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Chip-Krise: Kann Apple vom Mangel langfristig profitieren?

29.03.2021 | 13:02 Uhr | Stephan Wiesend

Die Krise bei der Chip-Versorgung könnte nach Meinung der Analysten von Wedbush für Apple sogar positiv sein.

Die Investmentfirma Wedbush hat versucht hat, die Auswirkungen der aktuellen Chip-Krise auf Apple einzuschätzen. Der Hintergrund: Aktuell besteht eine globale Versorgungskrise bei Halbleitern, die zuerst die Autoindustrie, aber mittlerweile auch Hersteller wie Samsung und Apple betrifft.

Überraschend vertritt der Analyst Matt Bryson die Meinung , dass Hersteller wie Apple von der Krise sogar profitieren könnten. Wie Appleinsider berichtet, geht es ihm dabei weniger um die kurzfristigen als langfristigen Folgen: Kurzfristig werde wohl auch Apple durch die Chip-Krise betroffen sein, eventuell sogar die Preise für seine Produkte anheben müssen. Schlecht sehe es vor allem für Systemlieferanten aus, da man Kostensteigerungen kurzfristig nicht weitergeben könne – hier ist Apple etwa mit seinen Macs betroffen.

Anders sehe es langfristig aus. Einerseits werde ein Chip-Fertiger wie TSMC stark profitieren. Das Unternehmen aus Taiwan dominiert vor allem die Fertigung hochmoderner Chips und hat etwa in der Fertigung von 5 bis 10 Nanometern 80 Prozent Marktanteil. Auch Apple lässt seine ARM-Chips von TSMC fertigen und durch die Krise müssen wohl viele Lieferverträge neu verhandelt werden.

Bryson vertraut aber darauf, dass Apple bei der Verhandlung mit Chip-Herstellern seine Lieferverträge zu günstigeren Konditionen neu verhandeln könne. Apple sei schließlich bekannt dafür, für sich günstige Lieferverträge zu vereinbaren. Der Einschätzung von Bryson muss man aber nicht folgen, so führt Apple Insider einige ungünstige Verhandlungen von Apple als Gegenbeispiel auf: Da Apple etwa von Samsung weniger OLED-Display annahm als vereinbart, musste Cupertino anscheinend mehrmals hohe Kompensationszahlungen leisten.

Unsere Meinung:

Wirklich überzeugen kann uns die These von Wedbush nicht, hier wird sehr stark auf Apples Verhandlungsgeschick vertraut. Sorgen um Apples Profitabilität muss man sich aber wohl kaum machen. Schlecht sieht es aber eher für die Kunden von Apple aus. In früheren Fällen haben Produktionsausfälle fast immer zu höheren Preisen für die Endkunden geführt – etwa bei Produktionsausfällen bei Festplatten oder RAM-Bausteinen. Auch Apple könnte deshalb die Preise einiger Produkte anheben. Und wenn die Preise für Komponenten wieder sinken, geben Hersteller diese günstigeren Kosten schließlich oft erst sehr spät an die Kunden weiter.

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