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Die Apple Watch – digitale Gesundheit

04.01.2017 | 08:14 Uhr |

Die Apple Watch ist derzeit das jüngste Produkt im Apples Portfolio – aber auch das geheimnisvollste.

Apple hütet nach wie vor die Verkaufszahlen der Apple Watch. Tim Cook hat einmal behauptet, man möchte der Konkurrenz keine Hinweise an die Hand geben, wie ein solch neuer Markt funktioniert. Selbst seriöse Analysten trauen sich nur sehr selten an die Erfolgsmessung der neuen Uhr. Ein Hinweis auf Erfolg stammt aus einer etwas unerwarteten Richtung – die Schweizer Uhrenmacher, die die Vorstellung der Konkurrenz 2014 erst einmal belächelt haben, vermelden nach einiger Zeit ähnliche Export-Rückgänge wie in den Krisenjahren 2008 und 2009. Einen Hinweis auf Misserfolg liefert Apple selbst durch das stillschweigende Absetzen der goldenen Uhr aus der ersten Apple-Watch-Reihe: Nach der Keynote im September 2016 verschwand das Modell aus dem Handel, der Hersteller verlor kein Wort dazu.

Apropos, die Keynote vom September 2016. Bis zur Ankündigung waren wir uns nicht sicher, ob der Nachfolger der Apple Watch zusammen mit dem iPhone 7 kommt oder nicht. Apple hat ja auf der WWDC 2016 eine Vorschau auf watchOS 3 freigegeben, was aber nicht heißen musste, dass damit auch ein neues Produkt kommt. Aber zurückgekehrt auf die heimische Bühne in Cupertino haben Tim Cook und Co. die Apple Watch Series 2 vorgestellt und damit einige Ausblicke auf die Zukunft der smarten Uhr geliefert. Die Smartwatch von Apple entspricht vollkommen der Bezeichnung "das persönlichste Gerät" – kaum ein Gadget sitzt so nah am Körper, kennt die Vitalzeichen des Nutzers so gut. Auch in ihrer Erscheinung lässt sich die Apple Watch bis ins Granulare personifizieren. Die Kollegen von iMore haben rund elftausend mögliche Kombinationen mit Gehäusegröße und -farbe, mit dem Gehäusematerial, unterschiedlichen Bändern und letztendlich diversen wechselbaren Faces ausgerechnet. Freilich, nicht jede Farbkombination lässt sich gut tragen, ohne dass einen die Modepolizei gleich aus dem Verkehr zieht, wenn man aber bedenkt, dass das iPhone 4 im ersten halben Jahr in Schwarz und ... in Schwarz gab, ist das ein gewaltiger Fortschritt.

Was 2017 kommen muss

Wir wagen gleich zum Anfang eine Vorhersage, die sich zu hundert Prozent im neuen Jahr bewahrheiten muss. Aus dem einfachen Grund: die Ankündigung haben die Verantwortlichen auf der Keynote-Bühne gemacht, aber bis jetzt nichts geliefert. Zum einen hatten wir uns auf die Wander-App View Ranger gefreut. Das britische Entwickler arbeitet nach wie vor an der Apple-Watch-Version, die das GPS-Modul in der Series 2 nutzt und so den Apple-Watch-Träger fast ohne Hilfe des iPhone auf Bergpfaden begleiten kann. Der Herbst ist vorbei, genau so wie das Jahr 2016, da die App vor allem für Wanderer interessant ist, kann sich der Entwickler Zeit bis April oder gar Mai lassen. Ab dann ist selbst in der 1800-Meter-Höhenlage der Schnee weg, höchste Zeit also, das Versprechen einzulösen. Anmerkung: Kurz nach Fertigstellung dieses Artikels hat uns eine E-Mail des Entwicklers erreicht. Die GPS-Funktionalität für die Apple Watch Series 2 ist ab jetzt verfügbar. Wir werden die App auf einer Winterwanderung testen.

Noch eine Ankündigung, die sich spannend anhörte, aber neben dem Super-Mario-Hype fast schon vergessen ist – Pokémon Go für die Apple Watch. Die Kollegen der Macworld haben bereits im Sommer diese Erweiterung vorgeschlagen, i m September haben die Macher bei Niantic eine entsprechende App angekündigt . Doch diese App ist immer noch nicht da. Wir haben den Entwickler kontaktiert, sobald wir etwas Neues erfahren, würden wir den Artikel entsprechend aktualisieren. Die Macher versprechen auf Twitter das Übliche "...coming soon..." Aber genau so wie im Fall von View Ranger kann sich der Macher Zeit bis zum Frühling lassen: Öffentlichen Plätze sind nun mit den Weihnachtsbuden belegt, in Handschuhen lässt sich so ein Spiel ebenfalls nur schwer spielen.

Was kommen kann...

