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Der Nachfolger: Wer is Tim Cook?

25.08.2011 | 11:04 Uhr | Peter Müller,

Der Nachfolger: Wer is Tim Cook?

Tim Cook, bisher COO, übernimmt den Posten des CEO
Vergrößern Tim Cook, bisher COO, übernimmt den Posten des CEO

Nach dem Personen-Kult um Steve Jobs ist der Blick auf seinen Nachfolger besonders streng. Wir stellen den neuen Apple-CEO vor.

In der Öffentlichkeit hat Tim Cook bislang ein eher blasses und trockenes Image ¬- oder schlimmer: gar keines. Der 50-Jährige ist im Gegensatz zu seinem viel beachteten Vorgänger keine Bühnenpersönlichkeit, sondern gilt eher als sachlicher Lenker. Öffentliche Auftritte blieben bislang eher selten. Dabei wird sein Anteil am Erfolg Apples stets unterschätzt. Es war Cook, der Ende der Neunzigerjahre Apples Produktion und Logistik auf Effizienz trimmte. Er schaffte Apples eigene, teure und weit verstreute Fabriken ab und setzte stattdessen auf Auftragshersteller, eine klare Zuliefererpolitik und niedrige Lagerbestände. Damit trug er maßgeblich zur wirtschaftlichen Erholung des Unternehmens bei, die Gewinnmargen wuchsen deutlich.

Cooks Stärken

Seine Spezialität ist das operative Geschäft: Abläufe, Prozesse und Effizienz. Seit 2005 ist er deshalb COO (Chief Operating Officer). Er gilt als detailversessen und ist intern keineswegs so wenig profiliert, wie es von außen wirken mag. Das Magazin Fortune erzählt folgende Anekdote über den neuen Apple-Chef: Manager um Cook beraten über ein aktuelles Problem in Asien. "Das ist schlimm", sagt Cook. "Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern!" Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: "Warum sind Sie eigentlich noch hier?". Der Manager fährt angeblich direkt zum Flughafen und kauft sich ein Ticket ohne festes Rückflugdatum - so die Geschichte, die sich in den Neunzigerjahren bei Apple zugetragen haben soll.

Cook ist als Nachfolger von Steve Jobs als CEO zwar eine unspektakuläre, aber nahe liegende Entscheidung. Denn er hat bereits Erfahrung darin, Apple zu lenken: bei jeder der Erholungspausen von Steve Jobs war Cook derjenige, der in diesen Zeiten das Ruder in der Hand hatte. Dies war 2004 der Fall, 2009 und auch jetzt, seit Januar 2011 ist es Tim Cook, der sich auch als Interims-CEO um das Tagesgeschäft bei Apple kümmert.

In der Praxis des unternehmerischen Alltags wird dieser, jetzt offizielle Wechsel kaum einen Unterschied ausmachen. Bei all der Aufmerksamkeit auf Steve Jobs, dem alle Erfolge des Unternehmens persönlich zugeschrieben werden, ist Tim Cook einer der wenigen aus dem Management, der ein Stück aus Jobs‘ Schatten hervortreten konnte.

Cooks Schwächen

Trotz aller Detailverliebtheit: Beobachter zweifeln, ob Cook die Kreativität und den Blick für Design hat wie Steve Jobs. In einem Interview mit unseren Kollegen der Macworld sagte der Marktanalyst Roger Kay 2009: "Er ist nicht das kreative Genie. Auch wenn er ein guter Manager ist und Jobs den Rücken frei hält; er ist derjenige, der dafür sorgt, dass die Züge pünktlich fahren, nicht derjenige, der weiß wie die Züge in fünf Jahren aussehen sollen."

In der Öffentlichkeit hat Tim Cook bislang womöglich zu wenig Eindruck hinterlassen als man es von einer schillernden Firma wie Apple gewohnt ist. Cook übernimmt zwar Verantwortung und spricht im Namen Apples - dies bislang jedoch eher bei Anlässen wie der Telefonkonferenz anlässlich der Quartalsergebnisse, nicht bei öffentlichkeitswirksamen Keynotes zu neuen Produkten.

Dies ist aber nur die Metaebene, das Image der Firma. Auch wirtschaftlich muss sich Cook in seiner neuen Rolle beweisen. In der Vergangenheit konnte er dies bereits. Während des halben Jahres als Interims-CEO 2009 ist der Aktienkurs um rund zwei Drittel gestiegen. Auf die Meldung vom Rücktritt Steve Jobs‘ reagiert die Börse aber zunächst skeptisch: Am Tag nach der Rücktrittserklärung verliert Apple mehr als fünf Prozent seines Marktwertes.

Gute Aussichten

Die Zeiten umjubelter Auftritte sind nach dem Rücktritt von Steve Jobs wohl ein Stück weit vorbei. Cook oder ein anderer Nachfolger wird nie an das Image von Steve Jobs heranreichen - er wird aber auch nicht den Fehler begehen und es versuchen. Wirtschaftlich ist Apple offenbar in guten Händen und die Verantwortung für die Produkte war immer schon auf weit mehr Schultern verteilt als die Medien zu Zeiten von Jobs annahmen.

Timothy D. Cook in Zahlen:

Geboren: 1960 in Alabama

Studium: Arbeitsingenieurwesen (Bachelor 1982, Masterabschluss 1988)

Bei Apple seit: 1998

Frühere Stationen: 12 Jahre IBM, kurz bei Compaq

COO seit: 2005

CEO seit: 2011

Einkommen: 60 Millionen US-Dollar 2010 (inklusive Aktien-Boni für die Zeit als Interims-CEO). 2009: 1,6 Millionen Dollar

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