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Der langsame Niedergang des iPads

30.04.2015 | 19:12 Uhr |

Deutlich sinkende Verkaufszahlen zeigen, dass die euphorischen Prognosen falsch lagen. Die Verkaufszahlen sinken, der Markt stagniert.

Tablets wie dem iPad wurde vorhergesagt, dass sie f├╝r normale Privatanwender die Laptops ersetzen werden. Dass sie im Gesch├Ąftsleben Papierformulare von Au├čendienstlern und Ger├Ąte wie Bestellger├Ąte von Kassensystemen in Restaurants ersetzen werden. In Einzelf├Ąllen stimmte das, tats├Ąchlich schrumpft der Markt der Tablets jedoch inzwischen. Das iPad ist hierbei keine Ausnahme, in den letzten zwei Quartalen hat Apple zwischen 3,8 und 5 Millionen iPads weniger verkauft als in den Vergleichzeitsr├Ąumen der Vorjahre. Mit 12,6 Millionen verkauften iPads lagen die Verkaufszahlen zwischen Januar und M├Ąrz rund sieben Millionen Einheiten unter dem Bestwert f├╝r diesen Zeitraum (2013) und insgesamt 22 Prozent unter Vorjahr.

Es w├Ąre verfr├╝ht, von einem Niedergang zu schreiben, doch die Entwicklung der iPad-Verkaufszahlen ist bedenklich. W├Ąhrend das iPhone von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord hetzt, kann der gro├če Bruder iPad nicht davon profitieren. Doch nicht nur Apple verliert, der gesamte Markt stagniert, auch wenn es Apples iPad offenbar besonders hart erwischt hat. Im gesamten Kalenderjahr 2014 hat Apple laut den Analysten von IDC insgesamt 14,5 Prozent bei den Verkaufszahlen der iPads verloren. Was ist passiert?

Anf├Ąnglicher Tablet-Hype

Apple hatte nach 2010 und der Vorstellung des ersten iPads einen Hype um Tablets ausgel├Âst. Zwar gab es auch skeptische Stimmen - das ├╝bliche "Wof├╝r braucht man das?" - nach der Erfolgsgeschichte des iPhones und der rasant wachsenden Verkaufszahlen in den ersten Monaten hatte jedoch kaum noch jemand Zweifel, dass sich auch das iPad im Alltag festsetzen w├╝rde und eine neue Produktkategorie etablieren wird. Es mag unpassend wirken, ein Ger├Ąt als teilweise gescheitert zu betrachten, das Dutzendmillionen Mal verkauft wurde. Doch dazu muss man die aktuelle Entwicklung in Relation zu den Erwartungen sehen.

Der Tabletmarkt sollte laut fr├╝herer Vorhersagen heute bei ├╝ber 300 Millionen verkauften Ger├Ąten pro Jahr stehen. Tats├Ąchlich sind es laut IDC rund 230 Millionen Ger├Ąte. Das klingt alles andere als dramatisch, die aktuelle Entwicklung ist jedoch der Punkt, der den Herstellern Sorgen machen sollte. Denn die Zahlen stagnieren nicht nur, sie sind inzwischend sogar r├╝ckl├Ąufig. Dabei sollten Tablets doch ein fester Teil unseres digitales Alltags werden und nebenbei alles vom Notizzettel bis zur Tageszeitung ersetzen.

Die Zahlen von IDC zeigen, dass Apple Marktführer in einem schrumpfenden Markt ist.
Vergr├Â├čern Die Zahlen von IDC zeigen, dass Apple Marktf├╝hrer in einem schrumpfenden Markt ist.
© IDC

Laut IDC gibt es jedoch auch Gewinner im Markt. Spezialisten wie "2-in-1" Tablets wachsen laut IDC enorm, auch wenn sie einen kleinen Teil des Marktes ausmachen. Die Verkaufszahlen von Tablets mit Mobilfunkchip entwickeln sich laut IDC ebenfalls besser als der Durchschnitt.

Ursachen f├╝r den R├╝ckgang

Eine der meist genannten Kritikpunkte am Konzept moderner Tablets ist, dass diese vor allem f├╝r Medienkonsum geeignet sind und sich in die schmale Nische zwischen Smartphones und kleineren Laptops quetschen. Der klare Nutzen ist so nicht immer gegeben, denn f├╝r "Facebook und Spiele" eignet sich auch ein Smartphone, f├╝r produktive Dinge ist der Laptop besser. Der zweite Punkt, der auf die prognostizierten Verkaufszahlen dr├╝ckt: Die Haltedauer bei Tablets ist deutlich l├Ąnger als bei Smartphones und insgesamt l├Ąnger als gedacht.

Laut IDC kannibalisiere vor allem das iPhone 6 (Plus) die Verkaufszahlen der iPads. Die Analysten von IDC fordern v├Âllig neue iPads von Apple, die unter anderem gr├Â├čer sind.Dazu w├╝rde es helfen, wenn Apple eine eigene iOS-Version speziell f├╝r das iPad entwickeln w├╝rde, so die Analysten.

Laut IDC ist das iPhone 6 Plus der größte Konkurrent der iPads.
Vergr├Â├čern Laut IDC ist das iPhone 6 Plus der gr├Â├čte Konkurrent der iPads.

Auswirkung auf die Zukunft

Um das nochmal zu betonen: das iPad ist f├╝r Apple ein Milliardengesch├Ąft und Apple verdient damit derzeit noch in etwas genau so viel Geld wie mit den Mac-Rechnern. Doch sollte die Stagnation im Gesamtmarkt und der deutliche Verkaufsr├╝ckgang konkret bei den iPads weiter gehen, dann wird Apple entsprechend reagieren. Das k├Ânnte bedeuten, dass Apple das iPad in den "iPod-Modus" versetzt. Das w├╝rde bedeuten: weiterhin verkaufen, aber nicht mehr viel investieren.

Gleichzeitig k├Ânnte die Stagnation im Markt bedeuten, dass Apple das Risiko scheuen wird, die iPad-Familie weiter auszudifferenzieren. Denn es steht immer noch im Raum, dass Apple ein "iPad Pro" plane, ein gr├Â├čeres iPad, das m├Âglicherweise mit OS X statt iOS laufen k├Ânnte. Microsoft feiern mit dem Surface Pro in dieser Nische Erfolge, letztlich ist es jedoch eine Nische in der Nische. Investitionen und Experimente in diesem Bereich k├Ânnten durch die ver├Ąnderte Lage im Markt also noch weniger interessant werden.

Info: Analyse des Tabletmarktes (IDC)

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