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Der wahre Grund, warum Apple Face-ID nicht auf den Mac bringt

11.02.2022 | 09:40 Uhr |

Das True-Depth-Modul ist zu dick und verhindert Face-ID auf dem Mac zurück – aber das ist nicht der wesentliche Grund. Apple selbst will es so.

Wir haben uns schon oft Face-ID auf dem Mac gewünscht. Sich damit am Rechner einzuloggen, ist eine Sache, aber sich schnell und zuverlässig bei Apps und Diensten anzumelden, Formulare automatisch auszufüllen, ohne auch nur einen Finger zu rühren, wäre ein geradezu magisches Erlebnis. Touch-ID auf den neuesten Macs ist großartig, aber auf eine Eingabeaufforderung zu warten und dann den Sensor zu finden und den Finger daraufzulegen... das ist alles so langsam im Vergleich zur Face-ID. Vor allem auf einem Mac, wo man ganz selbstverständlich innerhalb weniger Meter direkt auf den Bildschirm schaut – und jeden Moment bereit für Face-ID wäre.

Apple könnte sogar raffinierte neue Sicherheitsfunktionen implementieren, etwa den Bildschirms ausblenden, sobald es erkennt, dass Sie sich von ihm abwenden, und die Inhalte wieder zu zeigen, sobald Sie (und nur Sie) wieder auf den Monitor schauen.

Warum haben wir also keine Face-ID auf dem Mac? In der Ausgabe seines Newsletters "Power On" vom letzten Wochenende schreibt Mark Gurman, dass die Funktion für den neuen 24-Zoll-iMac vorgesehen war, aber nie für ein Macbook-Modell geplant war, weil "zum jetzigen Zeitpunkt die Technologie, Face ID in die dünnen Macbook-Displays einzubetten, nicht existiert." Stimmt das? Gehen wir der Sache weiter auf den Grund – im November letzten Jahres hatten wir bereits erklärt,  warum die neuen Macbooks Pro ohne Face-ID herausgekommen waren.

Zu dick für das Macbook?

Im Teardown des iPhone 13 von iFixit ist das Truedepth-Sensorfeld gut im Blick. iFixit nennt zwar keine Maße, aber es ist leicht zu erkennen, dass das neueste Modul deutlich kleiner geworden ist, indem der Strahler und der Punktprojektor in ein einziges Modul integriert und in die Mitte zwischen die Infrarot- und die reguläre RGB-Kamera gesetzt wurden. Aber es ist nicht wirklich dünner als zuvor. Es ist deutlich ein paar Millimeter dicker. Das ist kein Problem für das 7,6 mm dicke iPhone, aber der Deckel eines Macbook Pro ist kaum 3 mm dick und verjüngt sich nach oben, wo die Kamera sitzen würde.

Ja, das aktuelle Truedepth-Modul und die verwendeten Komponenten sind viel dicker als der Deckel eines Macbook. Bedeutet das, dass es die Technologie nicht gibt? Nicht wirklich... denn die Technologie, um den Deckel des Macbook ein wenig dicker zu machen, ist durchaus vorhanden. Neue Kamerasysteme mit einem dünneren Profil sind möglich (sie werden in aktuellen Macbooks verwendet), wodurch das Truedepth-Modul etwas kleiner ausfallen könnte. In Kombination mit einer Vergrößerung des Macbook-Displays um etwas mehr als einen Millimeter könnte das wahrscheinlich funktionieren.

Apple will einfach keinen dickeren Laptop-Deckel herstellen. Je nachdem, wie dick er sein müsste, damit auch ein neues, schlankeres Truedepth-Modul hineinpasst, ist das vielleicht verständlich. Aber das Macbook ist nicht der einzige Mac, den Apple verkauft.

Was ist mit dem iMac?

Der iMac ist eindeutig dick genug, um ein Truedepth-Modul aufzunehmen. Selbst der superdünne neue 24-Zoll-iMac ist dicker als jedes iPhone. Mit einer Dicke von 11,5 mm ist er beeindruckend dünn, aber immer noch dicker als jedes iPhone oder iPad. Und im Rahmen ist genug Platz, um es über dem Display anzubringen, sodass ein "Liquid Retina LCD" mit einer Aussparung in der iMac-Größe kein Hindernis darstellt. Warum also nicht dort einbauen?

Gurman könnte seine Quellen richtig verstanden haben, die behaupteten, dass dies für den 24-Zoll-iMac geplant war, und es ist nicht offensichtlich, warum Apple es nicht umgesetzt hat. Es könnte sein, dass die Software noch verfeinert werden muss, um auf einem Desktop-Computer zuverlässig zu funktionieren, und dass sie noch nicht fertig war. Vielleicht will Apple in absehbarer Zeit kein Macbook mit Face-ID ausstatten, und möchte den Desktop-Macs kein anderes Erlebnis bieten als den Mac-Laptops. Vielleicht ist es aber auch nur Sparsamkeit, denn das Truedepth-Modul ist nicht billig.

In Anbetracht der Tatsache, dass Apple Face-ID problemlos in den neuesten iMac hätte integrieren können und sich dagegen entschieden hat, liegt die Vermutung nahe, dass es nicht bald in einem Mac erscheinen wird. Vielleicht wird das kommende Macbook Air ein etwas dickeres Display haben, das Platz für ein neu gestaltetes Truedepth-Modul bietet – aber darauf würde ich nicht wetten. Die Zurückhaltung von Apple ist im Moment eher ideologisch als technisch bedingt.

Dann wollen wir wenigstens Center Stage

So großartig Face-ID auf dem Mac auch sein könnte, wir können doch zumindest auf ein besseres Videoerlebnis hoffen. Die neuesten Macs verfügen in der Tat über eine verbesserte Facetime-Kamera, die 1080p-Videos aufnehmen kann und eine deutlich verbesserte Belichtung und Farbe bietet. Sie ist, ich wage es zu sagen, angemessen, was eine große Verbesserung gegenüber den Mac-Webcams von vor ein paar Jahren ist.

Aber iPads haben eine neue Frontkamera, die 12-Megapixel-Fotos aufnimmt und ein ultraweites 122-Grad-Sichtfeld hat. Sie kombiniert dieses weite Sichtfeld mit digitalem Zoom und einer gewissen Intelligenz, um die Motive im Bild zu halten: Center Stage. Das ist keine neue Erfindung (Facebooks Portal macht dasselbe), aber es ist unglaublich nützlich. Und am nützlichsten wäre es auf einem Mac, der sich schwieriger neu positionieren lässt als ein Tablet.

Das Kameramodul, das in diesen iPads verwendet wird, ist etwas zu dick für ein Macbook, aber mit etwas Geschick ließe sich wahrscheinlich eines entwerfen, das dünn genug ist, um hineinzupassen. Und wenn nicht, könnte es zumindest in den iMac eingebaut werden, oder?

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