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Darum gibt es keine Apple-Displays fürs Home-Office

04.11.2021 | 16:10 Uhr | Stephan Wiesend

Warum hat Apple keinen günstigen Monitor im Angebot? Leider hat Apple gute Gründe, das Geschäft Dell und Co. zu überlassen.

Für einen echten Mac-Fan hat es etwas von einer Kapitulation, wenn er sich einen Monitor von Dell oder einem anderen Dritthersteller kaufen muss. Sucht man aber aktuell für seinen Mini oder Macbook Pro ein neues Display, greift wohl nicht einmal ein Promille der Nutzer zum erschreckend teuren Pro Display XDR.

Sollte man vielleicht darauf vertrauen, dass Apple bald ein günstiges Display vorstellt? Home-Office boomt und die Nachfrage wäre da. Eine schlanke Produktpalette ist auch kein Argument – neben Macs und iPhone gibt es schließlich immer mehr Apple-Gadgets wie Airtags, Homepod Mini, Apple TV und ganze Serien von Kopfhörern. Warum also gibt es vom Computer-Pionier Apple kein zeitgemäßes Apple-Display für das Home-Office – etwa mit 27 Zoll und 5K Auflösung für 800 Euro? Dafür hat Apple nach unserer Einschätzung gleich mehrere gute Gründe:

Zu billig für Apple

Ein Monitor von Apple für weniger als 1000 Euro ist unwahrscheinlich. Grund für Apples Einstellung einer eigenen Monitor-Produktion ab 2016 war offensichtlich der extreme Preisverfall für Standard-Monitore. Monitore dieser Art werfen kaum noch Gewinn ab, die meisten Hersteller verdienen oft nur noch mit Gaming-Monitoren Geld. So gibt es einen brauchbaren 24-Zöller eines Markenherstellers wie Viewsonic schon ab 99 Euro . Auch für anspruchsvollere Anwender gibt es zahllose Angebote mit 4K-Auflösung, USB-C und 27-Zoll für 300 bis 400 Euro. Gleichzeitig ist die Konkurrenz hart und immer mehr Hersteller spielen hier mit. Der Monitor-Neuling Gigabyte hat sich etwa im Gaming-Bereich etabliert, auch Huawei setzt plötzlich stark auf Displays. An einem solchen günstigen Monitor würde Apple vermutlich weniger verdienen als an einem Paar Airpods. Und Apple ist nicht so reich geworden, indem die Firma unprofitable Produkte anbietet.

Zu schädlich für die iMac-Verkäufe

Man sollte außerdem bedenken, dass es für Apple wenig Sinn stiftet, günstige Monitore anzubieten – in gewisser Weise würde jeder verkaufte Apple-Monitor die profitablen iMac-Verkäufe kannibalisieren. Besser gefiele es Apple schließlich, würde der Käufer eines Macbooks einfach noch einen günstigen iMac 24-Zoll kaufen …

Interessanterweise hat Apple jetzt mit Universal Control eine neue Produktivitätsfunktion vorgestellt, die das nahtlose Arbeiten mit Macbook und iMac vereinfachen wird: Man achte nur darauf, wie begeistert Craig Federighi bei einer Keynote den einfachen Wechsel zwischen iMac und Macbook vorführt … Leider kann man einen iMac nicht mehr als externen Monitor nutzen, diese Funktion namens Target Display Modus wurde mit den 5K-iMacs eingestellt.

Universal Control erleichtert die Arbeit mit iMac und Macbook
Vergrößern Universal Control erleichtert die Arbeit mit iMac und Macbook

Es gibt doch Gerüchte über einen neuen Apple Monitor?

Es gibt zwar immer wieder Gerüchte über einen neuen Apple-Monitor, wetten würden wir darauf aber nicht. So wurde schon lange vor der Einstellung des letzten Thunderbolt-Displays über einen ominösen Nachfolger spekuliert – angeblich mit integrierter Grafikkarte oder integrierter iPhone-CPU – wozu dies auch immer gut sein soll. Wahrscheinlicher wird diese These, da es immer wieder Gerüchte über einen besonders leistungsfähigen Mac-Mini-Nachfolger gibt. Auch dieses Modell wäre auf ein externes Display angewiesen. In jedem Fall wird wohl zuerst ein neues großes iMac-Modell vorgestellt. Dessen neues Display könnte natürlich einmal die technische Grundlage für einen neuen Apple-Monitor liefern. Einen günstigen Home-Office-Monitor erwarten wir aber nicht, was auch technische Gründe hat.

Was sollte ein Apple-Monitor besser können?

Sinnvoll würde ein Apple-Monitor für den Nutzer, wenn er dem Mac-Anwender einen echten Mehrwert bieten kann und die Monitore besonders gut mit Macs kompatibel sind. Schon das aber macht ihn teuer, wie die beiden für Apple produzierten LG-Monitore mit Thunderbolt mit 24 und 27-Zoll-Display zeigen – kosten diese doch 750 respektive 1400 Euro. Dafür bekommt der Käufer echte Thunderbolt-Unterstützung – eine große Seltenheit – und Displays mit hoher Auflösung. Selbst ein Massenhersteller wie LG kann die beiden Spezialmodelle anscheinend jedoch nicht günstiger produzieren. (Hinweis: Aktuell sind die beiden Monitore nicht über den deutschen Apple Store erhältlich.)

Ein neuer Apple-Monitor müsste schon etwa mehr bieten: Es gibt wohl nur ein echtes Verkaufsargument, für das viele Leute einen hohen Aufpreis zahlen würden: HDR-Unterstützung, wie sie auch schon Macbook Pro und iPad Pro 12,9 bieten. Das erfordert allerdings die Technologie Mini-LED, die immer noch teuer ist. Selbst für den günstigsten aktuellen Monitor mit Mini-LED, den AG274QXM von AOC, werden 1000 Euro fällig – bei anderen Anbietern ist diese Technologie noch weit kostspieliger. OLED-Displays wären sogar noch teurer, so ist etwa der LG 32EP950 von LG erst ab 3000 Euro zu haben. Auch die Frage nach der Zielgruppe muss gestellt werden: Einsatzmöglichkeiten von HDR sind begrenzt, für Fotografen ist dies eher ein Randthema. Wichtig ist HDR vor allem für Video und Gaming – sowohl für Produzenten und Konsumenten. Profi-Gaming ist  aber kein Thema für Apple, bleibt also nur Foto- und Video-Bearbeitung – und für Profi-Anbieter hat Apple schon Apples aktuelles Pro-Display im Angebot. 

Ist der Pro Display XDR überteuert?

Wohl mancher fragt sich, was sich Apple beim Pro Display XDR eigentlich gedacht hat: Auch für das Gebotene sind 5.499 Euro ein starkes Stück, aber vor allem der optionale Pro Stand für 1099 Euro sorgte bei der Vorstellung für ein peinliches Verstummen im Publikum . Hier muss man allerdings einwenden, dass der Monitor einige einzigartige Funktionen besitzt, die den Preis rechtfertigen. So kann man ihn bei HDR-Videoprojekten verwenden und die hohe Auflösung von 6K ist noch immer äußerst selten. Bei einer derart geringen Stückzahl und einer sehr schmalen Zielgruppe, ist es gut möglich, dass Apple an diesem Bildschirm eher wenig Geld verdient. Er ist wohl zum Teil eine Art Image-Angebot, das Apples Profi-Anspruch im Bereich Video belegen soll.

Fazit:

Wir würden nicht empfehlen, auf einen neuen Apple-Monitor für das Home-Office zu warten. Sollte Apple ein neues Display vorstellt, sollte er außerdem recht teuer sein.

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