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China: Polizei-App spioniert Touristen aus

03.07.2019 | 14:55 Uhr | Denise Bergert

Mit einer App spioniert die chinesische Regierung Touristen aus, die in die Provinz Xinjiang einreisen wollen.

Wenn auslĂ€ndische Touristen auf dem Landweg von Kirgisistan in die chinesische Provinz Xinjiang einreisen wollen, wird auf ihrem Smartphone von den Behörden bei der Einreise die App Fengcai installiert. Der SĂŒddeutschen Zeitung wurde diese App von einem Touristen zugespielt. In Zusammenarbeit mit Vice Motherboard, dem NDR, der New York Times, dem Guardian und der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum ist es den Publikationen gelungen, die Spionage-Software zu entschlĂŒsseln.

Die App greift den Recherche-Ergebnissen zufolge, unter anderem auf den Smartphone-Standort, den Kalender, die Kontakte, die Anruflisten und auf SMS zu und ĂŒbertrĂ€gt diese Daten an einen Server der chinesischen Grenzpolizei. Fengcai sucht außerdem nach verdĂ€chtigen Dateien wie etwa religiösen Inhalten, die auf Islamisten oder Tibet und Taiwan hinweisen. Die App verfĂŒgt ĂŒber eine Liste mit 73.315 dieser „verdĂ€chtigen Dateien“. Wird die Software nach der Installation beim Scan nach diesen Dateien auf dem Smartphone fĂŒndig, stĂ¶ĂŸt sie einen Warnton fĂŒr die Grenzpolizisten aus. Unter den Dateien finden sich neben islamistischen Schriften auch aus europĂ€ischer Sicht harmlose Inhalte wie etwa ein Song der Metal-Band Unholy Grave oder Texte des Dalai Lama.

Dass chinesische StaatsbĂŒrger mit Spionage-Software auf ihren GerĂ€ten leben mĂŒssen, ist bereits bekannt. Neu ist jedoch, dass mit Fengcai auch auslĂ€ndische Touristen ausgespĂ€ht werden. Bei der Einreise werden alle gebeten, ihr Handy zu entsperren. Das MobilgerĂ€t wird dann von Beamten in einen separaten Raum gebracht. Was dort mit ihrem Smartphone passiert, erfahren die Reisenden nicht. Dass eine SpĂ€hsoftware installiert wird, darĂŒber klĂ€ren die Grenzbeamten nicht ausdrĂŒcklich auf.

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