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Bundestag kritisiert Apples Scan-Pläne

18.08.2021 | 12:05 Uhr | Halyna Kubiv

Der Bundestagsausschuss "Digitale Agenda" kritisiert Apples Pläne, Nutzer-iCloud-Fotos auf Kinderpornografie zu prüfen.

Es ist selten und ungewöhnlich, dass sich ein Bundestagsausschuss in die Debatte rund um eine neue iOS-Funktion einschaltet, doch offenbar ist das mit den angekündigten Scan-Funktionen ab iOS 15 der Fall. Erst gestern haben wir berichtet, dass einige große Journalistenverbände sich an Apple gewendet haben , von seinen Plänen, Nutzer-Inhalte auf dem iPhone zu scannen, abzusehen. Die Kollegen von " Heise " berichten nun, der Bundesausschuss "Digitale Agenda" verurteile Apples Scan-Pläne.

Der Vorsitzende des Ausschusses, Manuel Höferlin von der FDP, hat einen Brief an Tim Cook hierzu geschrieben. Die geplanten Scan-Funktionen seien demnach der "größte Dammbruch für die Vertraulichkeit der Kommunikation, den wir seit der Erfindung des Internets erleben". Jeder gescannte Inhalt untergrabe das Vertrauen der Nutzer, dass ihre Inhalte und Kommunikation nicht überwacht werden. "Denn in jedem Land dieser Erde ... formieren sich immer wieder politische Kräfte, denen vertrauliche Kommunikation und Verschlüsselung ein Dorn im Auge sind und die stets gewillt sind, Freiheit gegen Überwachung einzutauschen. Für Menschen ... kann das im schlimmsten Fall eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten." In dem Brief wird gebeten, von den angekündigten Plänen abzusehen.

Ob die deutschen Abgeordneten Apple zur Abkehr bewegen können, muss sich noch zeigen. Die angekündigten Funktionen zum Kinderporno-Scan auf den iPhones der Nutzer haben in den Diskussionsforen, aber auch unter Sicherheitsforschern zu Kontroversen geführt.

Derzeit gibt es einen offenen Brief , den jeder unterzeichnen kann, der sich gegen die Neuerungen in iOS 15 ausspricht, auch unterschiedliche Nicht-Regierungsorganisationen haben ihre Position klargestellt. Apple hat sich sogar dazu gezwungen gesehen, ein Aufklärungsinterview gegenüber "Wall Street Journal" zu geben . Laut Craig Federighi (Senior Vice-President für die Software-Entwicklung bei Apple) hat die Mehrheit die angekündigten Sicherheitsmaßnahmen missverstanden und miteinander verwechselt. Die Tatsache bleibt jedoch, dass mit iOS 15 eine Datenbank mit Foto-Hashes auf jedes iPhone landet und das System die Hashes der Nutzer-Fotos mit der Datenbank abgleichen kann. Dass dies zunächst nur für iCloud-Fotos und für die US-Nutzer gedacht ist, ist fast nicht mehr relevant, die Möglichkeit ist bereits geschaffen.

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