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Ceramic Shield: Darum sind die neuen iPhones 12 viermal so stabil

19.10.2020 | 14:47 Uhr | Stephan Wiesend

Das neue Ceramic Shield-Display soll durch Kristallisation besser vor Brüchen und Kratzern geschützt sein.

Noch immer ist einer der häufigsten iPhone-Schäden ein zersplittertes Display – gerade bei den teuren OLED-iPhones ein teurer Schadensfall. In Tests haben sich vor allem die iPhone-Pro-Modelle als recht anfällig erwiesen, das soll dank einer neuen Glas-Technologie vorbei sein. Ceramic Shield nennt Apple die Technologie, die bei allen iPhone 12-Modellen verwendet wird – zumindest auf der Vorderseite. Laut Apple verbessert sich die „drop performance“ gegenüber den Vorgänger-iPhones dadurch sogar um den Faktor vier. Das Display ist nämlich „infused with nano-ceramic crystals“, was erklärungsbedürftig ist:

Technische Hintergründe

Die höhere Stabilität der neuen Displays basiert auf Technologie des Herstellers Corning, bekannt für sein besonders stabiles „Gorilla Glass“. Auf seiner Webseite erklärt der Hersteller die Hintergründe der neuen Technologie recht allgemein: Glas und Keramik unterscheiden sich vor allem in den chemischen Bindungen, die ihre innere Struktur zusammenhalten. Während bei Glas Atome in einer zufälligen Reihenfolge angeordnet sind, binden sich bei dem weit härteren Keramik regelmäßige Muster von Kristallen, wenn sich positive und negative Ionen verbinden. Glaskeramik steht auf „halben Weg“ zwischen den beiden Materialien. Hier wird Glas in eine fast vollständige kristalline oder keramische Substanz verwandelt. Unter kontrollierter Wärmezufuhr und Zugabe eines Keimbildners wie Silber oder Titan bilden sich „Keime“ um die Kristalle wachsen können  – allerdings ist Glaskeramik meist lichtundurchlässig.

Wie gegenüber "The Verge" erklärt wurde, besteht das neue Material aber aus nanokeramischen Kristallen, die in die Glasmatrix eingebettet sind. Im Unterschied zu üblicher Glaskeramik sind die Kristalle kleiner als die Wellenlänge des Lichts und dadurch lichtdurchlässig. Zusätzlich bilden sie ineinandergreifende Strukturen, was zu hoher Fehlerbeständigkeit führt. Dazu können Risse aufgehalten und abgelenkt werden. Durch einen beim iPhone 11 erstmals eingeführten sogenannten "Dual ion-exchange process" wird außerdem die Glasmatrix verstärkt und das Display bleibt auch nach einer Beschädigung länger stabil. Dieser Prozess soll nebenbei auch die Glasrückseite kratzfester machen. Laut Apple sorgt zusätzlich noch das neue Design für höhere Stabilität, da das Display bündig an den Ecken anliegt.

Handelt es sich um das Gorilla Glass Victus?

Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass es sich beim neuen Glas einfach um das Corning-Glas Gorilla Glass Victus handelt. Dieses neueste und teuerste Gorilla-Glas wurde bisher nur im Samsung Galaxy Note 20 Ultra verwendet. Auch für dieses Glas verspricht Corning eine „drop performance“ von bis zu 2 Metern – und eine um den Faktor vier verbesserte Haltbarkeit gegenüber Kratzern. Dieser Leistungssprung kommt aber dadurch zustande, dass Corning das neue Glas mit einem herkömmlichen Glas eines Konkurrenten vergleicht, gegenüber dem firmeneigenen Gorilla Glas 6 von 2018 verbessert sich das Ergebnis weit weniger – so steigert sich die Fallhöhe von 1,6 auf 2 Meter.

Wie Corning aber gegenüber "The Verge" bestätigte, kommt es aber in den neuen iPhones nicht zur Verwendung. Victus sei ein verstärktes Aluminiumsilikat-Glas, nur bei Apples iPhones komme Glaskeramik zum Einsatz, nämlich „Cornings Ceramic Shield“. Wie aber die iPhone-Displays in der Praxis abschneiden, werden erste Falltests in einer Falltrommel zeigen.

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