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Corona-Warn-App: Noch á 9,5 Mio. Euro für 2021 und 2022

24.08.2020 | 06:40 Uhr | Stephan Wiesend

Die Bundesregierung hat jetzt die Verträge mit Telekom und SAP veröffentlicht, die dort vereinbarten Leistungen wurden offensichtlich teuer bezahlt.

Für einiges Stirnrunzeln sorgten die hohen Entwicklungskosten der deutschen Corona-Warn-App, laut Tagesspiegel sollen über die gesamte Laufzeit sogar bis zu 69 Millionen für die App fällig werden . Das hat für einige Kritik gesorgt, sollen doch Länder Österreich, Schweiz und Norwegen nur knapp ein Zehntel für die Entwicklung ihrer Apps ausgegeben haben.

Einige der Kosten sind wohl unvermeidbar und fallen während des Betriebs an: Allein 7,5 Millionen Euro wurde von der Bundesregierung für Werbung investiert. Teuer sind langfristig wohl nicht zuletzt die beiden Hotlines, die monatlich etwa 2,5 Millionen Euro kosten – also 30 Millionen im Jahr. Es gibt eine technische Hotline und eine für die Verifikation notwendige Hotline, die sogar 24-Stunden täglich erreichbar ist. Auch für Pflege und Wartung sind hohe Kosten vertretbar, ebenso für die Rechenzentren der Telekom.

Hoch waren aber bereits die Entwicklungskosten der App, die schließlich auf einer Art Blaupause von Apple und Google basiert – und keine komplette Neuentwicklung ist. 9,5 Millionen Euro sollen an SAP und 7,8 Millionen Euro an die Telekom-Tochter T-Systems geflossen sein, weit mehr als in anderen Ländern.

SAP und Telekom berufen sich auf Betriebsgeheimnisse

Auf eine Anfrage von "Frag den Staat" , die mehr über die Verträge wissen sollten, gab es jetzt eine interessante Antwort vom Gesundheitsministerium. Dieses veröffentlichte zwar jetzt die Verträge mit SAP und T-Systems, ausgerechnet die Honorare sind aber geschwärzt. „Die Unternehmen haben sich darauf berufen, dass die Offenlegung solcher Vertragsdetails einen Wettbewerbsnachteil bedeuten würde“, so das Ministerium in einem Begleitbrief.

Viele interessante Details sind aber doch zu finden. Die von SAP in Rechnung gestellten 9,5 Millionen sind eigentlich 9 531 687 Euro, die sich aus einem geschätzten Arbeitsaufwand ergeben. Hier stellt SAP einen bestimmten Tagessatz für „High Value Design Services“, „Special Development Services“ und „Project Management Services“. Geregelt sind diese Tagessätze nach § 4 Abs 1 VO PR 30/53, zusätzlich werden auch Material- und Reisekosten fällig. Laut Computerwoche liegen die Tagessätze eines IT-Beraters im Schnitt bei 1000 Euro , kann bei „Senior“-Entwicklern oder Beratern schnell weit höher liegen. Man kann aber auf etwa 10 000 Manntage rückschließen, um auf knapp 10 Millionen Honorar zu kommen. Was aber noch dazu kommt, ist der laufende Support der Anwendung, mit vollem Namen Innovativ Business Solutions Development Support Services on Cloud 24/6 On Call Services. Dieser wird pro Jahr geschätzt 1 906 715 Euro kosten.

Weit offener ist die Telekom, die in einer Tabelle die Abrechnung auflistet und erläutert. Auch hier erfährt man allerdings weder die Anzahl der Stunden noch Tage, nur den Endbetrag – so wird allein für die Integration der Labore und Krankenhäuser in die App ein Betrag von 1,6 Millionen Euro in Rechnung gestellt. Für Konfiguration und Integration eines Netzwerkes durch einen IT Development Manager wurden 14 560 Euro fällig, für den Consultant Executive, der das Projekt leitete, 323 730 Euro.

Kostenzusammensetzung für Corona-Warn-App für T-Systems
Vergrößern Kostenzusammensetzung für Corona-Warn-App für T-Systems
Voraussichtliche Kosten für 2021, 2022, 2023.
Vergrößern Voraussichtliche Kosten für 2021, 2022, 2023.

Aus dem gleichen Dokument (siehe Bild oben) lässt sich ermitteln, wie viel der Betrieb der Corona-Warn-App in den kommenden Jahren kosten wird: Die Telekom bzw. T-Systems veranschlagt für ihre Services für die zwölf volle Monate 2021 und 2022 knapp 9,5 Millionen Euro pro Jahr. Die größten Posten sind der Betrieb einer Hotline und die Verifizierung der Testergebnisse, die über die App hochgeladen werden können. Für den Posten "Application Operation Verification Komponenten Basis" werden pro Jahr rund 1,4 Mio. Euro fällig. Für alle Hotline-Dienstleistungen werden pro Jahr knapp 2,1 Mio. Euro veranschlagt. "Managed Cyber Defence" kostet laut der Telekom-Rechnung etwas mehr als 853.000 Euro pro volles Jahr. Aus der Rechnung wird klar, bis wann die Corona-Warn-App aktiv betrieben wird: Für 2023 werden die Kosten nur für sechs Monate berechnet, man kann davon ausgehen, dass der aktive Betrieb der App ab der zweiten Hälfte 2023 eingestellt wird.

Unsere Meinung:

Rechtlich ist das Honorar von SAP und Telekom sicher völlig korrekt berechnet. Offensichtlich haben aber weder SAP noch T-Systems Rabatte gewährt und offensichtlich ist eine recht hohe Anzahl an Arbeitstagen angefallen. Hier kann man sich fragen, ob der hohe Zeitdruck der Regierung nicht auch etwas ausgenutzt wurde und eine "Goldrandlösung" gewählt wurde.

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