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Das nervt mich an der „Apple und die neuen Macbook Pro“-Diskussion

24.11.2016 | 11:26 Uhr |

Unser Experte hat so gar kein Verständnis für die negative Kritik am Macbook Pro des Jahrgangs 2016.

Noch keine Woche sind die neuen Macbook Pro-Modelle alt , und eigentlich wollte ich nichts darüber schreiben, denn zu oft habe ich das hier auf meinem Blog schon getan . Und ich bin auch nicht Sascha Pallenberg , der gerne den ein oder anderen Rant zu heiß diskutierten Themen vom Stapel lässt.

Aber nachdem ich heute den wohltuend sachlichen und unaufgeregten Artikel des werten Kollegen Dernbach auf handelsblatt.de gelesen hatte, stand für mich fest: Ich muss und will und werde doch noch meinen Senf zu den neuen Highend-Notebooks aus Cupertino abgeben.

Dabei werde ich mich – zumindest sinngemäß – auf das ein oder andere Zitat beziehen, das ich die letzten fünf Tage zu Apple im Allgemeinen und den neuen Macbook Pro-Modellen im Speziellen aufgeschnappt habe. Um anhand dieser „Statements“ zu zeigen, warum die Diskussion in meinen Augen teilweise in die falsche Richtung geht.

Die neuen MacBook Pro (vor allem mit Touch Bar) leisten weniger für mehr Geld!

Zugegeben, verglichen mit den „Early 2015“-Modellen, die jetzt schon seit fast zwei Jahren auf dem Markt sind (auf solch einem entsteht gerade dieser Beitrag), bedeuten die „Late 2016“-Modelle teilweise einen Rückschritt. Denn anstatt der neuen Intel Core-Prozessoren vom Typ Kaby Lake werden „nur“ dessen Vorgänger-CPUs mit Skylake-Architektur verbaut. Diesen Umstand muss man allerdings nicht Apple, sondern Intel ankreiden, da „Kaby Lake“ bisher nur in der Dual-Core-Variante erhältlich ist, und Apple vor allem bei den 15-Zoll-Macbooks einen Vierkern-Prozessor integrieren wollte. Der Rest ist, wie das folgende Bild belegt, durchaus konkurrenzfähig.

Von Apple kommen keine Innovationen mehr!

Dieser Satz ist so hanebüchen wie falsch, oder wie würden die Apple-Kritiker und -Spötter vor allem die Touch Bar einordnen. Was ist an einer berührungsempfindlichen Bedienleiste, die sich kontextsensitiv der jeweiligen Anwendung anpasst, nicht innovativ? Gibt es derzeit etwas Vergleichbares in einem anderen aktuellen Gerät vom Typ Notebook oder Desktop-PC? Ich glaube, nein. Und jetzt kommt mir nicht mit irgendwelchen gescheiterten Versuchen zu Windows-Vista-Zeiten! Das war nicht innovativ, sondern allenfalls peinlich. Und nicht zu Ende gedacht. Und genau das hat Apple mit der Touch Bar getan, was alleine schon der Umstand belegt, dass es eine Programmierschnittstelle für die berührungsempfindliche Bedienleiste der neuen Macbook-Pro-Reihe gibt. Damit werden nach und nach Applikationen anderer Software-Hersteller mit der Touch Bar „kooperieren“. Adobe hat es mit Photoshop bereits vorgemacht.

iPhone 7 vorgestellt: Ist Apple noch innovativ?

Die neuen Macbook Pro-Notebooks sind keine Pro-Maschinen mehr!

Bei diesem Satz habe ich sehr gelacht! So, so, die neuen Macbook Pro-Modelle sind keine Pro-Maschinen mehr. Und zwar wegen der Touch Bar, weil mit deren Hilfe lustige Emojis in Texte und Nachrichten eingefügt werden können. Ja, nee, is‘ klar. Ich sage: Gerade WEGEN der Touch Bar lassen sich die neuen Pros noch professioneller, weil effizienter und komfortabler, bedienen. Da muss ich mir doch nur die bereits vorgenommenen Anpassungen von Final Cut Pro ansehen. Endlich brauche ich für das Schneiden und Vertonen und Bearbeiten meiner Videointerviews weniger umständliche Tastatur- und Mausaktionen. Denn mit den jeweiligen Funktionen auf der Touch Bar, die sich je nach Aufgabe per Fingergesten ausführen lassen, wird das Bearbeiten von Videos um einiges schneller als bisher vonstatten gehen. Und ja, mit Photoshop auch, wie uns Bradee Evans auf dem Apple-Event letzte Woche zeigen konnte.

