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Darum werden Apples Pro-Modelle immer unattraktiver

20.03.2022 | 10:17 Uhr |

Die Macs und iPads im mittleren Marktsegment werden so gut, dass es keinen ĂŒberzeugenden Grund mehr gibt, ein Pro-Modell zu kaufen.

Auf dem Tablet-Markt gibt es keine ernst zu nehmenden Alternativen zum iPad, sodass Apple am Ende oft als seine eigene Konkurrenz agiert. Anstatt sich zwischen einem iPad und einem Android-Tablet zu entscheiden, wĂ€gt der durchschnittliche KĂ€ufer eher die Vorteile des Basis-iPads gegenĂŒber seinen Geschwistern Mini, Air und Pro ab. Es ist kein Wunder, dass einige Leute das Wort iPad fĂŒr Tablets im Allgemeinen verwenden.

Mac Studio (M1 Max) im Test: Apple lÀsst seine mÀchtigen Muskeln spielen

NatĂŒrlich wĂ€re es Apple am liebsten, wenn sich unser theoretischer Kunde fĂŒr das iPad Pro entscheiden wĂŒrde, da es am meisten kostet und vermutlich die grĂ¶ĂŸte Gewinnspanne abwirft. Das Unternehmen scheint einfach nicht aufhören zu können, die VerkĂ€ufe dieses Modells und aller seiner Pro-Produkte durch attraktivere, preisgĂŒnstigere Alternativen zu kannibalisieren.

Um das klarzustellen: Wir sprechen hier nicht von der Einstiegsvariante. Das 10,2-Zoll-iPad ist eindeutig gĂŒnstiger als das iPad Pro, aber es wird an eine ganz andere Zielgruppe vermarktet: Niemand, der ernsthaft mit dem Gedanken an ein iPad Pro gespielt hat, könnte mit einem einfachen iPad zufrieden sein. Das Gleiche gilt fĂŒr das iPhone SE und den Mac Mini, die beide nie ein legitimer Vergleich fĂŒr die entsprechenden Pro-GerĂ€te waren. Die Geschichte der letzten Jahre ist vielmehr der Aufstieg der MittelklassegerĂ€te, die die wichtigsten Funktionen des Pro-Modells mit einem deutlich niedrigeren Preis kombinieren.

iPad Air stiehlt dem iPad Pro die Show

Auf der FrĂŒhjahrsveranstaltung von Apple in der vergangenen Woche gab es dafĂŒr zwei eklatante Beispiele. Das iPad Air kehrte nach 18 Monaten ins Rampenlicht zurĂŒck und verdrĂ€ngte sein 11-Zoll-Pro-Geschwister sofort in die Nische. Apple hat das Air mit einem M1-Prozessor und 5G-UnterstĂŒtzung auf den neuesten Stand gebracht, und da es in Sachen USB-C und ZubehörunterstĂŒtzung bereits mit dem Pro mithalten konnte, gab es nur wenige ĂŒberzeugende GrĂŒnde (das Pro-Motion-Display möglicherweise, das zusĂ€tzliche Kameraobjektiv unwahrscheinlich) fĂŒr alle außer einer kleinen Gruppe von Kreativprofis, die 200 Euro mehr auszugeben und sich fĂŒr das Pro entscheiden.

Abgesehen von der Rückseite sind das iPad Air und das iPad Pro kaum noch zu unterscheiden.
VergrĂ¶ĂŸern Abgesehen von der RĂŒckseite sind das iPad Air und das iPad Pro kaum noch zu unterscheiden.
© Apple

Auf subtilere Weise erkannte Apple die Nischenzukunft der Pro-Kategorie mit dem Mac Studio, einer aufsehenerregenden Neuinterpretation des Mac-Mini-Formats mit Hardcore-Hardware im mittleren - vielleicht sollte man sagen im oberen - Segment. Niemand könnte den Studio fĂŒr ein SchnĂ€ppchen halten, denn die Preise beginnen bei 2.229 Euro ohne Tastatur und Monitor, aber er ist eine deutlich gĂŒnstigere Option als der 6.499 Euro teure Mac Pro und im Moment eine wesentlich attraktivere.

Bei Apples Nomenklatur kann man nie wissen, aber die neue Marke Studio könnte der Vorbote einer breiteren neuen Kategorie in der Produktpalette des Unternehmens sein. Es wird interessant sein zu sehen, ob weitere Studio-Produkte erscheinen und wie sie angepriesen werden. Es ist seit Langem klar, dass Apples Pro-Marke, die so unterschiedliche GerÀte wie den Mac Pro, das iPhone Pro und die Airpods Pro umfasst, eine ungeschickte Vermischung von Profi- und Premium-Kategorien ist, die zu Recht getrennt gehalten werden sollten. Die Studio-Bezeichnung kann helfen, dies deutlicher zu machen.

Airpods Pro: Zu alt, zu teuer

Apropos Airpods Pro: Apple hat eine miserable Keynote-PrĂ€sentation fĂŒr das Pro-Segment des Unternehmens abgeliefert, indem es seine Premium-Kopfhörer nicht aktualisiert hat und sie in der Schwebe hĂ€ngen lĂ€sst. Wer wĂŒrde jetzt noch ein Set Airpods Pro kaufen, wenn die Airpods 3 so einladend, so aktuell, so 80 Euro gĂŒnstiger sind?

Die Airpods 3 und die Airpods Pro sind kaum noch zu unterscheiden.
VergrĂ¶ĂŸern Die Airpods 3 und die Airpods Pro sind kaum noch zu unterscheiden.
© Apple

Es gibt sicherlich schlimmere Probleme: ein Produkt nicht zu verkaufen, weil die Leute eines der anderen kaufen. Es ist besser, einen Pro-Verkauf zu verlieren, als ganz auf einen Verkauf zu verzichten. Aber Apple kann das Problem lösen, indem es seine Pro-GerĂ€te mit so vielen exklusiven Funktionen ausstattet, dass die Kunden einfach nicht darauf verzichten wollen – so wie es das Unternehmen GerĂŒchten zufolge mit den Pro-Editionen des iPhone 14 plant , das ein Design ohne Notch, eine 48-MP-Kamera, eine bessere Batterielaufzeit, einen schnelleren Arbeitsspeicher und sogar eine exklusive Prozessorgeneration erhalten soll. Wenn sich das alles bewahrheitet, werden wir ein fĂŒr alle Mal wissen, dass Apple die Pro-Sparte weiter ernst nimmt.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei unserer amerikanischen Schwesterpublikation Macworld.com.

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