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Das waren die Zehnerjahre: Apple Watch, iPhone X und mehr

01.01.2020 | 08:30 Uhr | Peter Müller

Der zweite Teil unseres Rückblicks auf die Zehner umfasst den Zeitraum von der Premiere der Apple Watach bis zu der des Mac Pro.

Wir wünschen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr und vor allem goldene Zwanziger! Gestern hatten wir bereits auf die Apple-Jahre 2010 bis 2014 zurück geblickt , heute ist in der Retrospektive die zweite Hälfte der Zehner dran.

2015: Wie spät es ist?

Mag sein, dass Steve Jobs in den letzten Wochen und Monaten seines Lebens noch etwas davon mitbekommen hat, dass seine Firma den Computer noch weiter miniaturisieren wollte. Die Apple Watch ist aber dennoch das erste Produkt, das unter CEO Tim Cook entstand. Schon im September 2014 hatte Apple bei der Präsentation des iPhone 6 erste Bilder und Eckdaten der Uhr genannt, die es ab 400 Euro und in zwei Größen geben werde. Neben einem Aluminiumgehäuse kamen zunächst noch Varianten in Edelstahl und sogar eine in Gold. Bei deren Preis, die Apple dann im Frühjahr 2015 nannte, fiel aber so manchem der Kiefer herunter: 10.000 Euro, und mit Gold-Armband bis zu 18.000 Euro. Sicher, die Apple Watch Edition gab es nur in ausgewählten Apple Stores und dort auch nur auf Anfrage, ob Apple aber überhaupt mehr als wenige Dutzend verkauft hat, bleibt ungewiss. Eine goldene Apple Watch hat ja auch einen Konstruktionsfehler: Wer weiß, wie schnell Technik veraltet, wird sich kaum eine goldene Uhr kaufen, deren Innenleben schon in zwei oder drei Jahren hoffnungslos überholt ist. Denn natürlich hat Apple nicht vorgesehen, die Innereien austauschbar zu machen – das wäre auf die Integrität der Uhr gegangen, die ja wasserdicht sein sollte. Stattdessen gibt es nun jedes Jahr eine neue Serie, nur bis zur zweiten hat es 18 Monate gedauert.

Apple Watch: Aluminium, Edelstahl, Gold
Vergrößern Apple Watch: Aluminium, Edelstahl, Gold
© Apple

Apple war wohl nicht von Anfang an klar, wohin man mit der Uhr wollte und wie weit man überhaupt gehen konnte. "Das persönlichste Gerät, das wir je gemacht haben" – klar. Aber ein iPhone am Handgelenk? Nein. Die ersten beiden Serien konnten nur in Koexistenz mit dem iPhone (ab Modell 5) leben, waren teilweise nur ein Anzeigegerät für Erweiterungen von auf dem Telefon ausgeführten Apps. Dieses stellt auch die Netzwerkverbindungen her – und erledigt das immer noch, sofern man keine LTE-Version gekauft und mit einer eSIM bestückt hat.

Aber war die Uhr ein Mode-Accessoire? Das goldene Sondermodell lässt vermuten, dass Apple das so gedacht hatte. Zudem kam im Jahr 2014 vom Modekonzern gekommene neue Retail-Chefin Angela Ahrendts, die sich um den Umbau der Apple Stores in schicke Treffpunkte kümmerte, in denen man auch unter dutzenden von Uhren- und Armbandkonfigurationen sein ideales Accessoire finden sollte.

Die Apple Watch hat sich aber in den Jahren nach ihrer Vorstellung immer mehr zu einem Gesundheitsgerät entwickelt. Von Anfang an zählte die Uhr bereits Schritte, protokollierte Trainings und füllte einen blauen Kreis in der Aktivitätenanwendung jede Stunde ein Stück mehr, in der man sich bewegte oder wenigstens mal vom Schreibtisch aufstand. Der Pulssensor indes hat ein geniales Konzept: Dauerhafte Messung mittels grüner Dioden während des Trainings, um genaue Leistungsdaten zu ermitteln, aber auch dazwischen messen Infrarotsensoren den Herzschlag. Und stellen fest, ob und wann das Herz außer Takt gerät. Warnungen kann man sich ausgeben lassen, wenn der Puls einen definierten Höchstwert in Ruhe überschreitet oder unter ein Minimum fällt. Das hat überraschend vielen Leuten das Leben gerettet, bei Apple staunten sie über die Vielzahl an Dankesbriefen, die ab 2015 zu diesem Thema eingingen. 

So forschte Apple mit Partnern aus der Wissenschaft weiter an diesem Thema: Seit der Series 4 kann die Apple Watch ein Einkanal-EKG erstellen, das erstaunlich präzise ist. Mehr noch: Selbst Vorhofflimmern identifiziert die Uhr mittlerweile anhand der Pulsdaten. Noch mehr Dankesbriefe waren die Folge.

Auch bei Unfällen erwies sich die Uhr als hilfreich: Eingeklemmt im zerdellten Auto kann man mit einem Fingertipp den Notruf aktivieren, seit der Series 4 geschieht das auch von allein bei Stürzen – hier ist es aber auch schon zu vielen Fehlalarmen auf Skipisten und in Schwimmbädern gekommen.

Dennoch: Die Apple Watch ist weit mehr ein Gesundheitsgerät als ein Modeaccessoire und so wird Apple sein bisher persönlichstes Gerät auch weiter behandeln. Auch wenn es nicht so leicht ist, weitere Sensoren zu integrieren .