Doch nicht nur Final Cut Pro- und Photoshop-Anwender werden von der Touch Bar profitieren. Da denke ich an meinen eigenen Workflow, der Programme wie Pages, Mail und Fotos umfasst. Texte lassen sich dank der automatischen Worterkennung künftig schneller schreiben, Mails lassen sich schneller und intuitiver bearbeiten und auch die Anwendung „Fotos“, die ich oft für meine Live-Twitter-Sessions nutze, ist wie gemacht für den Einsatz mit der Touch Bar. Denn anstatt die Bearbeiten-Funktion aufrufen zu müssen und die einzelnen Funktionen zu benutzen, erledige ich das künftig nur noch mit der Bedienleiste. Das hat insgesamt Auswirkungen auf die zur Verfügung stehende Bildschirmfläche. Hätte ich noch ohne Touch Bar über einen 15-Zoll-Rechner nachgedacht, sind dank der berührungsempfindlichen Bedienleiste 13 Zoll völlig ausreichend, da ich sämtliche Funktionsleisten von Pages, Final Cut Pro und Co. ausschalten kann. Was mir mehr Platz auf dem Bildschirm beschert.

Diese Apps funktionieren mit der Touch Bar

Die Apple-Rechner werden immer teurer! Da bleibe ich bei meinem alten Mac!

Was soll man von so einem Satz halten? Nix, würde ich mal sagen, denn Apple zu kaufen, heißt ja auch, ein komplettes Ökosystem zu kaufen. Was nützt mir denn ein günstiger Windows-Rechner, der nicht (mehr) zu meinem restlichen „Setup“ passt. Schließlich ist meine gesamte Arbeitsumgebung auf macOS und iOS abgestimmt. Das ist mir der „Aufpreis“, den Apple hierfür berechnet, allemal wert. Außerdem weiß man doch hoffentlich, dass man sich bei der Entscheidung „Pro Apple“ auf ein „bisschen teurer“ eingelassen hat. Zudem ist der Wiederverkaufswert der Apple-Geräte ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt bei der Frage, ob die neuen MacBook Pro-Modelle zu teuer sind. In meinem Fall ergibt sich folgende Rechnung: Mein aktueller Macbook Pro ist aufgrund seines Alters, seiner Ausstattung und seines Zustands noch rund 900 Euro wert, der Neuanschaffungswert des neuen Notebooks mit 13 Zoll und Touch Bar liegt bei knapp 2.000 Euro. Ziehe ich hiervon die Mehrwertsteuer und den Wiederverkaufswert ab, komme ich auf 720 Euro netto, den ich für das neue Macbook Pro bezahle. Hinzu gesellen sich noch zwei Adapter (USB-C-Adapter für Festplatte und SD-Karte), was weniger als 100 Euro ausmacht. Das macht also in Summe nicht mal 1.000 Euro für einen schnellen, schlanken, leichten und kompakten Mobilrechner für alle Lebenslagen. Zeig mir bitte einen vergleichbaren Windows-Rechner zu diesem Preis!

Microsoft ist gerade das bessere Apple!

Abschließend, und dann ist es auch wieder gut mit meinem „Rant“, möchte ich noch diesen „Windows-macht-alles-richtig-und-Apple-alles-falsch“-Blödsinn kurz aufgreifen. Ja doch, der 3.000-Euro-iMac-Clone namens Surface Studio schaut nett aus und lässt sich trotz seiner 6 Kilo Lebendgewicht mit nur zwei Finger hoch und runter bewegen. Aber umgibt Microsoft deswegen gleich eine Apple-haftige Aura, von der alle gerade so begeistert sind? Das mag jeder für sich selbst beantworten, ich denke eher: nein! Denn ein schicker All-In-One-PC macht noch kein funktionierendes Ökosystem, und dass Apple hier immer noch die Nase vorn hat, zeigt sich alleine schon an der verfehlten Mobilstrategie, die Microsoft seit Jahren „verfolgt“. Nokia und Lumia und die Beerdigung beider Marken lassen schön grüßen!

Update: Ja, ich habe es getan und eines der neuen Macbook Pro-Modelle mit Touch Bar gekauft! Werde dazu natürlich noch das ein und andere bloggen.

Dieser Artikel ist im Original am 1. November auf dem Blog des Autoren erschienen . Nach"druck" mit freundlicher Genehmigung.

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