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Corona-Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts: Das sollten Sie wissen

14.04.2020 | 17:05 Uhr | Halyna Kubiv

Kaum eine App hat zuletzt so viel Aufsehen erreg wie die neue Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts.

Nicht nur Mediziner und Ersthelfer kĂ€mpfen gegen die Covid-19-Pandemie. Dass die Krankheit sich auch mit Software, wenn nicht eindĂ€mmen, doch sich aber besser erforschen lĂ€sst, war von Anfang offensichtlich. Noch vor Apples und Googles gemeinsamer Lösung zu einer Info-App hat das Robert-Koch-Institut in der vergangenen Woche eine Datenspende-App veröffentlicht. Diese hat nicht als Ziel die Kontakte mit den potentiell infizierten Personen nachzuverfolgen, sondern sammelt die Fitness-Daten aller Freiwilligen und will diese zu einem spĂ€teren Zeitpunkt auswerten. Da gleich bei dem Start Kritik ĂŒber den Datenschutz laut wurde – schließlich wertet die Datenspende-App sehr sensible Gesundheitsdaten vieler Nutzer aus – haben wir mit dem Entwickler der App, mHealth Pioneers GmbH aus Berlin gesprochen.

Wozu ĂŒberhaupt die Datenspende der Gesundheitsdaten?

Die Idee stammt von einer frĂŒheren Studie aus den USA . Dort hat man vom ersten MĂ€rz 2016 bis ersten MĂ€rz 2018 von rund 200 000 Teilnehmern die Gesundheitsdaten von ihren Fitbit-Fitnesstrackern ausgewertet. Es hat sich herausgestellt, dass selbst die Angaben zum Puls und zum Schlafverhalten der Nutzer ziemlich genaue SchlĂŒsse auf die Verbreitung der Grippe-Epidemie in den USA erlauben wĂŒrden. Das Robert-Koch-Institut erhofft sich mit der Datenspende-App einen robusten Datensatz, um die Verbreitung der Covid-19-Epidemie in Deutschland nachzuverfolgen. Schließlich gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass die Dunkelziffer aller Infizierten die offiziellen Daten der Behörden deutlich ĂŒbersteigern kann.

Welche Daten kann die Datenspende-App abgreifen?

Installiert der Nutzer die Datenspende-App auf seinem Smartphone, muss man zunĂ€chst die Verbindung zu seinem Fitness-Tracker oder der Smartwatch herstellen. Ab dann werden von der Gesundheitszentrale der jeweiligen Plattform – Apple Health oder Google Fit – die Vitaldaten abgegriffen und weitergeleitet. Bei der Apple Watch sind das Herzfrequenz, Ruheherzfrequenz, Schlafanalyse und Schritte. In dieser Tabelle gibt es eine komplette Übersicht aller unterstĂŒtzten GerĂ€te und möglichen Datenquellen. Dazu weist das RKI in der App darauf hin, dass zu jedem Nutzer noch aufgerundete demografische Daten erhoben werden: Alter (gerundet auf 5 Jahre), GrĂ¶ĂŸe (gerundet auf 5 cm), Geschlecht und Gewicht (gerundet auf 5 kg). Als geografische Angabe gilt die eigene Postleitzahl, die einmal bei der Einrichtung eingegeben werden muss.

Warum sind die Daten pseudonymisiert und nicht anonymisiert?

Bei der Ersteinrichtung erhĂ€lt jeder Nutzer einen 32-stelligen alphanumerischen Code, der stellvertretend fĂŒr sein Datenkonto steht. Nach Angaben des Entwicklers können nur so die Daten ĂŒber die lĂ€ngeren ZeitrĂ€ume richtig zugeordnet und interpretiert werden. Weder die persönlichen Daten wie ein Name oder Adresse, noch Metadaten wie die GerĂ€te-ID werden dem Entwickler bekannt.

Was ist mit den Standortdaten per GPS?

Die App verlangt keinen Zugriff auf das GPS-Modul des GerÀts, auch der Entwickler behauptet, dass die App keine Bewegungsprofile erstellen kann, weil sie keine Standortdaten abfragt.

Wie wird das Datenmanagement zwischen mHealth Pioneers GmbH und dem Robert-Koch-Institut verteilt?

Die Datenspende-App ist aus der Zusammenarbeit der beiden Unternehmen in vier Wochen entstanden, dabei setzt die App auf das bereits existierende Thryve-SDK der mHealth Pioneers GmbH. Die Entwicklungsumgebung erlaubt demnach eine einfache VerknĂŒpfung verschiedener GerĂ€te. Das Problem dabei ist, dass unterschiedliche Hersteller andere Datenformate fĂŒr den Export seiner Gesundheitsdaten nutzten. Thryve-SDK gleicht diese Daten in einem gemeinsamen Format ab und bereitet sie fĂŒr die weitere Analyse auf. Die Hardware-Infrastuktur betreibt fĂŒr das RKI und die Datenspende App ebenfalls mHealth Pioneers GmbH, diese ist von anderen kommerziellen Anwendungen des Thryve-SDK komplett getrennt und laufen als eigene Instanz. Das Robert-Koch-Institut wird ebenfalls die Auswertung der Daten ĂŒbernehmen.

Funktioniert jetzt die Verbindung mit Google Fit und die Anzeige der gespendeten Tage?

Bei den ersten Versionen der App hat noch die Anbindung an Google Fit nicht so richtig funktioniert, ebenfalls zeigte die App anfangs 0 gespendete Tage. Der letztere Fehler ist mit den Updates vom Wochenende bereits behoben. Laut dem Entwickler war besonders am Anfang die Auslastung der Server so hoch, dass die Abfrage der Daten nicht tagesaktuell stattfinden konnte. Mit dem Update auf die App-Version 1.0.4 und neuer wurde wohl die KapazitĂ€t der Serverstruktur erhöht und der Datenfehler behoben. Bei Google Fit bestand der Fehler darin, dass Google bei einer App die Anzahl der Verbindungen mit der eigenen Gesundheitszentrale auf eine bestimmte Zahl beschrĂ€nkt. Dieses Limit war beim Start der App sehr schnell ĂŒberschritten, weist doch die App im Play Store momentan mehr als 100 000 Downloads auf. Laut mHealth Pionieers GmbH arbeitet man derzeit mit Google zusammen, sodass der Anbieter die Anzahl der erlaubten Verbindungen fĂŒr die App nach und nach erhöht.

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