Was 2015 rund um Cupertino sonst noch geschah:

  • Flach und flacher: Im Jahr 1999 brachte Apple mit dem iBook den "iMac für unterwegs" heraus, seither hat das Einsteigergerät einige Veränderungen durchgemacht, nicht nur bei der Nomenklatur. Mit dem Umstieg auf die Intel-Plattform wurde es zum Macbook, das Plastikgehäuse, das vorher von bunt zu weiß gewechselt war, gab es dann auch in Schwarz. Ende 2008 kam das Macbook im Aluminium-Unibody-Design und unterschied sich kaum vom Macbook Pro, lediglich durch die fehlende Firewire-Buchse. Die war dann aber ebenso bald Geschichte wie das Macbook, das auch unter Druck des Macbook Air stand. Im März 2015 brachte Apple aber nicht nur eine Aktualisierung für seinen mittlerweile günstigsten Mobilrechner (der dreieinhalb Jahre unverändert bleiben sollte), sondern auch ein neues Macbook. Das war zwar der leichteste und flachste aller portablen Macs, aber nicht der günstigste: Das Zwölfzoll-Retina-Display, das lüfterlose Design, die in Schichten im Gehäuse verteilte Batterie schraubten den Einstiegspreis auf über 1200 Euro. Zwei Nachfolger bekam das Macbook noch in den Jahren 2016 und 2017, beide flach und elegant wie das Original, nur immer noch ein Stück leistungsfähiger und weiterhin teurer als das Macbook Air. Eine weitere Besonderheit des Macbook sollte nicht lange Alleinstellungsmerkmal bleiben: Die flache Tastatur mit einem Schmetterlingsmechanismus. Nachteil: Das laute Geklapper der Tasten und deren mangelnde Zuverlässigkeit – vor allem Käufer des Macbook Pro, das ab 2016 mit Butterfly-Keyboard ausgestattet war, klagten über Probleme. Im Herbst 2018 stellte Apple das Macbook ein und setzt seither wieder auf das Macbook Air, das seither nun auch endlich ein Retina-Display zeigt – und im Sommer 2019 schon die erste Aktualisierung bekam.

  • Musik im Abo: Den Erfolg von Spotify und den neuen Trend zur gestreamten Musik kann sich Apple nicht mehr länger entziehen. Seit der Apple Music Store im Jahr 2003 an den Start gegangen war, hatte sich Apple gegen Abo-Modelle gewehrt, aber die Zeiten haben sich geändert. Apple Music basiert auf dem Dienst Beats Music, den Apple zusammen mit dem Anbieter und Hersteller von Kopfhörern für gut drei Milliarden US-Dollar im August 2014 übernommen hatte. Ende Juni 2015 geht Apple Music praktisch weltweit "On Air", das rund um die Uhr aus Sydney, London und New York sendende Webradio Beats One ist wichtiger Teil des Angebots. Spotify ist zwar immer noch mit Abstand Marktführer bei Streamingmusik, Apple aber längst die Nummer zwei – und das auch mit Abstand.

  • Apropos Musik: Waren die Nullerjahre noch die Ära des iPods, hat der Musikplayer in den Zehnern an Bedeutung verloren, aufgefressen von iPhone und iPad. Immerhin gab es 2015 noch eine sechste Generation des iPod Touch und sogar im Jahr 2019 noch eine weitere Iteration - mittlerweile aber ein Nischenprodukt. iPod Classic, iPod Shuffle und iPod Nano hat Apple nach und nach eingestellt.

  • Auf das iPad Mini 3 folgt im Oktober das iPad Mini 4, das noch bis Frühjahr 2019 das aktuelle Modell des kleinen iPads bleiben sollte. Auf das iPad Air 2 folgt aber keineswegs das iPad Air 3, ja nicht einmal das iPad Pro. Denn dieses kommt zunächst in einer Fassung mit 12,9 Zoll Bildschirmdiagonale und erweitert das Spektrum also nach oben. Wer meint, angesichts des vorgestellten Zubehörs, Steve Jobs in seinem Grab in Cuerptino rotieren zu hören, der irrt: Denn der Apple Pencil ergänzt das iPad (Pro) in sinnvoller Weise als intelligenter Zeichenstift – für die Bedienung des iPad sind weiterhin vor allem die Finger verantwortlich. Wer braucht also einen Stylus? Leute, die damit möglichst präzise auf dem iPad zeichnen wollen. Ende 2019 unterstützt daher jedes iPad-Modell eine der mittlerweile zwei Apple-Pencil-Generationen, das iPhone braucht nach wie vor keinen Pencil.

  • Jetzt auch der Kleine: Ein gutes Jahr nach dem 27-Zoll-iMac bekommt auch der iMac mit 21,5-Zoll-Bildschirm ein Retina-Display: Neben dem iMac 4K bleibt das herkömmliche Modell aber noch eine Weile im Handel.

  • Jetzt auch auf dem Fernseher: Mit dem Apple TV 4 bekommt auch Apples Settopbox ein eigenes Betriebssytem mit Apps und App Store: tvOS. Nun bestimmt nicht mehr allein Apple, welche Kanäle und Anwendungen auf dem an den Fernseher angeschlossenen Gerät laufen. "Die Zukunft des Fernsehens sind Apps" erteilt Apple auch allen Spekulationen über ein eigenes TV-Bundle ein Absage. Wer aber will, kann sich neben Mediatheken und Spielen auch diverse Anwendungen von Streamingangeboten oder TV-Bundles auf das Apple TV installieren.

2016: Wo ist die Klinkenbuchse hin gekommen?

Auf das iPhone folgt ein S der gleichen Generation, dann eine neue Generation. Mit neuem Gehäuse und neuem Formfaktor. Überraschung im September 2016: Das iPhone 7 wird nicht noch größer als das iPhone 6 (S). Aber das Gehäuse ändert sich in einem wesentlichen Punkt: Es fehlt die Kopfhörerbuchse. Das hat einen Grund, einen sehr guten sogar: Nur so kann Apple gewährleisten, dass das iPhone wasserdicht wird. Zumindest in Maßen. Zum Schwimmen und Tauchen nimmt es besser nach wie vor mit, aber wenn es mal ins Wasser fällt, geht es nicht gleich kaputt.

iPhone 7 Plus - mit Dualkamera
Vergrößern iPhone 7 Plus - mit Dualkamera
© Apple

In den Jahren vor dem iPhone 7 war dann guter Rat teuer. Das mit der Schüssel voller ungekochtem Reis, der angeblich die Feuchtigkeit anzieht und somit aus dem iPhone entnimmt, hat mal geklappt, mal nicht . Problem war ja: Sobald die Korrosion eingesetzt hatte, war das iPhone verloren. Somit waren auch kommerzielle Trocknungsprodukte ihr Geld eher nicht wert. Ärgerlich auch die "Tests" mancher Boulevardmagazine, die iPhone und Co in Biergläsern versenkten und Apple daran die Schuld gaben, wenn das teure Handy nicht mehr funktionierte. Die Geräte der Konkurrenz waren aber lange Zeit nicht besser.

