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Beteigeuze verblasst: Forscher finden mögliche Gründe

01.07.2020 | 09:04 Uhr | Peter Müller

Explodiert Orions Schulter noch zu unseren Lebzeiten? Jüngste Helligkeitsschwankungen ließen das vermuten. Aber es gibt auch andere mögliche Ursachen.

Hell und heller: Beteigeuze (oder Betelgeuse), der linke Schulterstern des Orion, ist ein Roter Riese, ein Stern, dessen Wasserstoff längst verbrannt ist und der sich zu enormer Größe aufgebläht hat, während er Helium zu schwereren Elementen verbrennt. Von Oktober 2019 bis April 2020 waren deutliche Helligkeitsschwankungen aufgefallen, für Rote Riesen an sich normal, aber selten in der Amplitude. So besagen einige Theorien, Beteigeuze könnte kurz vor einer Supernova stehen, deren Leuchtkraft am Nachthimmel die des Vollmondes übertreffen würde. Sogar tagsüber wäre der Stern für einige Tage oder gar Wochen zu sehen – momentan steht Orion wieder hinter der Sonne, die "Hundstage" werden ihn in den sichtbaren Bereich bringen.

Eine mögliche Erklärung für die Helligkeitsschwankungen wollen nun Forscher um die Astronomin Thavisha Dharma­wardena vom Max-Planck-Institut für Astrophysik gefunden haben. Diese seien auf eine stark gesunkene Temperatur an der Sternoberfläche zurückzuführen, die von Flecken ausgelöst wurde – ähnlich wie Sonnenflecken, aber bis zu 70 Prozent der Sternoberfläche bedeckend. Dabei vermaßen Forscher nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch jenes aus dem Submillimeterbereich, das vom Stern gelöster Staub emittiert. Dieser war aber gleichermaßen "kalt" wie auch die Oberfläche, konnte also nicht verantwortlich für den Temperatur- und damit Helligkeitsverlust gewesen sein.

Der Fleckenmechanismus unserer Sonne und vor allem dessen elfjähriger Zyklus ist noch nicht hinreichend verstanden, weitere Beobachtungen der Beteigeuze könnten hier die Forschung vorantreiben. Eine Supernova in nächster Zeit ist aber unwahrscheinlich, die kann noch hunderttausende Jahre auf sich warten lassen.

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