Die Apple Watch ist zusammen mit dem iPhone und den neuen Schnittstellen HealthKit, CareKit und ResearchKit ein perfekter Türöffner zu einer für Apple noch eher neuen Industrie – dem Gesundheitswesen. Ist doch das Produkt angeblich aus der letzten Idee Steve Jobs' entstanden, wie man den behandelnden Ärzten und Pfleger alle nötigen Informationen über den Patienten zur Verfügung stellen kann. Die Apple Watch kann sich in diesem Kontext als perfekter Datensammler erweisen: Bereits jetzt sind Schätzungen über den Kalorienverbrauch möglich, die Watch liefert ziemlich genaue Daten, wie viel sich der Mensch aktiv bewegt. Auch Pulsmessungen sind möglich, nach Wunsch, zum Beispiel beim Training, misst die Uhr den Herzschlag nicht punktuell, in bestimmten Zeitabschnitten, sondern durchgehend. Die erste Studie aus dem vergangenen Herbst hat gezeigt, dass die Apple Watch die Herzraten genauer als herkömmliche Fitness-Bänder misst.

Hier würden wir uns weit aus dem Fenster lehnen und ein neues Armband vorhersagen. Zwar produziert Apple die Apple-Watch-Bänder bereits so routiniert wie die Adapter zu dem neuen Macbook Pro, doch das neue Produkt sollte unserer Meinung nach sich in einem wichtigen Punkt von den bereits verfügbaren Armbänder unterscheiden: Dabei soll ein Extra-Sensor für die EKG-Messungen sein. Zum einen zeigen bereits mehrere Patente ( EKG-Messung , EKG-Signalbereinigung ), dass Apple in die Richtung forscht. Denn die formelle Abkoppelung der Herzraten-Messung kann mehrere Vorteile haben: Das Gerät lässt sich problemlos bei der US-Amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zertifizieren ohne die Weiterentwicklung der Apple Watch zu behindern, da die Uhr in diesem Fall nur zu einer Datenübergabe dienen wird. Befindet sich der zusätzliche Sensor auf der unteren Seite des Handgelenkes, kann er dazu genauer den Herzschlag abhören. An der Stelle sind mehrere große Blutgefäße direkt an der Oberfläche, das ist eine der Stellen am menschlichen Körper, wo der Herzschlag unter Fingern zu spüren ist. Der Daten-Abgleich zwischen dem externen Sensor und der Apple Watch kann über den versteckten Diagnose-Port stattfinden , so sind zusätzliche Bluetooth- oder WLAN-Chips im Zubehör unnötig, die Daten landen direkt im Apple-Watch-Speicher, danach können sie mit  iPhone und Desktop-Rechnern abgeglichen werden.

watchOS 4

Seit der ersten Version für Apple Watch aus dem Jahr 2015 hat Apple die Software kontinuierlich verbessert. Zuletzt sind die Apps selbständiger geworden, dank den zusätzlichen Sensoren wie GPS sind den App-Entwicklern mehr Möglichkeiten geboten (Stichwort View Ranger). Doch eines fällt auf, wenn man den Store für die Apple Watch durchforstet: Sind auf dem iPhone Spiele genauso beliebt wie zahlreich, ist für die Apple Watch vergleichsweise weniger geboten (Stichwort Pokémon Go). Wahrscheinlich kämpfen die Entwickler immer noch mit einem gescheiten und sinnvollen Konzept für die Uhr. Wir sehen hier eher die Möglichkeiten für Augmented-Reality-Anwendungen, die Daten aus dem Netz ziehen und in einer konkreten Umgebung dem Nutzer Hinweise geben.

Apple Watch – die Spielwiese für Apple

Zwar munkelt man, dass Apple bis jetzt rund 15 Millionen Uhren verkauft hat, doch im Vergleich mit den Verkaufszahlen eines iPhones oder iPads sind das verschwindend geringe Zahlen. Dazu ist die Apple Watch fast schon das kleinste Produkt in Apples Palette. (Zwar ist der iPod Shuffle um rund neun Millimeter (Höhe) kleiner und um die Hälfte leichter, wird das Gerät offenbar nicht weiter entwickelt). Somit kann Apple an der Apple Watch unterschiedliche Materialien ausprobieren und unter einer hart gesottenen Zielgruppe auf Beliebtheit prüfen. So ist etwa eine andere Art des Bildschirmglases verbaut, auch hat die Uhr ein OLED-Display, das iPhone muss sich noch mit einem TFT-Display begnügen. Am Gehäuse hat Apple bereits Gold ausprobiert, gerade wandern wohl die Uhren mit Keramikgehäuse über die Ladentische, um unter einem Weihnachtsbaum zu landen. Da die Apple Watch eh in unterschiedlichsten Varianten vorkommt, kann sich Apple damit kleinere Experimente leisten und diese sogar verkaufen.

Was wir bis jetzt über Apple Watch geschrieben haben:

Apple Watch Series 2: Schneller, heller, dichter

Kaufberatung: Gründe für die Apple Watch

Apple Watch kann den Notarzt anrufen

Können Wearables Leben retten?

Apple Watch 2015: Es war an der Zeit...

NZZ: Apple Watch überholt Rolex und Co.

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