Das hatte sich 2017 geändert und Apple musste aufholen. Das geschah erneut mit der Radikalität, die man aus Cupertino kennt. Denn um Wasser am Eindringen zu hindert, was macht man da? Das Gehäuse dicht! Und wie erreicht man das? Indem man keine Löcher mehr reinbohrt, die Flüssigkeit rein lassen. Also: Weg mit der Klinkenbuchse, die Technik stammt eh' noch aus dem späten 19. Jahrhundert. Genau, den 1890er-Jahren. Und auch: Weg mit dem beweglichen Home-Button, der Spalt zwischen Knopf und Glas ist ein weiteres beliebtes Einfallstor für Wasser und andere Liquide.

Die zweite Maßnahme war den Apple-Fans schnell zu erklären und zu vermitteln, denn dank Haptic Engine fühlt sich der starre Home Button auf dem iPhone 7 genau so an wie zuvor der bewegliche – solange das iPhone eingeschaltet ist. Die zweite Maßnahme zog jedoch zunächst gewaltiges Gejammer nach sich: Wie soll man jetzt die Kopfhörer einstecken?

Dafür lieferte Apple die Lösung aber gleich mit, in zweifacher Ausfertigung: EarPods mit Lightning- statt Klinkenstecker und einen Adapter für eben jenen Port, auf den das iPhone bis heute nicht verzichten kann. Dicht genug für eine halbe Stunde in einem Meter Wassertiefe oder auch länger und tiefer bekommt man den Lightninganschluss dann doch, es müssen dort ja nur Kontakte aufsetzen. Es handelt sich eher um eine Ausbuchtung als um ein Loch. Fällt das iPhone 7 ins Wasser, darf man es aber für die nächsten fünf Stunden nicht mehr an die Steckdose hängen, das könnte fatal werden.

Die Kritiker der mitgelieferten Lösung haben ja ihre Punkte: Der Adapter ist ein Teil mehr, das man rumschleppen muss und das man verlieren könnte, und die EarPods mit Lightning sind zwar schön und gut, aber die teuren InEars und OverEars, die man sich in den letzten Jahren angelegt hat, kann man jetzt nicht mehr verwenden. Die Zeit hat Apple aber geholfen: Zwar hat sich das Lightningkabel für den Kopfhörer nicht so recht durchgesetzt, obwohl es doch die Möglichkeit bietet, bessere D/A-Wandler zu verbauen, als diejenigen, die einst hinter der Klinkenbuchse steckten. Aber kaum noch ein Kopfhörer setzt heute ausschließlich auf Kabel. Eigentlich kommen solche nur noch als optionales Zubehör für Bluetooth-Kopfhörer.

Airpods
Vergrößern Airpods
© Apple

Den Buetooth-Boom schließlich hat nicht zuletzt Apple gefördert, mit Ohrhörern, die zeitgleich mit dem iPhone 7 Premiere hatten: Den Airpods. Natürlich hat die halbe Digitalwelt Apple erst einmal verspottet, die Dinger würden wie Zahnbürstenköpfe aussehen und ständig aus den Ohren fallen – wenige Wochen später war der Spott verstummt, als die Airpods praktisch überall ausverkauft waren und Apple einfach nicht genügend der Ohrhörer produzieren konnte, um die enorme Nachfrage zu befriedigen. Kein anderer Bluetooth-Kopfhörer lässt sich so schnell mit dem iPhone koppeln und den anderen Geräten, die an der gleichen Apple ID hängen. Kein anderer reagiert so smart auf den Ruf nach Siri, die zweite Generation vom Frühjahr 2019 reagiert schon auf Zuruf. Und kein anderer Kopfhörer hat ein so hohes Wiedererkennungspotential – es ist fast so wie bei den weißen Kopfhörern des iPods.

Apple hat es 2016 aber nicht nur auf die Ohren abgesehen, sondern auch auf die Augen: Das iPhone 7 Plus bekam dann endlich auch noch eine zweite Kamera, mit der ein zweifacher optischer Zoom möglich wurde. Hier reagiert Apple erneut auf die Konkurrenz, macht es in vielen Aspekten aber besser: Der Portraitmodus kann dank der doppelten Optik und ihrer Parallaxe weit besser zwischen Vorder- und Hintergrund unterscheiden, als das der Software allein mit einem Objektiv möglich wäre. Was aber nicht heißt, dass sich Apple nicht auch solcher Technik bedient.

Eine Sache für das Auge ist auch das Produkt, das im Oktober 2016 herauskam: Das neue Macbook Pro. Nun auch optional im eleganten Space Gray erhältlich setzt es einige neue Maßstäbe, von denen Apple drei Jahre später wieder zwei Teilaspekte als Irrtum einkassiert. Zum einen wird das Macbook Pro nicht nur noch leistungsfähiger, sondern auch noch ein Stück flacher. Möglich macht das unter anderem die mit dem Macbook schon 2015 eingeführte Butterfly-Tastatur, die aber eben gerade bei Vielschreibern ihre Schwächen offenbart. Die neue Touchbar – zunächt nur bei den teureren 13- und 15-Zoll-Modellen eingeführt, bringt ein neues Bedinekonzept mit, das weder Menüs noch Maus noch Trackpad ersetzt, aber ergänzt. Am Rande der Touchbar ist auch noch ein Fingerabdrucksensor eingebaut, der im Alltag vieles erleichtert – vor allem dann, wenn man ein sicheres, aber komplizierters Passwort gewählt hat. Vor allem Entwicklern fehlt aber eine Escape-Taste, diese ist nur mehr virtuell in der Touchbar verbaut, welche die Funktionstasten verdrängt hat. Ende 2019 bringt Apple dann ein neues Macbook Pro, mit einer Tastatur, deren Hub wieder größer wurde und einer festen Escape-Taste. Der Rest der Touchbar bleibt, sie ist ja manchmal ganz nützlich. Vor allem, wenn man nach dem richtigen Emoji sucht oder dem richtigen Softwareinstrument, spielt man in Garageband oder Logic Pro Schlagzeug auf der Tastatur.

