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Die Zukunft von 3D-Touch unter iOS 13

01.07.2019 | 16:45 Uhr | Halyna Kubiv

3D Touch – das Kontextmenü auf dem iPhone und der Apple Watch – steht momentan auf der Kippe zwischen der einer allgemein beliebten Funktion und einem Flop.

Eins vorweg, 3D-Touch ist extrem praktisch, man muss die Funktion nur nutzen. Ein fester Tipp auf das Kamera-Icon kann den Nutzer sofort zur Video-Aufnahme befördern oder einen QR-Code scannen lassen. Keine Tipperei und Wischerei in der App mehr. Das Problem dabei: Nicht mal Apple selbst nutzt die Option konsequent für seine eigenen Apps. Die App Remote beispielsweise zeigt nach dem festen Tipp nur die Standard-Option "Remote teilen".

Der Hauptgrund, warum 3D-Touch (noch) nicht zum Publikumsliebling auf dem iPhone geworden ist, ist die Tatsache, dass es nur auf iPhones 6 bis iPhone XS vorhanden ist. Ausgenommen iPhone SE und nun iPhone XR. Sobald bekannt wurde, dass iPhone XR ohne 3D-Touch kommt, wurde sofort gemunkelt, dass Apple die Funktion irgendwann komplett einstellt. Im Frühling 2019 wurde aus Zulieferer-Kreisen berichtet , dass Apple in den neueren iPhones wohl nur noch Haptic Touch einsetzen wird. Für einen kurzen Moment nach der WWDC 2019 haben die 3D-Touch-Fans tatsächlich Schreck bekommen: in der ersten Beta war die Funktion verschwunden. Nun hat Craig Federighi an Nachfrage eines Entwicklers versichert , dass 3D-Touch in der Beta 2 wieder erscheint.

Was ist denn nu? Bleibt 3D-Touch oder wird es komplett gestrichen? Wir meinen, Apple entscheidet sich für keine dieser Optionen, sondern geht einen komplett anderen Weg und hebt 3D-Touch auf ein neues Level für alle iPhones, ebenfalls für iPads. Die Hinweise darauf finden sich in den WWDC-Videos für Entwickler. Zum einen hat Apple ein paar Frameworks für 3D-Touch gestrichen, die nur mit iOS 13 oder früher funktionieren . Zum anderen hat Apple eine Alternative, oder besser gesagt den Nachfolger vorgestellt: Das Context Menu , also das Kontextmenü wie auf dem Mac mit der Alt-Taste.

Das kontextuelle Menü ist eigentlich nichts Neues auch unter iOS. Das beste Beispiel ist zum Beispiel der gebogene Pfeil nach links in einer ausgewählten Mail: Drückt man darauf, blenden sich sich gleich drei Optionen "Antworten", "Weiterleiten" und "Drucken". Zusätzlich gibt es eine Leiste "Abbrechen", obwohl man das gleiche Ergebnis erreicht, wenn man einfach außerhalb dieser Leiste tippt. Ein anderes klassisches Beispiel sind die Optionen nach dem langen Tipp auf einen Link in Safari. Die Entwickler der Dritt-Apps haben sich dabei geholfen, indem sie für diese Funktionalität das graphische Element von Popup nutzten. Offenbar will Apple all den Wildwuchs, der zuletzt bei der Bedienung unterschiedlichen Geräte wucherte, einigermaßen vereinheitlichen und bringt das neue Framework für das "Context Menü" als kleinsten gemeinsamen Nenner.

Denn zuletzt konnten Dritt-Entwickler die zusätzliche Funktionen eigener Apps auf drei Art und Weisen lösen: Per 3D-Touch für iPhones ab iPhone 6S, Haptic Touch für iPhone XR, zudem funktioniert diese besondere Eingabe nicht überall auf dem Display, und langer Tipp für alle anderen iOS-Geräte inklusive iPads. Grafische Präsentation dieser Funktionen unterscheidet sich ja ebenfalls: Schwarze Schrift und Icons auf einer halbtransparenten Fläche bei 3D-Touch und blaue Schrift auf weißer Fläche bei einem Kontextmenü.

Nun soll alles nach Apple möglichst aufgeräumt und schön aussehen, 3D-Touch-Optik kommt auch auf die iPads und nicht unterstützte iPhones. Dadurch, dass Apple mehrere, recht ähnliche Konzepte in einem vereint, werden wohl alle profitieren: Entwickler, weil sie nicht mehr für unterschiedliche Geräte vergleichbare Funktionen auf unterschiedliche Weise bringen, und Nutzer, weil die Präsentation von Kontextmenüs hoffentlich vereinheitlicht wird und sie nicht langwierig nach einem nützlichen Shortcut überall suchen.

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