschleunigen. AR kann offensichtlich Arbeitskosten sparen und Entwicklungszeiten verkürzen. So zielt auch Microsoft mit der Hololens auf die Bereiche Bildung, Medizin und Forschung, weniger auf Games .

Aktuell zeigen sich aber noch einige Schwächen. Um wirklich nützlich zu sein, müssen umfassende Datenmengen online zur Verfügung stehen. Bei der Pokemon-App gab es schnell Probleme mit der Serverkapazität, bei den Immobilien-Apps fehlten viele Einträge mangels Adressdaten. Weitere Mängel betreffen außerdem die Hardware: Aktuelle Smartphone-Akkus sind noch zu schwach, um mehrere Stunden AR-Funktion zu bieten. Aber auch die Akzeptanz von AR-Brillen ist noch gering: Welcher DHL-Kunde wird schon gerne von einem Paketboten mit Kamera-Brille begrüßt? Google Glas ist wie bekannt eines stillen und einsamen Todes gestorben.

Bei der Hardware besteht ebenfalls noch Entwicklungsbedarf. Eine interessante Möglichkeit ist deshalb vielleicht die Nutzung von AR per Kontaktlinse. Die vor allem für medizinische Lösungen präsentierten Lösungen von EPGL könnten ganz neue Nutzungsmöglichkeiten erschließen.

Die Kontaktlinse von EPGL kann Informationen einblenden
Vergrößern Die Kontaktlinse von EPGL kann Informationen einblenden

Fazit

Offensichtlich denkt Apple langfristig, erste Lösungen scheinen noch einige Entwicklungsarbeit zu erfordern. Außerdem scheint Apple nach unserer Einschätzung eher eine Entwicklungsumgebung bereitstellen zu wollen, ähnlich Homekit, weniger ein fertiges Produkt. Eine Integration in Apples Karten-App ist zwar möglich und wurde schon oft vermutet. Schwerpunkt sollte aber wohl doch eher die Nutzbarmachung von AR für die iOS-Plattform sein. So spekulieren manche ja bereits, dass die Doppel-Kamera des iPhone 7 Plus sich auch sehr gut für die Erfassung stereoskopischer Daten eignen würde. Man darf also gespannt sein.

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