Macbook Pro
Vergrößern Macbook Pro
© Apple

Beim Macbook Pro von 2016ff zeigt sich Apple wieder radikal bei den Schnittstellen: Zwei- oder viermal USB-C/Thunderbolt 3, Kopfhörerbuchse (ach!) und die drahtlosen Schnittstellen, sonst nichts. Zubehörhersteller freuen sich, seither wieder mehr Adapter verkaufen zu dürfen, während Apple so etwas wie SD-Card-Reader mittlerweile für überflüssig hält. Im Weglassen von Schnittstellen war Apple schon immer konsequent. Aber auch der Apfel auf der Rückseite der Macbooks leuchtet nicht mehr. Die Marke als solche strahlt dafür umso heller.

Was 2016 rund um Cupertino sonst noch geschah:

  • Das nächste große Ding: Apple arbeitet mit Eifer an einem autonomen Fahrzeug, bis zum Apple Car kann es ja nur noch wenige Jahre dauern – so der allgemeine Tenor in den Zehnern bis etwa 2016. Ohne Zweifel gibt es bei Apple zu jener Zeit ein "Projekt Titan" und womöglich hatte dieses sogar das iCar als Ziel – im Jahr 2016 strukturiert Apple aber die Abteilung deutlich um. Genaues dringt nicht durch die Wände des Schweigens von Cupertino, doch kann man davon ausgehen, dass Apple an Technologien, Sensoren und Software für Verkehrslösungen arbeitet, aber eher nicht (mehr) an einem kompletten Auto. Das bleibt ein Hirngespinst wie einst der Apple-Fernseher. Aber davon sind ja auch Software und Services geblieben, das könnte beim Project Titan schlussendlich auch noch herauskommen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Rückblick auf die zwanziger Jahre am 31.12.2029

  • Angelegt: Im Dezember 2015 hat ein Attentäter in San Bernardino ein Dutzend Leute auf einer Weihnachtsfeier erschossen, anschließend starben er und seine Komplizin im Feuergefecht mit der Polizei. Verständlich, dass das FBI ganz gerne gewusst hätte, ob der Mörder Hinterleute hatte und ob es sich eher um einen geplanten Terroranschlag als um einen Massenmord gehandelt hat, der in den USA dank laxer Waffengesetze öfter passiert. Der Attentäter hatte in iPhone 5C und die Polizei hätte mit etwas Geschick dessen Daten aus einem rasch erstellten Backup beziehen können – auf richterliche Anordnung. Das war dann aber nicht mehr möglich und so forderte das FBI von Apple nichts weniger, als eine Hintertür in iOS zu programmieren, durch die man dieses Telefon und das anderer Verdächtiger überprüfen könne. Apple bot der Strafverfolgungsbehörde die Stirn und auch einem immer wütender tobenden künftigen POTUS 45: Das iPhone bleibt so sicher, wie es ist. Durch Hintertüren könnten schließlich nicht nur die Behörden demokratischer Staaten gehen, sondern auch Verbrecher aller Art. Das FBI ließ schließlich für einen Millionenbetrag das israelische Unternehmen Cellebrite das iPhone 5C entsperren und fand darauf: Nichts.

  • Klein, aber gut: Was Apple beim iPhone 5C falsch gemacht hat – in Sachen Technik und nicht in Sachen FBI – macht das Unternehmen beim iPhone SE (Special Edition) richtig: Statt das Beste von gestern in ein minderwertiges Gehäuse zu stecken, nahm Apple einfach das hochwertige Gehäuse von gestern – das von iPhone 5 und 5S – und steckte das Beste von heute – also vom Frühjahr 2016 – in das Vierzoll-iPhone, Komponenten, die sonst in iPhone 6 und 6S verbaut waren. Das iPhone SE hatte viele begeisterte Nutzer, nicht nur wegen des Preises, sondern auch wegen seiner Größe. Verständlich, dass nach dem Aus des SE viele von einem Nachfolger träumen, 2020 könnte tatsächlich einer kommen.

  • Aus Mac-OS X war 2011 mit Lion OS X geworden, mit der Version 10.12 Sierra heißt das Betriebssystem schlicht macOS, um in die Nomenklatur von iOS, watchOS und tvOS besser zu passen.

2017: X oder nix – oder: Der Home-Button kann auch noch weg

Jedes Jahr im September stellen dutzende von Millionen Smartphonebesitzern von heute auf morgen fest, dass die teure Elektronik in ihren Taschen plötzlich zum Altmetall und -glas geworden ist. Eben noch State-of-the-Art wird das iPhone durch eines abgelöst, das selbstverständlich das Beste ist, was Apple jemals gemacht hat. iPhone 8 und iPhone 8 Plus hingegen veralteten schon, bevor sie es in irgendeine Tasche außerhalb Cupertinos geschafft haben: Kaum vorgestellt, wurden die neuen Modelle von 12. September 2017  durch das noch neuere iPhone X in den Schatten gestellt. Immerhin hatten 8 und 8 Plus noch ein paar Wochen Zeit, auf dem Markt das beste und neueste Telefon zu sein, das Apple je gemacht hatte, die Jubiläumsausgabe kam erst Anfang November in die Läden.

State of the Art - für wenige Minuten: iPhone 8 und 8 Plus
Vergrößern State of the Art - für wenige Minuten: iPhone 8 und 8 Plus
© Apple

Wir übertrieben hier natürlich ein wenig, denn wenn auch Apple in jedem Jahr das iPhone noch ein Stück besser macht, ist das jeweilige Vorjahresmodell und das aus dem Jahr davor nicht gleich obsolet – sondern immer noch ein sehr gutes Gerät, das man nach einem Jahr oder zweien nicht schon ins Recycling geben muss. Und iPhone 8 / 8 Plus und X können sehr wohl auch nebeneinander existieren. In Sachen Prozessorleistung schenken sie sich auch nichts, da sie alle mit Apples A 11 Bionic ausgestattet sind, einem Vierkern-Prozessor mit einer Neural Engine, die mit weiteren Kernen vernetzte Berechnungen ausführt – vor allem für die Komposition von mehreren Einzelaufnahmen zu einem gestochen scharfen und kontrastreichen Fotos sehr hilfreich.

