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Beyond expectations. Far beyond

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Beyond expectations. Far beyond

Alle Besucher der Keynote bekamen eine Ausgabe des Time-Magazines mit auf den Weg.
Vergrößern Alle Besucher der Keynote bekamen eine Ausgabe des Time-Magazines mit auf den Weg.

Vor jeder Steve-Jobs-Keynote überschlagen sich Gerüchte, zur Jahreswende 2001/2002 schürte Apple selbst die Erwartungshaltung. Zum einen zog die Macworld Expo die Eröffnungsansprache des Apple-CEO um einen Tag vom traditionellen Dienstag auf den Montag vor, auf den 7. Januar. Dann triezte Apple seine Fans mit der vollmundigen Ankündigung auf seiner Website, zur Expo käme etwas, das "über die Erwartungen" hinausginge, "weit darüber". Der traditionelle iMac war veraltet, dass Apple einen Nachfolger mit LC-Display statt Röhrenmonitor bringen würde, galt als ausgemacht. Im Web kursierten vielerlei Designstudien, die zwei Dinge gemeinsam hatten: Die Komponenten wie Festplatte, Mainboard und optisches Laufwerk waren erstens hinter dem Monitor angeordnet und zweitens waren diese Prognosen falsch. Die kanadische Website des Time-Magazines lancierte in der Nacht zum 7. Januar das exklusive Interview mit Steve Jobs und zeigte den Apple-CEO mitsamt dem neuen iMac auf dem Magazin-Titel. Dieser sei eine "Halbkugel mit Flachbildschirm" berichtete Macwelt.de mit als erste Website im deutschen Sprachraum. Mit diesem Zitat brachten wir es immerhin auf Spiegel Online, als Synonym für den iMac G4 setzte sich unser Ausdruck nicht durch. Auch nicht das hübsche "Schneekönigin" wurde zum Synonym, sondern das profane "Schreibtischlampe".

Steve Jobs war um seinen Coup gebracht und pries "One more thing" als etwas an, das alle im Saal Versammelten schon kannten. Warum der iMac G4 so aussah, wie er aussah, erklärte er ausführlich auf der Keynote und später in zahlreichen Interviews. Sicher, der CRT als solcher hat ausgedient, der Bildschirm musste flacher werden. Doch wohin mit all dem Krempel? Senkrecht hinter den Bildschirm anstatt wie bisher leicht schräg unter der Röhre? Apple fürchtete technische Probleme mit den hochgestellten Laufwerken, also erzählte Jobs seinem Chefdesigner Jonathan Ive: "Lass doch jede Komponente sie selbst sein." Das flache Design des fast schon fertig konstruierten iMac G4 verwarf Ive für zweieinhalb Jahre und schuf stattdessen - na eben eine Halbkugel mit rundem Mainboard und einen Bildschirm, der an einem rotierenden Arm hing. Das optische Laufwerk war wieder mittels Schlitten zu füttern, die Beweglichkeit des gesamten Systems inspirierte Apples Agentur zu einem der ulkigsten iMac-Werbespots überhaupt.

Auf das originale 15-Zoll-Modell sollte bald eine 17-Zoll-Fassung und später noch eine 20-Zoll-Variante folgen. "Der CRT ist damit offiziell tot!", verspricht Jobs. Stimmte aber nicht ganz. Noch eine Weile behielt Apple den iMac G3 mit 15-Zoll-Röhrenmonitor im Programm und stellte im April 2002 eine 17-Zoll-Variante, die zunächst exklusiv für den Bildungsbereich angeboten wurde, vor: den eMac. Wenig später gelangte dieser in den allgemeinen Verkauf, bis Oktober 2005 war er erhältlich. Erst dann war bei Apple der Röhrenmonitor tot.

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