2601934

Beatles-Produzent Giles Martin erklärt 3D-Audio in "Sgt. Pepper's" und "Abbey Road"

30.07.2021 | 10:28 Uhr | Peter Müller

Von Mono zu Stereo zu Dolby Atmos: Für Apple Music wird es bald einen weiteren neuen Mix des Beatles-Albums von 1967 geben.

Beatles-Produzent Giles Martin hat dem Fachmagazin "Rolling Stone" ein Interview zu den Möglichkeiten von Dolby Atmos und Spatial Audio gegeben. Das Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" war eines der Ersten, das einen 3D-Audio-Mix bekommen hat, Martin ist aber nur bedingt zufrieden. Der Mix sei wie für eine Theateraufführung gedacht gewesen und nicht für ein kleineres Format wie für die Airpods. Daher werde er die Platte bald neu mischen und in Apple Music ersetzen.

Bei Abbey Road passe der 3D-Mix hingegen besser. Die Gitarre, die in "Sun King" im alten Mix nur von rechts nach links wandere, umrunde den Hörer nun, die Grillen zirpen im Hintergrund. Den neuen Soundeindruck beschreibt Martin mit einer Pilzkopfallergie: Ein neuer Mix für eine bekannte Platte sei wie ein neuer Haarschnitt von einer Person, die man liebe: Man erkenne die Person wieder, etwas sei aber anders – man liebe sie immer noch. In den Abbey-Road-Studios habe man aber nicht nur raffinierte Software, mit der man etwa Mixes in einzelne Instrumente und Stimmen zerlegen und in 3D wieder neu zusammensetzen kann, sondern auch viel Zeit und Geld, um große Sorgfalt auf Beatles-Remixes anzuwenden. Man könne damit auch originale Aufnahmen auf originalen Equipment im Raum positionieren und neu abmischen. Martin erklärt, der Hörer solle in den 3D-Mix geradezu eintauchen, die die Aufnahme hat gewissermaßen einen Fokuspunkt, auf den sich der Klang zentriert.

Individuelle Soundgestaltung

3D-Audio sei auf Kopfhörern nur schwer zu reproduzieren, die Möglichkeiten hätten sich aber gerade in den letzten Jahren verbessert. Die Schwierigkeit: Anders als bei Rundumanlagen bekommen man zwar physikalisch nur ein Stereosignal, das höre sich aber nach 3D an: Die Ohren hören schließlich auch in drei Dimensionen und nicht nur in Stereo

Für die Zukunft des Raumklangs sieht Martin biometrische Methoden wichtig für eine Individualisierung des Klangs. Die Rezeption gerade von 3D-Audio sei für jeden anders, viel hänge von der Kopfform und gar von der Knochenstruktur ab. Apples Airpods (mit Pro und Max) passen den Sound bereits aufgrund eigener Messungen des Schalls an.

Der 51-jährige Giles Martin ist Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin und heute Leiter der Abteilung Audio&Sound der Universal Music Group. Im Jahr 2017 hatte er mit dem Toningenieur Sam Okell erstmals "Sgt. Pepper's" neu abgemischt und aus dem originalen Mono-Mix einen neuen Stereoix erstellt, im Jahr 2019 folgte der in Dolby Atmos, den Martin jetzt für Apple Music neu gestalten will.

Macwelt Marktplatz

2601934