Was den Modellen von 2017 ebenso gemeinsam ist: Endlich kann man sie auch drahtlos aufladen, wie schon die Apple Watch über den Standard Qi. Apple hatte ja gedacht, mit einer AirPower genannten Ladematte gleichzeitig iPhone. Airpods-Ladeschachtel und Apple Watch mit neuer Energie versorgen zu können, doch das im September 2017 vorgestellte Produkt sollte scheitern und nie marktreif werden.

Das Jubiläumsturnier
Vergrößern Das Jubiläumsturnier
© Apple

Um den Akku per Induktion aufladen zu können, musste Apple wieder zurück zum Glasrücken gehen, das schon iPhone 4 und 4S hatten. Das ging zunächst zu Lasten der Farbe, das Gold, Schwarz und Silber von iPhone 8 (Plus) und iPhone X waren blass gegenüber den Tönen, die Apple bisher in Aluminium eloxierte – dem X fehlte sogar noch der Goldton.

Mit der Jubiläumsausgabe des iPhone läutete Apple zehn Jahre nach dem ersten Modell eine neue Ära ein, folgte dabei aber erneut einen Trend, den schon andere zuvor erkannt hatten: Die Vorderseite des iPhone wurde fast komplett zum Bildschirm. Kein störender Rahmen mehr, weg mit dem Home-Button, den man ohnehin längst virtualisieren konnte. Doch im iPhone X wählte Apple eine andere Lösung: Die Funktionen des Knopfes übernahmen andere Elemente, physisch und virtuell. Vor allem verschwindet die Touch ID, Apple setzt nun auf Gesichtserkennung: Face ID.

Das hat allerdings zur Folge, dass die Vorderseite eben nicht völlig Bildschirm sein kann: Die 3D-Gesichtserkennung, mit der Apple wieder eine Dimension und etliche Jahre der Konkurrenz voraus ist, kann nicht durch das Display schauen, eine Kerbe oder Notch macht den Weg frei. Deren Form führt zu beißendem Spott, einer der Satiriker lässt in seinem Beitrag sogar Steve Jobs auferstehen und nach dem "richtigen" iPhone X fragen, denn das Teil mit der Notch sei ja nur ein guter Witz. Das eine Ende vom Lied: Die Konkurrenz kopiert das Konzept so eifrig wie zuletzt auch die ebenso verspotteten Airpods. Das andere Ende vom Lied könnte ab 2020 gesungen werden: Denn natürlich ist die Notch nur ein Zwischenschritt, eine technische Notwendigkeit, die von einer anderen Lösung abgelöst werden könnte, einer, die im Rahmen weniger Platz benötigt oder gar keinen Rahmen mehr.

Angeblich hatte Apple ja auch mit einem Fingerabdrucksensor hinter dem Bildschirm experimentiert, die Face ID wäre dann gar nicht nötig gewesen – und womöglich liefert das iPhone SE 2 ab März genau das . Aber Apple erklärt auch, dass die Gesichtserkennung die biometrisch weit sicherere Variante ist. Dennoch meinen einige Spezialisten, die Face ID geknackt zu haben. Mehr als Einzelfälle, bei denen Mütter und Kinder verwechselt wurden und immense Anstrengungen mit in 3D replizierten Gesichtern wurden aber nicht bekannt. Ein iPhone dem schlafenden Besitzer vor das Gesicht zu halten oder einem im Feuergefecht mit der Polizei getötetem Verdächtigen, hilft übrigens nicht beim Entsperren, die Face ID verlangt Aufmerksamkeit.

Der Spaß hat aber seinen Preis: In Deutschland kostet das iPhone X ab 1.049 Euro, nun in den USA hat Apple gerade noch so unter der Tausendermarke bleiben können. Gewiss: Komponenten wie der OLED-Bildschirm, auf den das iPhone X setzt, sind noch teuer, die Kamerasysteme auch nicht für einen Apple und ein Ei zu haben. Mehr noch muss aber Cupertino darauf achten, den Durchschnittspreis für das iPhone zu steigern, denn die Verkaufszahlen beginnen nun zu sinken: Die Märkte sind weitgehend gesättigt.

Was 2017 rund um Cupertino sonst noch geschah:

  • Ein paar Tage früher hätte man das alles für einen Scherz gehalten, aber Anfang April hatte Apple völlig ernsthaft ausgewählte Journalisten nach Cupertino geladen, um über den Profi-Markt zu sprechen. Der Mac Pro, der zwar noch ein Prozessor-Update bekam, habe sich als eine Sackgasse erwiesen, weil er nur für wenige Profis funktionierte und für viele nicht. Man werde daher wieder einen modularen Mac Pro entwickeln und darüber hinaus eine Profikonfiguration des iMac. Dieser iMac Pro kommt dann tatsächlich auch noch in den letzten Tagen des Jahres in den USA in den Handel und setzt die Messlatte für künftige Workstations hoch, in Sachen Ausstattung und Preis. Radeon-Vega-Grafik, nur noch SSD, schnellster Arbeitsspeicher, Xeon-Prozessoren und ein brillantes Display – zu Preisen jenseits der 5000 Euro.

  • Auf das Apple TV 4 folgt das Apple TV 4K. Wie der Name schon sagt, kann die erneuerte Settopbox nun Videos in 4K ausgeben, Apple stellt auch immer mehr Filme mit UltraHD-Auflösung in den Store. Die Preise für entsprechende Fernsehapparate sind im Sinkflug.

