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Fast wie bei Orwell: Clearview AI identifiziert Gesichter anhand eines Fotos

21.01.2020 | 10:53 Uhr | Peter Müller

Das Jahr 1984 ist Geschichte, geblieben ist uns aus der Zeit vor allem der Mac. Die Orwell'sche Dystopie der totalitären und allwissenden Überwachung wird aber immer realer.

Heute vor 70 Jahren starb der britische Schriftsteller George Orwell im Alter von 46 Jahren in London. Sein 1948 entstandenes dystopisches Werk "1984" hat Apple eben anfangs des Jahres 1984 zu dem Versprechen gebracht, die Welt eben nicht so werden zu lassen wie in dem Roman. Der Mac solle die individuelle Freiheit bringen, Kreativität, losgelöst von zentralen Strukturen der Großcomputer.

Nun ja, Apple ist es gewiss nicht alleine anzulasten, dass 2020 immer mehr von "1984" wahr geworden ist, auch andere weltweit agierende Firmen helfen den Mächtigen, die Kontrolle über die Leute zu gewinnen und zu behalten, die Wahrheit zu verdrehen und die Gedanken der Menschen zu bestimmen.

Es gibt ja nun für alles eine App, nun auch für Stalker und Strafverfolgungsbehörden, die gewiss auch die finsteren Mächte in Ozeanien, Eurasien und Ostasien nutzen würden, berichtete am Wochenende die New York Times . Stellen Sie sich vor, Sie sehen auf der Straße eine attraktive Dame oder einen feschen Herren. Schnell ein Foto mit der Smartphonekamera gemacht und die App Clearview erledigt den Rest: Sie wissen dann Name, Adresse, Beziehungsstatus, vielleicht auch noch Vorstrafen und Vorlieben und was nicht sonst noch alles.

Clearview greift dabei auf eine Datenbank mit drei Milliarden Gesichtern zurück und lässt KI-Algorithmen die Person auf dem Foto damit identifizieren. Die Bilder stammen aus öffentlichen Quellen wie Facebook, Youtube oder Venmo, weitere Informationen über die Person lassen sich mit Hilfe der Links auf die entsprechenden Sites leicht erschließen. Die schiere Größe der Datenbank übertrifft alles, was bisher an Sammlungen existiert, das FBI etwa hat 640 Millionen Fotos von US-Bürgern. Öffentlich verfügbar ist Clearview noch nicht, das sei aber nur eine Frage der Zeit, fürchtet die Times.

Bei Orwell stellte noch der Staat in jede Wohnung einen Televisor, einen Fernsehapparat für seine Propagandasendungen, der einen Rückkanal hatte und somit wunderbar die Untertanen überwachen konnte. Heute stellen wir uns freiwillig Wanzen in die Wohnzimmer und posten mit unseren ständig umher getragenen Taschencomputern intimste Informationen in öffentliche Netze. Das hatte Orwell dann doch nicht vorher gesehen.

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