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Berlin-Attentat: Notbremssystem rettete Leben

29.12.2016 | 08:47 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Das Notbremssystem des LKWs stoppte vermutlich die Terrorfahrt in Berlin. Und rettete damit Menschenleben.

Wie die S├╝ddeutsche Zeitung berichtet, verhinderte das Notbremssystem des Scania-LKWs noch mehr Tote. Es f├╝hrte bei dem LKW anscheinend eine automatische Vollbremsung durch und stoppte den LKW, ohne dass der Attent├Ąter das wollte.

├ähnliche Notbremssysteme gibt es auch f├╝r PKWs. Sie erfassen mit Hilfe von Kameras, die hinter der Windschutzscheibe verbaut sind, sowie mit Hilfe von Radarsensoren, die hinter dem K├╝hlergrill oder hinter dem vorderen Sto├čf├Ąnger verbaut sind, Hindernisse vor dem Fahrzeuge und warnen den Fahrer. Reagiert dieser nicht, dann leiten diese Systeme eine automatische Vollbremsung ein. In ersten Berichten nach dem Anschlag war noch vermutet worden, dass der Attent├Ąter dieses Notbremssystem abgeschaltet habe. Zudem wurde vermutet, dass der polnische LKW-Fahrer Amri an der Fortsetzung der Terrorfahrt gehindert habe (siehe unten).

Ganz ausschlie├čen l├Ąsst sich aber nicht, dass der Attent├Ąter das Notbremssystem AEBS nicht doch ausgeschaltet hat. Das ist n├Ąmlich sehr einfach m├Âglich: Per Knopfdruck oder durch einen konsequenten Tritt auf das Gaspedal. Es k├Ânnte also auch sein, dass der LKW deshalb nicht mehr weiterfuhr, weil Anis Amri den Motor abgew├╝rgt hat, wie die S├╝ddeutsche berichtet.

Der Attent├Ąter Amri verschickt zudem 20 Minuten vor der Terrorfahrt ├╝ber den Messenger Telegram eine Nachricht von seinem Handy. Die Polizei versucht derzeit den Empf├Ąnger zu ermitteln, wie Spiegel Online meldet. Au├čerdem postete der aus Tunesien stammende Attent├Ąter noch ein Foto aus der Fahrerkabine des entf├╝hrten LKWs.

Berlin-Attentat: Online-Petitionen f├╝r ermordeten LKW-Fahrer

Eine Online-Petition sammelt Geld f├╝r den ermordeten polnischen LKW-Fahrer Lukasz Urban. Urban war der Fahrer das Scania-LKWs, den der Attent├Ąter Anis Amri am 19. Dezember 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in die Menschenmenge steuerte.

Mit dem Geld soll der Familie - seiner Frau und seinem 17 Jahre alten Sohn - des Ermordeten geholfen werden. Bis Redaktionsschluss waren 168.810 britische Pfund eingegangen. Urban geh├Ârt zu den zw├Âlf Todesopfern des Anschlags.

Zudem fordert eine weitere Online-Petition Lukasz Urban das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Weil der Pole tapfer mit dem bewaffneten Attent├Ąter im F├╝hrerhaus gek├Ąmpft habe und dadurch verhindert habe, dass Amri noch mehr Menschen ├╝berfahren konnte: "Aktuellen Berichten zufolge zeigt die Obduktion, dass er mit dem T├Ąter gerungen hat und von diesem schwer verletzt und schlie├člich get├Âtet wurde.┬áMit diesem heldenhaften Handeln┬áhat er vermutlich viele Menschenleben gerettet und ein gro├čes Zeichen gesetzt f├╝r die┬áFreundschaft und Auss├Âhnung zwischen unserem Land und Polen--dem unsere Vorfahren┬áFurchtbares angetan haben.┬áAlle Deutsche, nicht nur die Berliner, haben Grund,┬áseiner zu gedenken, und seinen Hinterbliebenen (seiner Frau und seinem Sohn) zu danken.┬áF├╝r diese Tapferkeit verdient er Deutschlands h├Âchsten Orden." (Zitat Ende)

Berlin-Attentat: Online-Petitionen für ermordeten LKW-Fahrer
Vergr├Â├čern Berlin-Attentat: Online-Petitionen f├╝r ermordeten LKW-Fahrer

Bei Redaktionsschluss hatten 37.725 Menschen diese Petition unterzeichnet. Die Petition soll Bundespr├Ąsident Joachim Gauck ├╝berreicht werden.

Neue Erkenntnisse

Mittlerweile gehen die Ermittlungsbeh├Ârden aber davon aus, dass Lukasz Urban nicht mehr in der Lage gewesen sei, Anis Amri w├Ąhrend dessen Terrorfahrt noch Widerstand zu leisten. Vermutlich hat der Attent├Ąter Amri dem LKW-Fahrer Urban bereits zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr in den Kopf geschossen. Urban k├Ânne zwar durchaus noch zum Zeitpunkt des Anschlags gegen 20.00 Uhr gelebt haben, doch er war zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mehr in der Lage Amri Widerstand zu leisten und ihm beispielsweise ins Lenkrad zu greifen. Stattdessen d├╝rfte das oben erw├Ąhnte Notbremssystem schlimmeres verhindert haben.

Italienische Polizisten erschossen Anis Amri am 23.12.2016 in Mailand.




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