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Der Streit um die OS-Lizenz

19.01.2009 | 08:34 Uhr | Peter Müller

Der Streit um die OS-Lizenz

"Die haben unsere Ideen geklaut!" - schrie Cupertino am 17. März 1988 in Form einer in San Jose eingereichten Klage auf. "Welche denn genau?" - wollte daraufhin das Gericht wissen. "Ja, die 189 hier!" - spezifizierte der Mac-Hersteller. "So ein Schmarrn!" - befand Justizia: "179 davon deckt die Lizenzvereinbarung, und die anderen Ideen sind so allgemein, dass man sie gar nicht anders darstellen kann und, meinetwegen, Papierkorb darf nicht sein." Rechtskräftig abgeschlossen wurde der Prozess im Februar 1995 - im Herbst des gleichen Jahres kam Windows 95 auf den Markt - mit Papierkorb und so Mac-like wie nie zuvor. Zugegeben, der Prozess ist hier in aller Kürze, wenn nicht sogar unzulässig verkürzt wiedergegeben, aber Apples Patentangriff auf Microsoft scheiterte. Der Rest ist Geschichte, wobei man bis heute eigentlich nicht so recht verstehen will, wie es Microsoft gelang, einen derart allgemeinen Begriff wie "Fenster" für sich schützen zu lassen.

Ein seltsames Paar: Steve Jobs und Bill Gates 2007 auf der D: All Things Digital
Vergrößern Ein seltsames Paar: Steve Jobs und Bill Gates 2007 auf der D: All Things Digital

Wo war Steve Jobs während der Zeit? Hätte er die Eskalation des Streits verhindern können, er und Bill Gates sind doch trotz aller Unterschiede gewissermaßen vom gleichen Schlag? Jobs hatte nach dem Abschied sein nächstes Geschäft begonnen, programmatisch nannte er die von ihm und anderen ehemaligen Apple-Angestellten gegründete Firma einfach Next.

Next Computer lebt in Apple weiter
Vergrößern Next Computer lebt in Apple weiter

Was 1988 noch niemand vorhersehen konnte, war mit dem ersten Next-Computer der Grundstein für einen "Krieg der Welten" gelegt - jener sollte um die Jahrtausendwende aber zwischen Macianern und Macianern ausgefochten werden, in Form des zweiten großen - und bei weitem anstrengendstem - Paradigmenwechsels von Mac-OS 9 zu Mac-OS X. Jobs zürnte bei seinem Abschied von Apple drei Jahre zuvor, er hätte "noch einen großen Computer" in sich. Nicht ganz verkehrt lag er aber mit seiner Einschätzung, Next sei "entweder der letzte Computerhersteller, der es schafft, oder der erste, die es nicht mehr schafft." Beide Prognosen sind eingetreten: Next scheiterte mit seiner Hardware, lebt aber in Apple mit seinem Betriebssystem NeXTstep (man beachte das große "X"), das zur Grundlage von Mac-OS X wurde, weiter.

Heute grummelt die Nutzerschaft allenfalls ein wenig, wenn Apple den Erscheinungstermin eines Betriebssystems um Monate verschieben muss, so wie es zuletzt mit dem für Juni 2007 angekündigtem Leopard war, der erst Ende Oktober kam. Für Next war eine solche Verzögerung aber der Todesstoß, bevor die Geschichte überhaupt so recht begonnen hat. Am 12. Oktober 1988 stellte Jobs’ neue Firma den Next Computer vor, eine Maschine mit den damals beeindruckenden Leistungsdaten wie einem 25-MHz-68030-Motorola-Prozessor oder 8 MB Hauptspeicher, 250 MB optisches Laufwerk oder einem digitalen Signalprozessor für Echtzeitsound, das zugehörige Betriebssystem Nextstep war erst am 18. September 1989 bereit. Ja, genau, ein paar Wochen später fiel der Satz von der Bestrafung durch das Leben, wenn man zu spät käme. Auf Apples Weg in die Krise blicken wir aber morgen, wenn wir die Mac-Geschichte der Jahre 1989 bis 1993 wieder erleben.

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