  • Eine Hacker-Gruppe, die sich Turkish Crime Family (TCF) nennt, erpresst Apple und droht damit, hunderte Millionen von Apple IDs zu löschen, auch solche, die per 2FA gesichert sind. Ohne Zweifel ist die Gruppe in den Besitz von sehr vielen Konten samt zugehöriger Passworte gekommen, die aus diversen Einbrüchen bei anderen Anbietern wie etwa Adobe stammen. Doch meist sind die Passworte längst veraltet. Apple reagiert nicht auf die Erpressung. TCF behauptet zwar, eine Lösegeld in Bitcoins bekommen zu haben und bläst daher den für Anfang April geplanten Angriff ab, doch war vermutliche die komplette Angelegenheit ein Hoax.

  • Auf macOS 10.12 Sierra folgt macOS 10.13 High Sierra. Wesentliche Neuerung ist das für SSDs optimierte Dateisystem APFS, das nach fast zwanzig Jahren HFS+ ablöst. Fusion-Drive-Macs müssen darauf aber noch bis macOS Mojave warten.

2018: Einmal Billion und zurück – und wieder drüber

Das Rennen war lange Zeit offen: Welches Unternehmen würde als erstes einen Börsenwert von einer Billionen US-Dollar erreichen und somit im englischen die erste "Trillion-Dollar-Company" sein? Lange schon in Führung, als in diesem Sinne wertvollstes Unternehmen der Welt: Apple. Auf den Plätzen zwei Newcomer aus den Zeiten um die Jahrtausendwende: Amazon und Google, mit stark aufholender Tendenz. Und der vierte im Bunde ein alter Bekannter: Microsoft.

Knapp war es dann Apple, das im August 2018 den Schwellenwert als erstes erreichte und übertraf . Seit sieben Jahren war Apple schon – mit kurzen Unterbrechungen – an der Spitze gestanden. Kurz danach begann aber etwas, das viele als den erwarteten Abstieg ansahen, sich letztlich aber nur als eine kleine Delle erwies.

Denn nachdem die Apple-Aktie Anfang Oktober ein neues Allzeithoch erreichte, fiel sie bis zum Jahresende kräftig – auf ein Niveau, das zuletzt Anfang 2018 bestand. Es ist also nicht viel passiert. Nur zwischenzeitlich zog wieder Microsoft vorbei, das in den Neunzigern der uneingeschränkte Börsenstar war, anfangs der Zehner an Bedeutung verloren hatte, weil der damalige CEO Steve Ballmer das iPhone und die damit verbundenen Umbrüche kolossal unterschätzte. Unter Satya Nadella begann Microsoft sich Mitte der Zehner teilweise neu zu erfinden und verpasste das Rennen um die erste Trillion-Dollar-Company nur knapp. Mittlerweile ist Apple wieder an Microsoft vorbeigezogen, mit einem Börsenwert von etwa 1,2 Billionen US-Dollar. Aber seit Dezember 2019 reicht das nicht mehr für den Spitzenplatz als wertvollstes Unternehmen, der saudi-arabische Ölkonzern Aramco pulverisierte gleich mit seinem Börsengang den Rekord: 1,88 Billionen US-Dollar ist der Konzern wert.

iPnone XS und XS Max
Vergrößern iPnone XS und XS Max
© Apple

Apples Zwischentief hat viel mit den iPhones von 2018 zu tun. Das iPhone XS ist zwar ein besseres iPhone X geworden, mit schnellerer Face ID, verbesserter Kamera und vor allem noch stärkerem Prozessor und einem iPhone XS Max genannten großen Bruder. Besonders gut kamen die neuen aber nicht am Markt an, vielleicht auch weil der Maximalpreis sich allmählich der 2.000er-Marke nähert. Vielleicht aber auch, weil die Leute noch nicht so bereit für die Zukunft sind, wie sie Apple dem iPhone bereitet hat. Anstatt einen Nachfolger für das iPhone 8 herauszubringen, zeigt Apple mit dem iPhone XR, dass Face ID nicht mehr verschwinden wird. Das XR hat den gleichen Prozessor wie die XS, macht aber bei den Kameras Abstriche (nur eine auf der Rückseite) und beim Bildschirm: LCD (Liquid Retina) statt OLED. Der Preis ist mit 849 Euro aufwärts aber immer noch sportlich und Apple muss das tun, was es eigentlich immer vermeiden wollte: Den Preis senken, wenn auch nur indirekt.

Dies geschieht mit attraktiven Angeboten zur Inzahlungnahme, die Apple natürlich auch als Hilfe für die Umwelt verkauft: Denn ein iPhone, das von Apple fachgerecht wieder in seine Einzelteile zerlegt wird, landet nicht auf dem Müll – und aus den rückgewonnenen Materialien kann man neue iPhones bauen. Die Börse lässt sich davon wenig überzeugen und sieht die iPhone-Erfolgsgeschichte an ihrem Ende ankommen. Das nächste große Ding ist nirgends zu sehen. Autonomes Auto? AR/VR-Brille? Was ganz was anderes? Apple mag viel für Forschung und Entwicklung ausgehen und an vielen Projekten arbeiten, ein Kassenschlager steht aber nicht so schnell an. Apple muss aus sich selbst heraus wachsen, so scheint es. Doch schon seit etlichen Quartalen werden CEO Tim Cook und Apples Finanzchef Luca Maestri nicht müde, auf die wachsenden Umsätze in der Services-Sparte zu verweisen. Und da gibt es natürlich auch noch "Sonstiges", was Apple korrekter Weise in "Home, Wearables and Accessories" umbenennt.

Vor allem die Wearables haben es in sich. Apple nennt zwar keine Verkaufszahlen, versichert aber glaubwürdig, der größte Uhrenhersteller der Welt zu sein. Unter allen Uhrenherstellern und nicht nur auf Smartwatches bezogen. Analysten rechnen, dass Apple pro Jahr einige dutzend Millionen Apple Watches verkauft, das steht nicht im Widerspruch zu den Bilanzen des Geschäftsbereiches. Im Jahr 2018 bekommt die Apple Watch ihr erstes größeres Update: Der Bildschirm der Uhr wird größer, ohne dass das Gehäuse nennenswert wachsen muss. Und die Uhr kann auch EKGs erstellen, das aber erst nach einem Update Anfang 2019, weil die Freigabe durch die Behörden für das neue Medizingerät eine Weile dauert.

