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Broadcom will seine Modem-Sparte verkaufen

19.12.2019 | 10:54 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

Apple ist als einer der möglichen Käufer im Gespräch, allerdings ist der Preis der Abteilung recht hoch.

Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, sucht der Chip-Hersteller Broadcom zusammen mit der Bank Credit Suisse einen Käufer für eine seiner Mobilfunksparten, genauer gesagt, der RF-Abteilung (RF steht für "Radio Frequency"). Diese ist noch Marktführer bei FBAR – "Film Bulk Acoustic Resonators" – die in Smartphones unerwünschte Signale aus dem Radiofrequenz-Bereich ausfiltern.

Der Wettbewerb hatte sich zuletzt verschärft, vor allem durch den Konkurrenten Qorvo, die kleine US-Amerikanische Firma ist übrigens auch ein Lieferant für Apple, um den Einsatz von dessen Chips haben sich Apple und Qualcomm vor Gericht in München gestritten.  Der Umsatz der Sparte im Fiskaljahr 2019 hat noch 2,2 Milliarden US-Dollar betragen, sie könnte bis zu 10 Milliarden US-Dollar wert sein, spekuliert das WSJ.

Fraglich ist aber, ob Broadcom einen derartigen Preis auch erzielen könnte. Als einen Kandidaten für die Übernahme nennt das Blatt wenig überraschend Apple, für Cupertino wäre das die größte Akquise in der Firmengeschichte, mehr oder weniger weit vor der 3-Milliarden-Übernahme von Beats im Jahr 2014.

Die RF-Abteilung von Broadcom würde jedoch zur aktuellen Strategie Apples passen. Das Unternehmen versucht, eigene Modems zu entwickeln und sich früher oder später von Qualcomm, seinen momentan einzelnen  Lieferanten auch für 5G-Modems, zu emanzipieren.

In den letzten Jahren ist um das Dreieck Apple-Intel-Qualcomm ein mittelschweres Drama stattgefunden: Seit iPhone 7 versuchte der Hersteller, die Modems zu diversifizieren und lieferte in den neuesten iPhones beide Varianten aus: Modems von Intel und von Qualcomm. Gleichzeitig begann ein internationaler Gerichtsstreit zwischen Apple und Qualcomm.

Apple bezichtigte seinen Lieferanten unlauterer Praktiken – Qualcomm lizenziere seine Technologie nach der Speichergröße eines Smartphones, heißt, für ein Qualcomm-Modem im iPhone 7 mit 258 GB musste Apple mehr zahlen als für den gleichen Chip im iPhone 7 mit 64 GB. Qualcomm schoss zurück und beschuldigte Apple, seine Patente verletzt zu haben. Kurzzeitig waren deswegen iPhones 7 und iPhones 8 in Deutschland zum Verkauf verboten. Letztendlich hat wohl Intel eingesehen, mit den 5G-Modems nicht mehr weiter voran zu kommen, Apple kaufte die Abteilung für rund eine Milliarde US-Dollar und legte alle Gerichtsverfahren mit Qualcomm bei.

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