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Deklassiert: Wie das iPhone SE das iPhone 8 zum Ladenhüter macht

17.04.2020 | 13:28 Uhr | Stephan Wiesend

Unter normalen Umständen wäre das iPhone 8 jetzt ein interessantes Auslaufmodell, das iPhone SE ist aber klar überlegen – wenn man von zwei Schwächen absieht.

Lange Jahre galt die Regel: Nach Einführung neuer iPhone-Modells gibt es die Vorjahresmodelle zum Schnäppchenpreis. Über die letzten Jahre erfüllten iPhone 7 und iPhone 8 diese Rolle und waren für Einsteiger oder preisbewusste Kunden das ideale und solide Angebot. Mit dem neuen iPhone SE sind aber iPhone 7 und iPhone 8 nach unserer Meinung plötzlich uninteressant geworden. Vor allem das iPhone 8 ist auf einmal um eine Generation veraltet, wenn auch Apple bei einigen Details gespart hat. Das iPhone 8 hatte immer seine Fans, die Vorteile überwiegen aber jetzt klar.

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Plus: Günstiger

Aktuell ist das iPhone SE mit 479 Euro im Apple Store zu haben. Es ist damit deutlich günstiger als das iPhone 8, für das Apple 529 Euro verlangte. Für den gleichen Betrag bekommt man jetzt bereits das SE-Modell mit 128 GB. Als Auslaufmodell ist das iPhone 8 im Handel sicher bald günstig zu haben, interessant wird es aber erst mit hohem Rabatt.

Plus: Doppelt so schnell

Stärkstes Argument für das SE ist die höhere Performance: Vor allem die Grafikleistung des iPhone SE ist dank des schnellen A13-Chips dem iPhone 8 klar überlegen, laut Apple ist es bei dieser Aufgabe doppelt so schnell. Das ist nicht nur für Spiele-Fans wichtig, auch bei aufwendigeren Apps profitiert man schließlich von einer schnellen Grafik. Schnell ist aber auch die CPU, hat Apple doch im SE den gleichen Prozessor wie im iPhone 11 und iPhone 11 Pro verbaut. Das iPhone 8 gilt zwar noch immer als leistungsfähiges Smartphone, das SE ist aber noch einmal um das 1,4-fache schneller geworden. Das ist vor allem für die Zukunft interessant, kommen doch in den nächsten Jahren auf das SE Aufgaben wie AR, Künstliche Intelligenz und Video-Dienste zu.

Minus: Weder Gold noch Silber: Neue Farben

Das iPhone 8 war ein Premium-Modell, was sich schon in den Farben zeigte: Zuletzt gab es das iPhone 8 nur in den edlen Farben Gold, Silber und Spacegrey. Das neue iPhone SE hat dagegen schlichtere Farben: Statt Spacegrey simples Schwarz, Rot und Weiß (Zufällig die Flagge des Landes Jemen). Fast schon eine Deklassierung zum Einsteigergerät, der Abstand zum iPhone 11 Pro soll aber wohl gewahrt bleiben.

Das SE ist in neuen Farben zu haben, auch die Farbe Schwarz ist neu.
Vergrößern Das SE ist in neuen Farben zu haben, auch die Farbe Schwarz ist neu.

Plus: Mehr Arbeitsspeicher

Um mit iOS flüssig zu arbeiten, ist vergleichsweise wenig RAM nötig, gleichzeitig achtet Apple streng auf den Stromverbrauch. Cupertino ist deshalb immer etwas knauserig bei der Ausstattung der iPhones. So erhielt das iPhone 8 nur 2 GB RAM, das iPhone XR 3 GB, erst das iPhone 11 Pro 6 GB. Das iPhone SE bietet immerhin 3 GB RAM. Mehr RAM ist wohl auch dank der relativ niedrigen Display-Auslösung nicht erforderlich und sollte in den nächsten Jahren genügen – ein zukünftiger Schwachpunkt des iPhone 8.

Plus: Stark verbesserte Kamera

Von außen sehen die Kameras von iPhone 8 und iPhone SE identisch aus, vermutlich verwendet Apple sogar das gleiche Objektiv und den gleichen Bildsensor. Allerdings hatte schon das iPhone 8 eine gute Kamera, und das neue iPhone SE kann zusätzlich auf die Bildverarbeitungsfunktionen des neuen A13-Chips zurückgreifen. Das SE unterstützt deshalb sowohl bei Front- als auch Rückenkamera den Porträtmodus und kann dabei gleich sechs Effekte nutzen – beim älteren iPhone XR sind es nur drei Effekte. Aber auch die automatische Bildoptimierung Smart HDR ist verfügbar und sorgt durch Mehrfach-Aufnahmen für erstklassige Fotos. Es gibt noch wenig Testfotos, die ersten Beispiele machen aber einen hervorragenden Eindruck.