Ebenso mit etwas Verspätung kommt das neue Gerät für das smarte Home, in den USA schon Ende 2017, in UK Anfang 2018 und in Deutschland zum Osterfest 2018: Der Homepod. Apple hat früher zwar schon mal recht erfolglos Lautsprecher gebaut, das Thema aber nie fallenlassen. Schließlich benötigen ja auch Mac, iPhone und iPad eine Tonausgabe ohne Kopfhörer, der Homepod soll nun mit den hochwertigen Lautsprechern von Drittherstellern konkurrieren, auf die Apples Kunden ihre Musik bisher per Bluetooth oder Airplay streamten. Vor allem will der Homepod aber auch eine Lücke schließen, denn Smartspeaker à la Echo oder Google Home werden immer populärer und drohen auch Service-Kunden abspenstig zu machen. Siri statt Alexa oder Google Assistant, Apple verspricht auch, Daten vertraulich zu behandeln und den Homepod nicht als Wanze zu nutzen, so wie es angeblich die Konkurrenz macht.

Das Konzept geht so halbwegs auf. Der Homepod liefert zwar einen erstklassigen, wenn auch etwas basslastigen Sound, den der Lautsprecher an seine Umgebung anpasst. Selbst den EQ justieren geht aber nicht. Das führt zu Kritik, ebenso soll auch Siri hinter den Erwartungen hinterher hinken. Doch wirklich schlauer sind auch die Assistenten von Amazon und Google nicht.

Was 2018 rund um Cupertino sonst noch geschah:

  • Das iPad Pro verabschiedet sich wie im Jahr zuvor das iPhone X von der Touch ID, da es den Rahmen verringert. Für die Face ID ist jedoch keine störende Notch notwendig. Das in 12,9 und 11 Zoll erhältliche iPad Pro setzt auch auf einen verbesserten Apple Pencil, der sich nun magnetisch an das Gehäuse anheften lässt und per Induktion seine Energie bezieht. Noch etwas ist neu und könnte den Weg in die Zukunft des iPhones weisen: Die Schnittstelle ist nun USB-C und nicht mehr Lightning.

  • Auf der gleichen Veranstaltung, auf der Apple in Brooklyn das iPad Pro zeigt, kehren auch zwei alte Bekannte in neuen Kleidern zurück: Macbook Air und Mac Mini. Das Macbook Air hatte Apple drei Jahre lang nicht mehr aktualisiert, den Mac Mini gar vier Jahre lang nicht. Zwischendrin hielt man die beiden für Auslaufmodelle, aber weit gefehlt. Das Macbook Air bekommt nun endlich ein Retina-Display und macht das Macbook 12 Zoll überflüssig, dazu verwendet es nun auch USB-C-Buchsen: Adé, Magsafe. Der Mac Mini hingegen sieht harmlos aus und in seiner Einsteigerkonfiguration mit etwas über 800 Euro auch recht günstig, lässt sich aber zu einem wahren Rechenmonster hoch konfigurieren, mit entsprechendem Preis. Nur bei der Grafik sind aufgrund der kompakten Bauweise enge Grenzen gesetzt, dank Thunderbolt könnten aber externe GPUs das Problem lösen.

  • Das Macbook Pro spricht in seiner dritten Iteration seit 2016 endlich auch bis zu 64 GB RAM an, die Tastatur will Apple weiter verbessert haben. Das reicht aber nicht, Ende 2019 kommt ein neues Macbook Pro

  • Keep it dark: Apple beendet bei der Betriebssystemnomenklatur seine Bergtour und schickt macOS in die Wüste: Mojave. Neu ist unter anderem ein systemweiter Dunkelmodus.

2019: Die Zukunft Apples: Services

Unter dem Motto "It's showtime" hatte Apple schon einmal die Presse eingeladen. Seinerzeit ging es mal wieder um neue iPods für ein weiteres Rekordweihnachtsgeschäft. Der iPod ist – bis auf die im Sommer 2019 nochmals aktualisierte Variante iPod Touch – Geschichte und selbst dem Nachfolger als Top-Umsatzbringer, dem iPhone, geht es allmählich nass hinein. Also weitet Apple seine Services aus, die auch vor 2019 teilweise schon um zwanzig Prozent im Umsatz gestiegen sind – und nach 2019 sollten sie weiter steigende Umsätze bringen, das auch noch unabhängig von den Jahreszeiten.

Der Cast der Mornung Show. Zumindest ein wesentlicher Teil.
Vergrößern Der Cast der Mornung Show. Zumindest ein wesentlicher Teil.
© Apple

Unter Service versteht Apple an sich alles, was über den Verkauf von Hardware und dem Bereitstellen von Software hinausgeht. Zusätzlicher Speicher in der iCloud, Verkäufe von Apps im App Store, Musik im Streaming-Abo oder als Kaufdownload, ebenso digitale Bücher und Filme in Verkauf und Verleih. An sich schon kurz nach dem Start von Apple Music hatte es Spekualtionen gegeben, Apple würde neben Musik auch noch Film und Fernsehen im Abo anbieten. Einzelne Shows wie "Plante of the Apps" oder "Carpool Karaoke" sollten neue Abonnenten locken, waren aber kaum vorstellbar als eigenes TV-Angebot. Zu abgekupfert, zu wenig innovativ.

Also warb Apple von Sony die beiden TV-Produzenten Zack van Amburg und Jamie Ehrlicht ab, die über Jahre hinweg mit etwa sechs Milliarden US-Dollar Invest das konzipierten und entwickelten, was Apple am 26. März vorstellte: Apple TV+. Die Zukunft des Fernsehens sind Apps, nun ja, in Apples Augen die App, die zentral auf Apple TV, iPhone, iPad und später auch dem Mac für Fernsehen zuständig ist und schlicht "TV" heißt. Apple TV+, die Apple-Originale, sind dabei nur ein Zuckerl oder das Sahnehäubchen auf dem Kuchen: Auch andere Anbieter sollen in den Apple TV Channels ihre Angebote einspeisen, die man direkt aus der App heraus abonnieren kann. Apple kassiert dafür natürlich eine Provision, was nicht jedem gefällt. Netflix lehnt dankend ab und lässt das Abo nach wie vor auch nur über die Website abschließen und nicht für sich kostenpflichtig aus der App heraus, Spotify, das eine kurze Zeit mit In-App-Käufen experimentiert hat, macht gar Stunk gegen Apple und wirft Cupertino das Bilden eines Monopols und die Behinderung des freien Wettbewerbs vor.

