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Das darf nur seine Steveness

24.01.2009 | 00:00 Uhr

Das darf nur seine Steveness

Derweil baute Jobs radikal den Vorstand des Unternehmens mit, unter tätiger Mithilfe von Larry Ellison, einem der neuen Aufsichtsräte. Selbst der ewige Mike Markkula, seit den Anfangstagen im Apple-Vorstand, musste gehen. Jobs, der zwei Jahre zuvor noch mit Ellison über eine feindliche Übernahme nachgedacht hatte, war nun an die Macht gekommen.

Microsoft Office kam Anfang 2008 in einer neuen Version für den Mac
Vergrößern Microsoft Office kam Anfang 2008 in einer neuen Version für den Mac

Nur der mächtige Jobs konnte sich im August 1997 etwas erlauben, wofür jeder andere Apple-Chef von einer aufgebrachten Menge vom Hof gejagt worden wäre. Erstmals musste sich Steve Jobs aber Pfiffe und Buhrufe vom Publikum der Keynote zur Macworld Expo anhören, als per Videoeinspielung Beelzebub persönlich auf einer Riesenleinwand erschien. Nein, es war nicht der Teufel selbst, der da via Satellit von Redmond nach Boston sprach, unter Apple-Jüngern hatte Microsoft-Chef Bill Gates aber keinen wesentlich besseren Ruf zu der Zeit. Dabei sollten Macianer auch heute noch Gates und seiner Firma dankbar sein, denn jene Finanzspritze in Höhe von 150 Millionen US-Dollar (oder waren es 100 Millionen mehr?), für das Microsoft einen Packen nicht stimmberechtigter Aktien erhielt, rettete Apple den Hals. Noch viel wichtiger war aber das Versprechen, fünf Jahre lang Office für den Mac weiter zu entwickeln. Im Gegenzug gab Apple jedwede Patentklage auf und akzeptierte endgültig die Gerichtsentscheidung von 1995. Außerdem bezog Apple im noch nicht ganz entschiedenen Browserkrieg Stellung und installierte Microsofts Internetexplorer als Standardbrowser auf seinen Rechnern. Apple konnte gegen Microsoft nicht gewinnen, sah Jobs ein, also musste man sich verbünden. Wie gesagt, Spitzen à la "Während Euer Longhorn träge grast, ist unser Panther schon auf der Jagd!" oder "Redmond, startet Eure (Tiger-)Kopierer!" gehören zur Apple-Folklore. 1997 gehörte dennoch bis in den November zu einem der finstersten Jahre für den Macintosh. Der erwähnte 20th Anniversary Mac ließ das komplette Jahr auf sich warten und kam erst im Frühjahr 1998 in den Handel - bereits technisch überholt. Der Versuch, mit einem Subnotebook auf Newton-Basis, dem eMate, in den Klassenzimmern und Hörsälen Erfolge zu landen, scheiterte grandios. In die Finsternis des Herbstes setzte Apple jedoch sein Glanzlicht: Power Mac G3 hießen die am 10. November vorgestellten Maschinen, mit einem Schlag lichtete sich der Produktdschungel, allein durch die Nummerierung der Prozessorgenerationen gab Apple das Versprechen von Tradition und technischem Fortschritt in einem Produkt zugleich. Am gleichen Tag eröffnete Apple einen eigenen Laden im Internet. Anders als seinerzeit Dell setzt Apple zwar nicht auf den bloßen Direktvertrieb, der eigene Kanal in Form eines Onlineshops und ein paar später in Form von eigenen Läden an den attraktivsten Verkaufsmeilen der Welt gibt dem Mac-Hersteller aber zusätzliche Optionen bei der Kundenansprache. Man denke nur an den verzweifelt-gespannten Aufschrei der Mac-Gemeinde, wenn Apple seine Store-Seiten kurzzeitig vom Netz nimmt. Meistens passiert das ja dienstags, die Seite www.isapplestoredown.com weiß das immer als erste.

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