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Datensicherheit durch gesundes Misstrauen

08.03.2007 | 15:17 Uhr | Peter Müller

Datensicherheit durch gesundes Misstrauen

Google Text und Tabellen: Liest wer die Bilanzen und Geschäftspost mit?
Vergrößern Google Text und Tabellen: Liest wer die Bilanzen und Geschäftspost mit?

Was Google mit all den erhobenen Daten anstellt, bleibt ein Rätsel. Details zum im Haus praktizierten Datenschutz nennt Google bisher keine, will Wikipedia wissen. Wohl nicht ohne Grund: Googles erfolgreiches Geschäftsmodell basiert auf dem Wissen über die Nutzer. Google AdWords und AdSense spielen kontextsensitive Werbung auf die Suchergebnisseite von Google oder vielen privaten und kommerziellen Sites im Web ein. Für den Anwender ist das einerseits erfreulich, nicht mit Bannern oder Textwerbung zu neuen Autos erschlagen zu werden, wenn er sich gerade über neue Computer informiert. Die mit AdSense erhobenen Daten, die Suchabfragen und die Schlagworte im eigenen Google-Mail-Postfach könnten aber dazu dienen, mehr über den Google-Nutzer in Erfahrung zu bringen, als er selbst von sich weiß. Gegen den biometrischen Personalausweis hagelt es Proteststürme, auch von Leuten, die bei Google und Co mehr Spuren und Merkmale von sich hinterlassen, als es ein Dokument wie der Personalausweis je fassen könnte. Mit „Docs and Spreadsheets“, respektive „Text und Tabellen“ greift Google einen Kernbereich von Microsoft an: Als kostenloses Web-Office und als kostenpflichtige Service-Leistung für Unternehmen bietet es den Nutzern umfangreiche und kollaborative Möglichkeiten zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Was für die private Nutzung als ein freundliches Angebot gelten kann, sollte IT-Administratoren in Unternehmen aber stutzig machen. Vertrauliche Geschäftsberichte und –Strategien legt nur der bei Google ab, der nichts mehr zu verlieren oder keinen ernsten Wettbewerber im Nacken hat.

Der faktisch fehlende Wettbewerb erhebt jetzt Google zum Hauptverdächtigen für alles Böse in der IT-Welt, während Microsoft schon fast wieder als „good guy“ gilt – und sich selbts entsprechend gegen das neue Feindbild positioniert. Aber selbst wenn Google mit seinen umfangreichen Datensammlungen Übles anstellen könnte, ist es wohl überzogen, Google des Betrugs an seinem eigenen Motto „Don’t be evil!“ zu bezichtigen. Gesunde Skepsis ist angebracht, will man nicht zum gläsernen Bürger werden. Aber die schiere Datenmasse verhindert, dass jedermann zum öffentlichen Objekt wird. Privatsphäre bleibt auch in Zeiten des Web 2.0 möglich.

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