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Bericht: Facebook kann Whatsapp-Chats mitlesen

08.09.2021 | 13:01 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Facebook ist laut einem Bericht sehr wohl in der Lage die Whatsapp-Nachrichten seiner Nutzer zu lesen. Und zwar so.

Facebook ist in der Lage, die Nachrichten von Whatsapp-Nutzern zu lesen. Wie genau das funktioniert, erlĂ€utert die investigative Non-Profit News-Rechercheseite ProRepublica in dem am Dienstagabend veröffentlichten Bericht "How Facebook Undermines Privacy Protections for Its 2 Billion WhatsApp Users", ĂŒbersetzt also in etwa "Wie Facebook den Datenschutz seiner 2 Milliarden WhatsApp-Nutzer untergrĂ€bt".

Facebook setzt auch bei Whatsapp eine Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung ein, durch die jegliche Kommunikation zwischen den Nutzern verschlĂŒsselt erfolgt. Die Daten werden lokal auf dem GerĂ€t des Nutzers verschlĂŒsselt, dann ĂŒbertragen und erst auf dem ZielgerĂ€t wieder entschlĂŒsselt. Auf dem Weg zwischen den Nutzern können die Daten nicht von einem Dritten eingesehen werden.

Dennoch sei Facebook dazu in der Lage, deckt der Bericht auf. Demnach beschĂ€ftige Whatsapp mehr als 1.000 Vertragsarbeiter im US-Bundesstaat Texas, Dublin und Singapur, die befĂ€higt seien, die Inhalte der Nutzer zu untersuchen. So heißt es in dem Bericht:  "Diese stundenweise beschĂ€ftigten Mitarbeiter sitzen an Computern in nach ArbeitsauftrĂ€gen geordneten Gruppen und verwenden eine spezielle Facebook-Software, um Ströme privater Nachrichten, Bilder und Videos zu sichten, die von WhatsApp-Nutzern als unangemessen gemeldet und dann von den Systemen der kĂŒnstlichen Intelligenz des Unternehmens ĂŒberprĂŒft wurden."

Whatsapp-Mitarbeiter erhalten Zugriff auf viele entschlĂŒsselte Nachrichten

Konkret werten diese Vertragsarbeiter also Inhalte aus, die Whatsapp-Nutzer ĂŒber den "Report"-Button melden. Eine Funktion, mit der die Nutzer Whatsapp auf mutmaßliche VerstĂ¶ĂŸe gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform hinweisen können. Dabei werde  aber nicht nur die beanstandete Nachricht entschlĂŒsselt und an Whatsapp ĂŒbermittelt, sondern auch die vier vorherigen Nachrichten des Absenders, inklusive aller Bilder und Videos. Automatisierte Systeme analysieren diese Inhalte dann und leiten sie an die Vertragsarbeiter weiter.

Die kĂŒnstliche Intelligenz gleiche die unverschlĂŒsselten Daten ab und vergleiche sie mit verdĂ€chtigen Kontoinformationen und Nachrichtenmustern. Die Daten, die Whatsapp dabei ĂŒber den Nutzer erhalte, seien umfangreich. Dazu gehören etwa

  • Name

  • Profilfoto

  • Statusnachricht

  • Akkustand des Smartphones

  • Sprache und Zeitzone

  • Handy-ID

  • IP-Adresse

  • StĂ€rke des Funksignals

  • Betriebssystem des Smartphones

  • Liste aller GerĂ€te des Nutzers

  • Alle Facebook- und Instagram-Konten des Nutzers

  • Letzte Nutzung der App

  • FrĂŒhere Verstoße

Die PrĂŒfer hĂ€tten dann drei Möglichkeiten: Sie können nichts tun, den Nutzer auf "beobachten" stellen oder ihn sperren. Dabei mĂŒssten die PrĂŒfer "subjektive, sensible und subtile Urteile" fĂ€llen, heißt es in dem Bericht. GeprĂŒft werde dabei eine breite Palette von möglichen VerstĂ¶ĂŸen, etwa "Spam", "politische Hassrede", "Desinformation", Terrorismus", "Kinderpornographie".

GegenĂŒber ProRepublica hat dies auch ein Whatsapp-Sprecher bestĂ€tigt. Ihm zufolge sollen diese Teams die "schlimmsten Missbraucher" identifizieren und entfernen. Der Sprecher betonte aber auch, dass es sich nicht um eine "Moderation der Inhalte" handle, wie es bei den nicht verschlĂŒsselten Inhalten auf Facebook und Instagram geschehe, wo Inhalte ebenfalls ĂŒberprĂŒft werden und wozu Facebook jĂ€hrlich Transparenzberichte veröffentlicht.

Auch gegenĂŒber Businessinsider bestĂ€tigte Whatsapp die Existenz dieser Sicherheitsteams. Man habe das System so aufgebaut, dass Daten nur begrenzt gesammelt werden. Alles diene dem Schutz vor Spam und anderen Bedrohungen und biete eine Möglichkeit, die Nutzer zu sperren, die Whatsapp missbrauchen. ZusĂ€tzlich wurde betont, wie wichtig die Meldefunktion in Whatsapp sei, "um schlimmsten Missbrauch im Internet zu verhindern."

Bericht: Whatsapp teilt Nutzerdaten mit Behörden

In dem Bericht von ProRepublica wird Facebook auch vorgeworfen, seit der Übernahme von Whatsapp das Ausmaß der gesammelten Nutzerdaten erhöht zu haben und diese auch mit Strafverfolgungsbehörden zu teilen. So habe ProRepublica etwa von einem Fall erfahren, bei dem Whatsapp die Nutzerdaten eines Mitarbeiters des US-Finanzministeriums an die Behörden weitergegeben habe, wodurch StaatsanwĂ€lte dann gegen diesen Mitarbeiter ein Verfahren einleiten konnten. Der betreffende Mitarbeiter des US-Finanzministeriums habe Dokumente an ein Nachrichtenportal gesendet, in dem aufgedeckt wurde, wie schmutziges Geld durch die Banken fließe.

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