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Das war der Mac im Jahr 2016

27.12.2016 | 08:06 Uhr |

Selten sahen Mac-Fans ihre Erwartungen so enttäuscht wie im zurückliegenden Jahr. Die Touch Bar kann da nicht viel retten.

Zum Jahreswechsel fassen wir nicht nur neue Vorsätze, sondern blicken auch in die Vergangenheit, nicht nur über zwölf Monate hinweg. Denn früher war vielleicht nicht alles besser, aber zumindest alles anders. Wir erinnern uns etwa ein wenig wehmütig an die Zeiten, in denen das neue Jahr erst so richtig begonnen hatte, wenn Apple auf der Macworld Expo in San Francisco neue Macs vorgestellt hat, die schneller und besser aber wenigstens anders waren als alle vorher. Im Jahr 2002 etwa leitete der Mac-Hersteller seinen Abschied von der Kathodenstrahlröhre ein: Der Power Mac G4, jene als "Schreibtischlampe" titulierte Halbkugel mit Flachbildschirm war in der Tat weit jenseits der Vorstellungen aller Auguren gelandet. Im Jahr darauf zeigte Apple, dass die Ära der Mobilrechner angebrochen war und erklärte es anlässlich der Premiere der Aluminium-Powerbooks in 12 und 17 Zoll gleich vollmundig zum "Jahr des Notebooks" - nun ja, die UN sah 2003 eher als das Internationale Jahr des Süßwassers an.

Im Jahr 2016 - dem Internationalen Jahr der Geographie, dem Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte - schien Apple seinen Kompass verloren zu haben, was in Cupertino aber anscheinend nicht die Bohne interessierte (den Flachwitz hier mussten wir uns gönnen). Aber die Fakten liegen nun mal auf dem Tisch: Für den Mac gab es mit macOS Sierra zwar wie in jedem Jahr seit 2011 ein neues Betriebssystem, aber kaum neue Produkte. Im Frühjahr zeigte Apple mit der Neufassung des Macbook 12 Zoll Retina zwar, dass das Projekt durchaus ernst gemeint war und auch in dieser Bauform hinsichtlich Leistung immer noch eine Entwicklungsmöglichkeit besteht, aber ansonsten blieben die Baureihen unverändert. Der iMac seit Herbst 2015. Das Macbook Air seit Frühjahr 2015. Der Mac Mini seit 2014. Der Mac Pro seit 2013.

Nur bei einem für Apples Business gar nicht unwichtigem Produkt gab es eine Neuerung. Eine umstrittene. Denn das neue Macbook Pro ist nicht nur eine Fortführung der seit 25 Jahren bewährten Power- und Macbooks, sondern läutet erneut eine neue Ära ein. Da ist zum einen der Verzicht auf Schnittstellen mit Ausnahme von Thunderbolt 3, das alle Aufgaben übernehmen kann, die zuvor USB, Ethernet, HDMI und das Magsafe-Ladekabel erledigt hatten. Das Wehklagen der Gemeinde war groß, schließlich würde der Kauf eines neuen Macbook Pro auch Folgekosten haben, entweder hinsichtlich neuer Adapter oder hinsichtlich neuer Peripherie. Aber mal ehrlich: Wer sich nach drei bis fünf Jahren ein neues Macbook Pro leistet, sollte auch ruhig eine neue externe Festplatte für Time-Machine-Backups auf seinem Einkaufszettel stehen haben. Auch an anderen externen Geräten nagt der Zahn der Zeit, Neuanschaffungen werden mit der Zeit also unumgänglich. Es ist die Übergangsphase, die stört, denn wer über 2000 Euro für das neue Macbook Pro hingelegt hat, wird nicht gleich noch mal so viel für externe Geräte ausgeben wollen. Aber schon in wenigen Jahren wird USB-C mit oder ohne Thunderbolt die Standardbuchse der Industrie sein.

Die Touch Bar ist Gewöhnungssache

Noch weniger verstanden haben die Kritiker des Macbook Pro indes die Touch Bar und auch wir geben zu, dass wir erst ihre Sinnhaftigkeit nach und nach begreifen und uns an neue Konzepte erst einmal gewöhnen müssen. Die dahinterstehende Idee ist aber so einfach wie genial: Wenn ein Laptop schon mit Desktop-Power daherkommt und auch für Profis zum Arbeitsgerät der Wahl werden können, da man mit ihm immer mehr anfangen kann - wozu soll man sich dann mit einer Funktionstastenleiste mit ihren begrenzten Funktionen einschränken? Wäre es nicht klüger, für all die multifunktionale Software zur Bildbearbeitung, dem Videoschnitt, den Prozessen des Geschäftslebens nicht eine kontextsensitive und konfigurierbare Eingabemöglichkeit zu schaffen, die Menüs, Untermenüs und aufklappende Fenster dereinst überflüssig machen könnte? Das wahre Potential der Touch Bar werden erst die Apps zeigen, die nach und nach auf die Multitouchleiste zugreifen, zum Verkaufsstart im Oktober waren neben Apples eigenen Programmen erst einige wenige Apps von langjährigen Big Playern wie Adobe und Microsoft darauf ausgerichtet.

Das Jahr 2017 hat die UN zum "Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung" erklärt, auch wir erwarten von den kommenden Monaten eine reichhaltige wie nachhaltige Entwicklung für den Mac. Das anstehende Update auf macOS 10.13 könnte mit weiteren altbewährten Techniken und Methoden brechen und eine neue Ära einleiten, noch viel mehr freuen wir uns aber auf neue Versionen bewährter Apple-Hardware. Darunter könnte auch ein Macbook Pro mit 32 GB RAM sein, denn das war nun auch ein Kritikpunkt, dass diese Option bisher gefehlt habe. Da trifft aber Apple weniger Schuld als dem Zulieferer Intel, der es nicht rechtzeitig geschafft hat, einen passenden Vierkernprozessor heraus zu bringen. Interessanter Aspekt am Rande: So ganz traut Apple seiner eigenen Courage wohl doch noch nicht, denn das Macbook Pro des Jahrgangs 2015 bleibt als 13-Zoll- und auch als 15-Zoll-Modell im Handel. Das kann auch noch eine Weile so dauern, denn vom Macbook Pro 13 Zoll mit DVD-Brenner hat sich Apple erst jetzt getrennt - nach vier Jahren.

Finden Sie hier nochmals die wichtigsten Artikel, die wir im Jahr 2016 über den Mac, OS X und macOS veröffentlicht haben:

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