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Connery und Apple: Wenn Satire zum Gerücht wird

08.11.2020 | 08:41 Uhr | Peter Müller

Das Internet vergisst nichts, so sagt man. Manchmal vergisst das Internet aber den Unterschied zwischen Nachricht und Satire.

Allmählich sollten es die hartnäckigsten Verschwörungsmythiker geschnallt haben: Den Corona-Virus gibt es genau so, wie es Bielefeld gibt. Nur ist Bielefeld harmlos und man muss nichts dagegen unternehmen.

Zu zweifelhaftem Ruhm und Ehre ist Bielefeld geraten, weil Studenten sich in den Neunzigern die Schwurbelei als Satire ausdachten – da aber kaum etwas schwerer zu verstehen ist als Ironie und Satire, hat die "Bielefeld-Verschwörung" die Runde gemacht und taucht immer wieder mal zur Unzeit aus den Tiefen des Internets auf.

Eine andere längst verselbständigte Satire ist dieser Tage mal wieder an die Oberfläche des Brackwassers gedümpelt: Sean Connery, am vergangenen Wochenende im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas verstorben, soll demnach Ende der 90er-Jahre einen zornigen Brief an den zu Apple gerade erst zurückgekehrten Steve Jobs geschrieben haben, erinnert 9to5Mac . "Scoopertino" hieß die seinerzeit kaum bekannte und auch heute längst vergessene Satire-Site, die dem Schotten die Worte in den Mund respektive auf die Schreibmaschine gelegt hatte.

Nein, er werde nicht zum Apple-Testimonial, da mag Steve Jobs noch so oft darum betteln. Aber er sei nur ein Computerverkäufer, er – Connery – hingegen, der "verdammte James Bond". Am Wahrheitsgehalt des Witzes hätte man schon damals zweifeln müssen, denn Sean Connery war nach der siebten Verkörperung des Geheimagenten ihrer Majestät vor allem daran gelegen, wieder als Schauspieler und nicht mehr als James-Bond-Darsteller wahrgenommen zu werden. Apple hatte sicher auch zu keiner Zeit überlegt, den Schotten für seine Werbezwecke einzuspannen. Den "Think different"-Spot etwa sprach Richard Dreyfuss, auch Jeff Goldblum war in der Apple-Werbung zur Jahrtausendwende zu hören und zu sehen.

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