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Der neue iMac wird heiß

03.07.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller,

Der neue iMac wird heiß

Steiger: Ahhh, Müller, ich rede die ganze Zeit vom "Big Picture"! Vereinzelt geht Apple plötzlich hin und baut praktische Dinge in das eigene Betriebssystem ein. Hier mal eine Shareware, da mal eine Freeware - das Classic-Menü beispielsweise, das gab es früher als Freeware. Kennen Sie den Spruch: "History repeating"? Gut, dann wissen Sie sicherlich, wer auch mit dem Klauen von Ideen und Eier-legenden-Wollmich-Säuen-Betriebssytemen stinkreich geworden ist. Genau, William Henry Gates, der III. Gemeinhin auch als Torten-Billy bekannt. Mann, Müller, erkennen Sie das Muster nicht? Apple tritt nach und nach in die Fußstapfen von Microsoft! Plötzlich sind die Cinema-Displays PC-kompatibel. Und Rendezvous gibt’s schon als Plugin für den PC-Internet-Explorer! Müller, der Trend ist klar erkennbar: Apple guckt bei den dicken Jungs ab! Ich bin mir nur nicht so sicher, ob dass strategisch besonders klug ist - Apple streckt in Richtung Redmond und Longhorn frech die Zunge raus, hat auf der anderen Seite aber massive Hardware-Lieferprobleme, und jetzt noch dieses "iMac nix fertig"-Geständnis. Müller, da bahnt sich was an!

Müller: Steiger, was soll sich da anbahnen? Apple ist doch mitten dabei, eine massenkompatible Firma zu werden? Die Beziehungen zu Microsoft seien so gut wie noch nie, hat Steve ja selbst gesagt. Da ist es doch nur logisch, zuvor unvereinbare Welten zusammen zu führen. Ja, meinen Sie denn, mit dem 30-Zöller macht Apple Profit, wenn es das Teil an die paar mit G5s ausgerüsteten HDTV-Cutter verkauft? Nein, das muss der Pflichtbildschirm für alle Videoprofis werden, deshalb auch der Standard DVI zum Apple eigenen ADC-Anschluss. Den iPod bewirbt Apple in der Publikumspresse und auf allen Litfasssäulen dieses Landes als ultimative Musikmaschine für PC und Mac. Man beachte die Reihenfolge. Sie werden sehen, der Aktienkurs schießt schnell wieder in die Höhe. Und wenn Apple iPod Inc. Abspaltet, werden die Anteilseigner Apples noch reicher, wenn die Tochter an die Börse geht. Steiger, lang dauert es nicht mehr, dann treffen sich Apple und Microsoft auf Augenhöhe! Zumal Redmonds Stern im Sinken begriffen ist und sich dank des EU-Strafgeldes auch noch die Portokasse wesentlich reduziert hat.

Steiger: Ach, Müller, die EU-Strafe zahlt Microsoft doch aus der Kaffeekasse. Andererseits könnten Sie durchaus mal richtig liegen - immerhin basiert ja auch Microsofts kommende Xbox-Nachfolgekonsole auf IBMs PowerPC-Prozessor, der denen der G5-Powermacs nicht unähnlich ist. Müller, steuern wir hier etwa auf eine geteilte Marktmacht hin? Ich meine, es ist ja kein Geheimnis, dass Microsoft Apple als Gegengewicht braucht, weil sonst die Monopol-Wächter dieser Welt von ihren Barrikaden gar nicht mehr runter kommen. Aber, Müller, wenn das so ist, daß quasi Apple und Microsoft durchaus gewisse Absprachen treffen - können sich dann die Fans der ersten Stunde, die Basis, überhaupt noch mit den ehemaligen Rebellen identifizieren? Kann eine Anpassung an den Mainstream überhaupt für Apple eine Lösung sein?

Müller: Aber sicher doch ist das eine mögliche Lösung für Apples Dilemma, eine Kernzielgruppe zu haben, die unter extremen Kostendruck leidet. Der Power Mac G5 liegt zwar nicht in den Regalen wie Sauerbier, aber Cupertino hat sich insgeheim mehr erhofft. Neue Märkte gilt es zu erobern, im Audiobereich ist Apple schon sehr erfolgreich, jetzt geht es um Video. Seltsamerweise hat Apple hier die Gelegenheit, als Billigheimer aufzutreten. Motion, Shake, Final Cut Pro HD und Xsan sind Lösungen, die im Vergleich zur Konkurrenz extrem günstig sind. So lohnt sich für die Profis die Anschaffung der exquisiten Apple-Hardware, zumal der Xserve auch noch ein feines Preis-Leistungsverhältnis aufweist. Aber dann müssen sich die Sachen auch nahtlos in bestehende Architekturen einfügen. Es kann nicht angehen, dass ein Cutter seinen Monitor wegwerfen muss, weil er jetzt einen Apple hat. Und umgekehrt muss dieses Mörder-TFT auch einen PC passen, damit Apple davon genügend Stück absetzt. Die Zukunft gehört ohnehin den heterogenen Netzen, sind diese doch wesentlich weniger anfällig für Störungen durch Malware als Microsoft’sche Monokulturen. Das war das einzige, was Steve in San Francisco noch weiter hätte ausbreiten sollen: Wie sehr der Tiger sich jetzt mit Windows und anderen Systemen versteht. Nur wenig ist durchgesickert, etwa die Tatsache, dass Apple Rendezvous für Windows und Linux freigibt. Aber in den 200 Session haben die Präsentatoren den Entwicklern sicherlich eingebimst, dass die Zeit der "splendid isolation" längst vorbei ist. Steiger, beweinen Sie immer noch das Fehlen des iMac G5?

Steiger: Wenn ich ehrlich bin - ja. Ich bin einfach total gespannt, wie das Ding aussieht.

Müller: Dann merken Sie sich schon einmal Zeit und Ort: Dienstag, 31. August, Paris, Palais de Congres. Steve-Jobs-Keynote. Weltpremiere des iMac G5. Steiger, legen Sie schon einmal etwas Geld zur Seite, das Ding wird heiß!

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