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Windkraft ohne Rotoren: Mit Vibration zum Strom

22.03.2021 | 16:40 Uhr | Peter Müller

Erneuerbare Energie kann man praktisch überall ernten, Wind auch beinahe immer. Eine Startup aus Spanien will mehr dezentrale Kraftwerke ermöglichen.

Die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Quellen geht mit Dezentralisierung einher: Große Kraftwerke wird es in Zukunft immer weniger geben, dafür viele kleine Anlagen, die sich intelligent vernetzen. Nun kann sich zwar jeder Hausbesitzer eine Solaranlage auf das Dach bauen lassen, mit einem Windrad, das den Bedarf des Haushaltes deckt und überschüssige Energie in das Netz einspeist, wird es etwas schwierig. Mal abgesehen von der 10-H-Regel wären derartige Anlagen im eigenen Garten weder praktikabel noch genehmigungsfähig.

Ein junges Unternehmen aus Spanien will mit seiner Innovation die Hürden senken - und die Ernte von Windenergie gewissermaßen auch auf dem eigenen Grundstück ermöglichen. Der Name des Unternehmens Vortex Bladeless weist bereits auf die Lösung hin: Anstatt den Wind riesige Rotorblätter bewegen zu lassen, die eine typische Länge von zehn Metern haben, versetzt der Wind die Windkraftanlage in Schwingungen, die ein Generator in elektrischen Strom wandelt. Gerade einmal drei Meter hoch ist eine solche fest im Boden verankerte Säule, die um Größenordnungen weniger Lärm verursacht als Rotorblätter.

Dezentrale Energieernte

Gedacht ist die Lösung von den Entwicklern um David Yanez etwa für Wohngebiete, auch als Ergänzung zu privaten Solaranlagen. Denn wenn diese nach Sonnenuntergang keinen Strom mehr produzieren, könnte nachts aber immer noch der Wind wehen. Einzelne Säulen werden die Versorgungslücke aber kaum schließen können. Denn die Leistung eines solchen Minikraftwerkes beträgt nur rund 100 Watt - der Zusammenschluss dutzender oder gar hunderter solcher Säulen in einem Windpark wäre erforderlich, um eine sinnvolle Leistung zu generieren. Und die säuseln dann gewiss nicht mehr leise im Wind.

Konzept schon etwas älter

Vortex Bladeless hat sein Konzept der rotorlosen Windkraftanlage bereits im Jahr 2015 vorgestellt, schon damals mit dem Versprechen, Strom so um 40 Prozent billiger produzieren zu können. Das Prinzip der Anlage von Vortex basiert auf den Verwirbelungen, die im Lee eines im Wind stehenden Zylinders entstehen. Die Turbulenzen versetzen diesen in Resonanz, ein Lineargenerator wandelt diese kinetische Energie in elektrische um. Nicht zu verwechseln ist das mit dem Magnus-Effekt: Hier versetzt der Wind einen zylindrischen Rotor in Drehungen, wobei eine Kraft senkrecht zur Windströmung entsteht: Die technische Umsetzung nennt sich Flettner-Rotor und findet im Schiffsbau Anwendung. Für eine dezentrale Ernte von Windenergie würden sich womöglich Vertikalrotoren besser anbieten, diese lassen sich in kompakter Bauform herstellen. Derartige Kraftwerke baut etwa das Schweizer Unternehmen Agile Wind Power .

Dass man mit Windenergie Rechenzentren versorgen kann, beweist etwa Windcloud - mit herkömmlichen Rotoren. Wobei ein Standortvorteil des Unternehmens unbestritten ist: In Schleswig-Holstein weht der Wind fast immer.

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