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Brücken, die Apple baut – von Rosetta zu Catalyst

06.06.2019 | 09:38 Uhr | Peter Müller

Das Projekt Marzipan ist nun Geschichte, doch nicht ganz. Apple bietet eine Übersetzungssoftware, nur unter einem anderen Namen.

Es ist ja nicht wirklich die Zeit für Marzipan, mit den Osterfeiertagen war das an sich vorbei. Passé ist auch das Projekt Marzipan bei Apple, doch nur dem Namen nach. Diesen hatte Apple ja auch nie offiziell genannt, seit Montag wissen wir, dass es Project Catalyst dafür sorgt, dass Entwickler Apps von iOS leicht auf macOS Catalina portieren, respektive gleich von Anfang an für beide Plattformen programmieren können. Ein bisschen Marzipan wird kleben bleiben, aber Catalyst ist dann doch der bessere Namen. Bei der Benennung der Technologie hatten die Leute im Apple Park wahrscheinlich eher nicht den Song "The Catalyst" von Linkin Park im Ohr. Obwohl: Weiß man's? Catalyst passt phonetisch und vom Schriftbild her auch sehr schön zu Catalina, dabei wird man sich aber fragen, was denn zuerst da war: Der Name des Systems oder der der Technik.

Aber Catalyst ist ja wunderbar beschreibend: Impulsgeber, Auslöser, Beschleuniger – Katalysator eben. Darum geht es ja: Hunderttausende Apps warten darauf, auch auf dem Mac laufen zu können. Ist gewiss nicht für jedes im App Store angebotene Programm sinnvoll, aber für viele dann schon – nicht nur für all die Spiele. Mit Twitter hat sich ja schon ein prominenter Anbieter gemeldet, der seine App nun (wieder) via Catalyst auf den Mac bringt: Den nativen Client für den Desktop hatte der Dienst schon vor geraumer Zeit aufgegeben , jetzt steht der bewährte für Mobilgeräte bereit.

Die WWDC dreht sich immer um Software, da kann der Hype um den Mac Pro in diesem Jahr nicht darüber hinweg täuschen. Und in manchen Jahren eröffnet die WWDC ganz neue Welten der Software. Catalyst ist für den Mac und sein Softwareangebot die beste Idee seit Langem. Vielleicht die beste Idee seit der, die auf der WWDC am 6. Juni 2005 vorgestellt worden war.

Wobei: Damals waren Entwickler eher entsetzt und nicht begeistert darüber, mit einem Klick in der Entwicklungsumgebung gleich eine neue Geräteklasse mitversorgen zu können. Ganz im Gegenteil war die Furcht groß, dass der Mac fortan kein Mac mehr sein würde. Dann an jenem Tag vor 14 Jahren erklärte Steve Jobs gleich zu Beginn der Veranstaltung im Moscone Center in San Francisco: "Ja, die Gerüchte sind wahr. Wir ziehen den Mac auf die Intel-Plattform um."

Die Sorgen der Entwickler waren naheliegend: Dann müsse man ja für die neuen Intel-Macs die Software komplett neu schreiben. Und über Jahre hinweg zwei Versionen pflegen. Klingt nach viel mehr Arbeit bei allenfalls gleich bleibenden Lohn. Da wäre man natürlich erst einmal still und würde sich anhören, was der Typ auf der Bühne da weiter erzählt.

Die Sorgen der Entwickler stellten sich dann aber als unbegründet heraus. Denn Jobs hatte die Lösung des Problems gleich parat: Mac-OS X bekäme eine Übersetzerschicht, die Rosetta heißen würde und Xcode stellt beim Kompilieren des Programms gleich zwei Versionen für die künftigen Intel-Macs und die noch lange ihre Dienste leistenden Power Macs her und verpackt das ganze in eine Universal Binary. Wer wollte, konnte auch gleich einen Prototypen eines Intel-Mac erwerben, für den fairen Preis von 999 US-Dollar. Heutzutage bekommt man für das Geld ja nur noch einen Monitorständer…

Wie sich herausstellte, war der Umstieg vom PPC auf Intel auch dank Rosetta relativ schmerzfrei, für Entwickler und Nutzer. Jahre zuvor war der Weg vom klassischen MacOS zu Mac-OS X weit steiniger gewesen – und schon der Wechsel zum PPC hin, den Apple anfangs der Neunziger vollzog, war nicht so ohne.

Deutet Catalyst nun den nächsten Paradigmenwechsel für den Mac an? Nicht auszuschließen, dass die nächsten Macbook-Generationen auf ARM-Chips setzen, für Höllenmaschinen wie den iMac Pro und noch mehr den Mac Pro kann man sich das nicht vorstellen. Aber ein Macbook mit Apple eigenem Prozessor? Das bliebe nach wie vor ein Mac, mit seinen Menüs, der Unterstützung von Tastatur und Maus und noch vielen Unterschieden, welche die Catalyst-Tools berücksichtigen. Die Zukunft des Mac scheint aber so hell wie schon lange nicht mehr zu strahlen, denn ein jeder Rechner ist ja nur so gut, wie die Lösungen, die er für vielerlei Aufgaben parat hält. Und mit von katalytischen Konvertern produzierte Apps bringen Myriarden neuer Lösungen auf den Mac.

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