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Das günstige Macbook Air M2 macht zu viele Abstriche

07.08.2022 | 10:40 Uhr |

Benchmarks bestätigen unsere Befürchtung: Die Performance ist in einigen Tests erschreckend schlecht.

Das Macbook Air M2 ist endlich da und wie schon beim M1 bietet Apple zwei Optionen, aus denen Sie auswählen können: Eine mit Acht-Kern-GPU und eine mit Zehn-Kern-GPU. Wir haben beide Modelle testen können: die leistungsfähigere Variante, die bei 1.849 Euro beginnt ( hier geht’s zu unserem Testbericht des Modells mit 16 GB RAM und 1 TB Speicher für 2.309 Euro) und die Einstiegsvariante für 1.499 Euro mit 256 GB Speicher.

Der Preisunterschied ist deutlich und wir haben uns deshalb gefragt, was man für den Aufpreis alles bekommt. Es stellt sich heraus: ganz schön viel.

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Mit zwei GPU-Kernen weniger, weniger RAM und einer SSD-Konfiguration, die für Lese- und Schreibgeschwindigkeiten alles andere als optimal ist, steht das günstige Macbook im Vergleich mit dem teureren Modell vor vielen Hindernissen. In manchen Fällen waren wir sogar überrascht, wie viel schlechter es abschneidet. Es gab aber auch erfreuliche Ergebnisse.

Im Folgenden schauen wir uns an, wie die beiden Modelle des Macbook Air M2 in unseren Geschwindigkeits- und Performance-Benchmarks abschneiden. Wo es möglich war, haben wir die Ergebnisse des Macbook Air M1 von 2020 und des Modells mit Intel Core i5 aus demselben Jahr einbezogen.

Macbook Air M2: Rohe Rechenleistung

Zunächst haben wir uns die rohe Rechenleistung angesehen. Dafür kamen Geekbench 5 und Cinebench R23 als CPU-Benchmarks zum Einsatz. Hier haben wir keinen großen Unterschied erwartet, da die beiden Modelle des Macbook Air M2 denselben Prozessor mit derselben Anzahl an Kernen besitzen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das teurere Modell mit doppelt so viel Arbeitsspeicher kommt – 16 statt 8 GB.

Ein vielversprechender Start, denn hier liegt das Basismodell fast auf einer Stufe mit der teureren Variante, mit einem Abstand von höchstens 2,2 Prozent, und ganzen 16,5 Prozent vor dem 2020er-Modell mit M1-Chip. Tatsächlich liegt das kleine Macbook Air M2 mit 256 GB im Multicore-Test von Cinebench R23 knapp vor der Variante mit 1 TB, was aber im Bereich der Fehlertoleranz liegt und wahrscheinlich nur ein Ausreißer war.

Macbook Air M2: Praxistests

CPU-Benchmarks vermitteln einen guten Eindruck von der Leistungsfähigkeit eines Geräts in der Theorie, wir wollten aber wissen, wie die beiden Macbooks in der Praxis abschneiden. Daher haben wir sie den üblichen Methoden ausgesetzt: Stabilisieren, Exportieren und Codieren in iMovie und Handbrake 1.5.

Beim Exportieren eines 4K-Videos auf hohen Einstellungen gab es zwischen den beiden M2 Macbook Air praktisch keinen Unterschied, doch bei allen anderen Aufgaben konnten wir beim günstigeren Modell deutliche Performance-Einbrüche beobachten. Exportieren mit ProRes-Einstellungen hat 27,6 Prozent länger gedauert. Stabilisierung eines iMovie-Clips sogar 43 Prozent länger. Hier mussten wir tatsächlich sogar etwas länger warten als beim Einstiegsmodell des Macbok Air M1 von 2020.

In den Handbrake-Tests war das 256-GB-Modell 27,2 bzw. 20,4 Prozent langsamer als das 1-TB-Modell. In beiden Fällen lag es näher am M1-Modell als an der aktuellen, teureren Variante.

