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Chinesische Apps wollen Apples Trackingsperre umgehen

17.03.2021 | 13:05 Uhr | Stephan Wiesend

Ein neues Werbetracking-System in China stellt Apple vor neue Herausforderungen. Offenbar soll Apples Schutz vor Tracking umgangen werden.

Apple setzt stark auf den Schutz der Privatsphäre, für die datenhungrige Werbeindustrie ist dies ein echtes Problem. Vor allem Apples neues Schutzkonzept für Apps behindert App-Betreiber beim Sammeln von Nutzerdaten, so muss der Anwender etwa beim Abrufen von Standortdaten ausdrücklich um Erlaubnis gebeten werden. Jeder App-Anbieter ist verpflichtet, den Umgang mit Nutzerdaten offenzulegen. In wenigen Wochen müssen App-Anbieter außerdem Nutzer außerdem ausdrücklich um Erlaubnis fragen, um deren Aktionen nachverfolgen bzw. „tracken“ zu dürfen.

Vor allem Facebook hat sich hier schon offen über die Behinderungen beim Tracking geäußert, aber auch viele chinesische Konzerne sind betroffen. Bisher nutzten Werber dazu ein System namens IDF oder „Identifier for Advertisers“ , um App-Nutzer zu tracken.

Wie die Financial Times berichtet (der Beitrag ist kostenpflichtig), haben chinesische Konzerne nun eine Alternative entwickelt. Das von Firmen wie Bytedance (Tiktok) und Tencent bereits getestete System CAID soll Tracking wieder möglich machen und Apples  Schutzsystem überlisten. Es wird bereits erprobt, über die technischen Grundlagen ist aber bisher wenig bekannt. Laut dem Bericht soll das System in einem Graubereich von Apples Regeln arbeiten, etwa einen Nutzer nicht „uniquely“ identifizieren können. Laut den Entwicklern  der China Advertising Association soll es die App-Store-Regeln nicht verletzen, man stünde in aktivem Austausch mit Apple. Noch diese Woche soll CAID offiziell vorgestellt werden. Apple hat schon erklärt, dass Bedingungen und Richtlinien im App Store für alle Entwickler auf der Welt gleichermaßen gelten würden und man Apps nicht zulassen würde, die diese Richtlinien brechen.

Unsere Meinung:

Für Apple ist diese neue Technologie ein brisantes Problem. Die Software wurde von der staatlichen Vereinigung der chinesischen Werbewirtschaft China Advertising Association entwickelt, die über 2000 Mitglieder hat. Vielen chinesischen Konzernen werden zudem  gute Verbindungen zum chinesischen Staat nachgesagt. Wie der von der Financial Times befragte Zach Edwards von Victory Medium wohl zu Recht anmerkt, kann es sich Apple kaum leisten, einfach jede App in China zu blockieren. Für Apple ist der chinesische Markt essenziell und Tim Cook könnte vom chinesischen Staat zu Konzessionen gezwungen werden. Wie wir vermuten, würden dann aber wohl auch sofort US-Konzerne wie Facebook Gleichbehandlung fordern.

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