1078342

Mozilla entwickelt mobiles Betriebssystem

26.07.2011 | 13:13 Uhr |

Das vor allem durch den Browser Firefox und das Email-Programm Thunderbird bekannte Open-Source-Projekt Mozilla will jetzt auch ein mobiles Betriebssystem entwickeln.

Mozilla Logo PNG
VergrĂ¶ĂŸern Mozilla Logo PNG
B2G - bislang nicht mehr als ein spärliches Wiki und ein quasi leeres GitHub-Repository.
VergrĂ¶ĂŸern B2G - bislang nicht mehr als ein spĂ€rliches Wiki und ein quasi leeres GitHub-Repository.

Bei "Boot to Gecko" (B2G) handelt sich zunĂ€chst um ein experimentelles Projekt. Ziel ist ein Betriebssystem, das auf standardisierte Web-Techniken setzt. ZunĂ€chst wird eine Softwareumgebung fĂŒr Handheld-GerĂ€t wie Smartphones anvisiert. Dieser Markt ist gegenwĂ€rtig stark fragmentiert, wobei die einzelnen Plattformen als Silos kaum interoperabel sind.

Mozilla will nun einem Bericht von "Ars Technica" zufolge mit B2G beweisen, dass das Open Web mit seinen Standards durchaus das Potenzial zu einer brauchbaren Alternative zu den herstellerspezifischen Anwendungsentwicklungs-Stacks hat, die die dominierenden mobilen Betriebssysteme derzeit anbieten.

Allerdings befindet sich Boot to Gecko noch im frĂŒhesten Planungssstadium. Konkrete Entscheidungen, wo die Entwicklung beginnen und welche Techniken sie nutzen soll, wurden noch nicht getroffen. Mozilla hat es trotzdem jetzt publik gemacht , um frĂŒhzeitig möglichst viele interessierte Contributors ins Boot zu holen. Der B2G-Quellcode soll bereits wĂ€hrend der Entwicklungsphase laufend zugĂ€nglich sein - anders als beispielsweise bei Googles Android, wo nur in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden neue Versionen ins Open-Source-Repository gestellt werden.

Mozillas gegenwĂ€rtige Planung sieht vor, existierenden Code - allerdings "so wenig wie möglich" - aus den unteren Schichten von Android fĂŒr die Hardware-Abstraktion herzunehmen und darauf ein komplett eigenes User Interface und einen eigenen Application Stack auf Basis der hauseigenen HTML-Rendering-Engine "Gecko" aufzusetzen. Schlussendlich sollen die fĂŒr B2G geschriebenen Anwendungen auch genausogut in jedem Standard-kompatiblen Desktop-Browser laufen (was vermutlich XUL ausschließt).

Statt eines kompletten Betriebssystems könnte Mozilla natĂŒrlich auch einfach eine Standalone-Runtime fĂŒr Web-Applikationen entwickeln (quasi eine offene Alternative zu Adobe AIR). Ohnehin ist die Entwicklung von Software mittels Web-Techniken in vieler Hinsicht weniger praktikabel als konventionelle UI-Toolkits - das liegt laut "Ars" unter anderem am dokumentenzentrischen Layout-Ansatz von HTML und dem Fehlen standardisierter Mechanismen, um programmatische Datenmodelle an Ansichten der Benutzerschnittstelle zu binden. Ob Mozilla diese Probleme mit eigenen Entwicklungen adressiert oder sie wie gehabt Third-Party JavaScript-Toolkits ĂŒberlĂ€sst, ist noch unklar.

Neue Standards will Mozilla offenbar in Bereichen wie grundlegende Plattformintegration und Zugriff auf die Hardware etablieren. Es wĂŒnscht sich einheitliche und planbare Methoden, wie Web-Anwendungen beispielsweise auf die Kontaktverwaltungs- und Messaging-FĂ€higkeiten einer Plattform, aber auch Geolocation, Kamera und WĂ€hlfunktion zugreifen können. Wenn Web-Applikationen echten Durchgriff auf die unterliegende Plattformen erhalten, mĂŒssen natĂŒrlich auch Sicherheit und Rechteverwaltung entsprechend kontrolliert werden - und das dĂŒrfte sich alles andere als trivial gestalten.

NatĂŒrlich gibt es bereits eine ganze Reihe existierender Produkte und Open-Source-Projekte wie Titanium, PhoneGap, Webian, Chrome OS oder webOS, die diese Dinge bereits teilweise adressieren und damit Möglichkeiten zur Kooperation bieten. Den gleichen Umfang und Fokus wie B2G gibt es aber bis dato nirgendwo.

Die weitere Entwicklung von Boot to Gecko können Interessierte in einem Wiki und dem bei GitHub gehosteten Code-Repository verfolgen - dort liegt zumindest schon einmal eine README-Datei.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
1078342