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Corona-Apps im Ausland: Digitale Fußfessel statt Warnung

19.08.2020 | 17:22 Uhr | Halyna Kubiv

Die Corona-Warn-App erhitzt nach wie vor die Gemüter in Deutschland, doch im Vergleich mit einigen vergleichbaren Lösungen im Ausland ist die hiesige App ein Goldstandard.

Nach Pokémon Go und Fortnite ist die Corona-Warn-App wohl die meistdiskutierte App in Deutschland. Das kann man einigermaßen gut verstehen, denn die App dient als Projektionsfläche für mit der Corona-Politik der Bundesregierung Unzufriedene. Die Kritik gilt teilweise der App selbst, teilweise jedoch den treibenden Kräften dahinter. Ob die App effektiv ist oder nicht, lässt sich nicht sagen: Datenschutz und Anonymität ist eben nicht mit genauen Datenauswertungen vereinbar. Dass es aber um die deutsche Corona-App gar nicht so schlecht bestellt ist, zeigt der internationale Vergleich: Die norwegische Datenschutzbehörde hat die lokale App just vorgestern verboten , diese hat neben den Kontaktdaten zwischen den Nutzern auch GPS-Daten gesammelt, die Regierung arbeitet anscheinend an einer weiteren Version der App, die keine Standortdaten der Nutzer benötigt.

Wir haben während des Urlaubs eine weitere Corona-App ausprobieren müssen, nämlich die aus der Ukraine. Die ukrainische Regierung hat die App noch vor dem Apple-Google-Konzept veröffentlicht, am 7. April. Die Anwendung setzt wenig verwunderlich auf die Nachverfolgung von GPS-Daten des Nutzers. Reisende, die aus einem Risikogebiet in die Ukraine einreisen, müssen bei der Grenzkontrolle neben dem Pass auch auf dem Smartphone installierte App "Dij wdoma" ("Handle zu Hause") vorweisen.

Noch bis vor zwei Wochen konnte man sich in der App mit einem SMS-Code geschickt an eine ukrainische Telefonnummer verifizieren, seitdem ist die ukrainische SIM-Karte keine Pflicht mehr. Ist die App einmal installiert, meldet sie sich in regelmäßigen Zeitabständen und erinnert den Nutzer, man möge sich doch an dem angedachten Quarantäne-Ort in der App registrieren. Immerhin haben die Einreisenden 24 Stunden Zeit nach der Grenzüberquerung zu dem angegebenen Ort zu gelangen. Noch davor muss man sich in der App verifizieren, dafür schickt der Betreiber einen vierstelligen Code an die eingetragene Telefonnummer. Dieser Schritt ist jedoch mit Problemen behaftet: Mal haben wir zwei Codes bekommen, keiner davon war richtig. Mal wurde erst gar kein Code zugestellt. Erst nach mehreren Versuchen kam nur ein Code, der dann auch stimmte. Von diesen Problemen berichten die Nutzer im Netz seit dem Start der App.

Mehr Tracking als Tracing

Nach der Verifizierung geht es weiter mit der Standort- und Person-Erfassung: Man muss die Adresse ausfüllen, an der man gedenkt, die nächsten vierzehn Tage der Quarantäne zu verbringen, danach startet die App eine Art Face-ID-Prozedur: Man muss das eigene Gesicht in die Vorderkamera richten und den Anweisungen der App folgen – den Kopf in unterschiedliche Richtungen neigen und drehen, mal geradeaus schauen. In regelmäßigen Abständen fotografiert die App dieses Vorgehen ab, die künstliche Intelligenz dahinter sucht sich wahrscheinlich das hässlichste Foto aus und schickt dies mitsamt dem Standort an die Zentrale. Verlässt der Nutzer diesen Standort, gibt es eine Warnung, dass gleich die Polizei vorbeikomme. Aber auch ohne Ausgehen schickt die App dem Nutzer regelmäßig Anfragen, man möge die Kamera aktivieren und den Kopf mal links, mal rechts drehen oder neigen, auch davon sendet die App einen Screenshot und den Standort an den Server, wohl zur Überprüfung, dass der Nutzer sich tatsächlich in der angegebenen Wohnung befindet und kein lebloses Blatt Papier vor der Kamera gehalten wird. In der Nacht sind solche Anfragen jedoch deaktiviert. Es gibt auch eine bestimmte Zeitspanne, in der eine solche Anfrage erledigt werden muss. Hat die Nutzer eine Verifizierungsanfrage verpasst, kommt wieder eine Warnung, dass – richtig! – gleich die Polizei vorbeikommt. Wir haben jedoch nicht ausprobiert, wie weit die Toleranzen der App reichen, und uns gleich verifiziert.

Den Quarantäne-Zähler konnten wir jedoch nur bis zu der Zahl "Dreizehn" beobachten: Nach knapp 24 Stunden gab es die Ergebnisse vom PCR-Test bei der Einreise, das Labor hat die Ergebnisse ins nationale Gesundheitsregister eingetragen, das mit der App synchronisiert wurde. Die App hat sich mit der Meldung verabschiedet, dass nun die Quarantänefrist verstrichen ist und alle Daten aus der App gelöscht wurden. In Deutschland mussten wir dagegen die Test-Ergebnisse an das zuständige Gesundheitsamt noch manuell weiterleiten, damit dieses die Aufhebung der Quarantänepflicht bestätigen konnte.

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