Bei TV belässt es Apple aber nicht. Seit Jahren schon experimentiert Cupertino mit dem News-Aggregator News, der nach wie vor nicht in Deutschland erhältlich ist. Mit Apple News+, das vorerst auch nur im englischen Sprachraum zur Verfügung steht (Quebec bildet die bisher einzige Ausnahme) geht Apple einen Schritt weiter. Entstanden ist der Service aus der 2018 übernommenen Firma Texture, die ein "Netflix für Zeitschriften" angeboten hatte: Für zehn Dollar im Monat bekommt man nun Zugriff auf die aktuellen Ausgaben von gut 300 Zeitungen und Zeitschriften. Darunter sind Schwergewichte wie das "Wall Street Journal" oder "The New Yorker", es fehlen aber auch ebenso renommierte Blätter wie die "New York Times" oder die "Washington Post", die eigenen Digitalmodelle entwickelt haben und sich mit Krümeln vom Kuchen nicht zufrieden geben können. Der ist auch nur in der Theorie ein besonders großer, in der Praxis bekommt Apple News+ am ersten Wochenende nach diversen Berichten zwar 200.000 Abonnenten für den neuen Dienst, der schon Ende März startete, aber dabei soll es weitgehend geblieben sein.

Deutlich mehr Erfolg dürfte Apple mit seinem Dienst Apple Pay beschieden sein, der 2019 wesentliche Fortschritte erzielt: Denn seit Ende Dezember 2018 ist auch das Bargeldland Deutschland mit dabei, ein Jahr später schließen sich sogar die Sparkassen an und bieten ihren Kunden, Kreditkarten in die Wallet zu legen. Noch eine ganze Weile länger wird man auf die Apple Card warten müssen, die Cupertino zusammen mit der Bank Goldman Sachs seit August in den USA herausgibt.

Und noch ein Dienst ist neu: Apple Arcade. Der Mac hatte ja – nicht völlig zu Unrecht – den Ruf, kein Computer für Gamer zu sein. iPhone, iPad und Apple TV erweisen sich dagegen als hervorragende (mobile) Konsolen - was lag also näher, eine Technik zu entwickeln, mit der man Apps leicht von iOS auf macOS bekommt? Apple hatte dieses Project Catalyst bereits im Jahr 2018 selbst für einige Anwendungen eingesetzt und es mit macOS Catalina und iOS 13 ab Mitte 2019 Entwicklern zur Verfügung gestellt. Dazu der Abo-Gedanke: Zahle 5 Euro im Monat oder 50 Euro im Jahr und habe Zugriff auf über 100 Spiele, die sich nahtlos auf Mac, iPad, iPhone und Apple TV zocken lassen. Ob Apple Arcade ein Erfolg wird, erweist sich in den Zwanzigern, der Start scheint aber vielversprechend zu sein.

Das Beste kommt aber zum Schluss: Ende Dezember bringt Apple endlich den im April 2017 versprochenen und im Juni 2019 auf der WWDC erstmals gezeigten Mac Pro in den Handel, zu Preise ab 6.500 Euro – ohne Monitor. Der kostet nochmal das Gleiche, nimmt man den Standfuß dazu. Auch wenn kaum jemand die volle Konfiguration mit 1,5 TB RAM, 28 Kernen, zwei Dual-Grafikkarten und Beschleunigerkarte Afterburner für 60.000 Euro kaufen wird, ist der Mac Pro eine wahre Höllenmaschine. Und irgendwie eine feine Ironie für das Ende der Zehnerjahre, an deren Anfang Apple die Post-PC-Ära ausgerufen hatte.

Was 2019 rund um Cupertino sonst noch geschah:

  • Drei neue iPhone-Modelle lösen die drei des Vorjahres ab – erstmals kommen aber iPhone 11, iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max auch gleichzeitig in den Handel. Alle bekommen sie eine weitere Kamera, für Ultraweitwinkelaufnahmen, die Pros haben nun also drei und das 11er zwei. Der Verkaufserfolg scheint solide, aber nicht spektakulär zu sein, mehr wird man aus der Bilanz für Apples erstes Quartal 2019/20 lesen können.

  • Die Apple Watch wird von Jahr zu besser, da das SIP immer besser wird. S5 ermöglicht nun, das Display der Apple Watch Series 5 immer anzubehalten.

  • Das iPad Mini kehrt zurück, in seiner fünften Iteration. Dazu gibt es auch ein neues iPad Air. Beide Tablets können mit dem Apple Pencil der ersten Generation etwas anfangen, ebenso das iPad 7, das Apple im Herbst nachlegt

  • Das Macbook Pro bekommt einen größeren Bildschirm (16 Zoll), die Tastatur einen größeren Hub (1 mm) und vor allem mehr Leistung. Das Macbook Pro 13 Zoll ohne Touchbar verschwindet ebenso aus dem Portfolio wie das Macbook 12 Zoll - vermutlich schon in der ersten Jahreshälfte 2020 ist ein Macbook Pro 14 Zoll mit der neuen Technik zu erwarten

  • Zwei Vorstände verlassen das Unternehmen: Die seit 2014 beschäftigte Retail-Chefin Angela Ahrendts wird durch Deirdre O'Brien ersetzt, Design-Chef Jonathan Ive durch interne Umorganisationen. Für Sonderprojekte soll er Apple erhalten bleiben, als Dienstleister mit seiner neuen Designfirma LoveFrom. Auguren interpretieren das Macbook Pro 16 Zoll als eine erste Abkehr von Ives Designphilosophie, nach der Geräte immer noch falcher und mit immer noch weniger Knöpfen ausgestattet sein sollen.

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