Die Testfotos des iPhone SE machen einen hervorragenden Eindruck.
Vergrößern Die Testfotos des iPhone SE machen einen hervorragenden Eindruck.

Plus: Mehr Video-Optionen

Auch bei der Aufnahme von Videos hat das SE die Nase vorn. Unterstützt wird nicht zuletzt die Option QuickTake Video, die bisher exklusiv den iPhone-11-Modellen vorbehalten war. Ist man gerade dabei Fotos zu machen, kann man mit einer Streichbewegung sehr schnell in den Video-Modus wechseln .

Was ebenfalls nur das iPhone SE unterstützt, sind Stereoaufnahmen – die Videos erhalten dadurch einen deutlich natürlicheren Klang. Dank des besseren Bildprozessors kann man aber außerdem Videos mit besserer Dynamik erstellen (bei bis zu 30 fps).

Plus: Schnelleres Netz und Dual-SIM

Schneller ist das SE aber auch beim Surfen und Downloaden: Es unterstützt Wi-Fi 6 und „Gigabit-Class LTE“. Bei optimalen Sendeverhältnissen ist es so laut Apple im Wi-Fi-Netz um 38 Prozent schneller als das iPhone 8, in einem schnellen LTE-Netz sogar um 60 Prozent! 5G wird allerdings nicht unterstützt, das bleibt wohl dem iPhone 12 ab Herbst vorbehalten. Angesichts des lahmen 5G-Ausbaus in Deutschland sehen wir dies aber noch nicht als Nachteil. Ein weiterer Vorteil ist, dass das SE zwei SIM-Karten unterstützt: Eine Nano-SIM und eine virtuelle eSIM.

Minus: Kein 3D-Touch

Ab iOS 13 hat Apple leider die Technologie 3D-Touch eingestellt: Dank eines Spezial-Displays konnten ab dem iPhone 6s bis zum iPhone XS die Bildschirme die Stärke eines Fingerdrucks erkennen. Das ermöglichte zusätzliche Eingabemöglichkeiten wie Aufruf und Navigation durch Kontextmenüs. Für die meisten Anwender war die Bedienung aber zu kompliziert und Apple verbaute ab dem iPhone XR nur noch Displays ohne diese Druck-Erkennung. Ein Ersatz für 3D-Touch ist die Funktion Haptic Touch, bei der man Kontextfunktion einfach durch längeres Drücken aufruft. Positiv: Durch die Einsparung der teuren Spezial-Funktion werden die iPhone-Displays für Apple deutlich billiger, was sich auch in den niedrigeren Reparaturpreisen zeigt.

Günstigere Reparaturen und Apple Care

Das Display des iPhone SE ist mangels 3D-Touch günstiger als das des iPhone 8, das führt anscheinend zu niedrigeren Reparaturpreisen . Ohne Garantie zahlt man für einen Displayreparatur 151 Euro, beim iPhone 8 sind es 171 Euro. Auch Apple Care ist mit einem Preis von 99 Euro sehr günstig, für das iPhone 8 muss man 149 Euro zahlen.

Fazit:

Das neue iPhone SE hat laut Foren und sozialen Medien einige Anwender schwer enttäuscht: Manche hatten wohl auf eine Mini-Version des iPhone 11 gehofft, ein iPhone 11 mit Face-ID und OLED-Display zum halben Preis. Wie schon so oft hat Apple hier aber auf eine altbekannte Masche gesetzt: Günstige Apple-Produkte ja, aber mit wenig Innovationen und bewährter und damit kostengünstiger Technik. Das galt ja schon für das Macbook Air und iPad Air. In gewisser Weise ist ja auch das iPhone SE ein „iPhone Air“.

Trotzdem erwarten wir, dass das neue iPhone SE der zweiten Generation ähnlich erfolgreich werden wird, wie das iPhone SE von 2016. Nach unserem Eindruck hat Apple nämlich beim neuen SE sehr genau auf die Wünsche seiner Kunden geachtet.

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