Macbook Air M2: SSD-Geschwindigkeit

Um die Lese- und Schreibgeschwindigkeit der beiden Macbooks zu testen, haben wir Blackmagic Disk Speed Test verwendet. Insbesondere interessierte uns, wie sich das Einstiegsmodell hier schlägt, da bisherige Berichte von bis zu 50 Prozent langsameren Lese- und 30 Prozent langsameren Schreibgeschwindigkeiten  ausgegangen sind. Ursache dafür sei, geht aus Teardowns hervor, dass Apple einen einzelnen 256-GB-Chip verwendet statt zwei 128-GB-Chips.

Unser 256-GB-Air konnte diese Behauptungen nicht widerlegen. Die Lesegeschwindigkeiten lagen im Schnitt 47,9 Prozent unter denen des 1-TB-Modells, Schreibgeschwindigkeiten sogar 50,2 Prozent – deutlich schlechter als erwartet. In beiden Fällen ist das aktuelle Basismodell sogar schlechter als das von 2020. Im Alltag wird der Unterschied wahrscheinlich kaum auffallen, aber für 1500 Euro erwarten wir einfach eine deutlich bessere SSD-Performance.

Macbook Air M2: Gaming-Performance

Zu guter Letzt schauen wir die Performance der beiden Macbooks bei zwei anspruchsvollen Spielen an: Rise of the Tomb Raider und Civilization VI . Beide Spiele verfügen über einen Benchmarking-Modus, mit der sich die Bildrate ohne zusätzliche Software ablesen lässt.

Ausgehend von Apples offiziellen Spezifikationen haben wir in dieser Testreihe deutliche Unterschiede erwartet – einfach, weil das 1-TB-Modell zehn GPU-Kerne besitzt und das 256-GB-Modell nur acht.

Die Ergebnisse waren allerdings nicht ganz eindeutig. Die Werte für "Tomb Raider" lagen im erwarteten Bereich: Das Air mit acht Kernen lag bei hohen Einstellungen 43 Prozent hinter dem mit zehn Kernen und 26 Prozent bei mittleren. In beiden Fällen lag die Bildrate des aktuellen Einstiegsmodells sogar unter der des Modells von 2020. Bei "Civilization" hingegen liegt das günstige Macbook Air gleichauf mit dem teureren, bei mittleren Einstellungen sogar etwas besser. Wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass der technische Anspruch von "Civilization" nicht bei der Grafik liegt, sondern bei den Berechnungen des Spielablaufs.

Besonders für grafisch anspruchsvolle Spiele ist die teurere Variante des Macbook Air M2 also deutlich besser geeignet als das Einstiegsmodell. Wenn Sie aber weniger Wert auf Grafik legen und nur "Civilization" oder kleinere Indie-Games spielen, fällt die geringere Anzahl an GPU-Kernen beim Spielen kaum ins Gewicht.

Fazit

Es sollte niemanden wirklich überraschen, dass das diesjährige Macbook Air M2 für 1500 Euro schlechter abschneidet als das teurere. Geradezu erschreckend ist, wie viel schlechter es besonders bei Lese- und Schreibgeschwindigkeiten, beim Stabilisieren, Exportieren und Codieren performt.

Es ist immer verlockend, nach der günstigsten Variante neuer Apple-Produkte zu greifen, um in den Geschmack des neuen Designs und des neuen Prozessors zu kommen. Was das Macbook Air M2 angeht, würden wir jedoch davon abraten, da unsere Tests darauf hindeuten, dass Sie ein Gerät kaufen, das in bestimmten Bereichen sogar schlechter abschneidet als das Modell von 2020. Zugegebenermaßen erhalten Sie dafür einen größeren und besseren Bildschirm, Magsafe und ein neues Design, aber der Performance-Boost des M2-Chips kommt hier einfach nicht zur Geltung.

Dieser Artikel erschien zuerst bei den Kollegen von der  Macworld   und wurde aus dem Englischen übersetzt. 

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