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XDR-Display des neuen iPad Pro 12,9 steht unter Kritik

27.05.2021 | 08:37 Uhr | Stephan Wiesend

Das neue iPad Pro 12,9 unterstützt erstmals HDR, an der Umsetzung gibt es aber Kritik aus dem Netz. So genanntes „Blooming“ soll auftreten, wir versuchen eine Klärung.

Bei der Vorstellung des neuen iPad Pro 12,9 hatte Apple viel versprochen: Neben dem neuen M1-Chip ist die wichtigste Neuerung des großen iPads das neue Display von Apple vollmundig Liquid Retina XDR-Display genannt. Erstmals verbaut Apple in einem iPad statt einem herkömmlichen LCD-Display eine  sogenannte Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung – es handelt sich aber weiter um ein sogenanntes IPS-Panel, kein OLED wie beim iPhone 12. Vor allem die Darstellung von HDR-Material profitiert von der neuen Technologie, HDR-Videos und Fotos erhalten durch 2500 einzeln ansteuerbare Local-Dimming-Zonen eine neue Dynamik und Bildqualität.

Die ersten neuen iPads sind nun ausgeliefert, zahlreiche Nutzer sind aber von der neuen HDR-Funktion nicht begeistert. In Foren wie Macrumors wird über dieses Thema bereits sehr ausführlich diskutiert, selbst unter den wirklichen Nutzern des neuen iPads sind die Meinungen über die Schwere des Problems sehr gespalten. Einige sollen deshalb sogar ihre iPads zurückgeschickt und abbestellt zu haben, wie etwa auf Reddit zu lesen ist. Viele halten die Probleme aber auch für komplett irrelevant.

Wichtigster Kritikpunkt ist dabei das Auftreten von „Blooming“ – was erklärungsbedürftig ist. Wohl nicht zufällig hat Apple am 24.5. gerade ein ausführliches Support-Dokument zu dem neuen Display veröffentlicht das auch auf dieses Thema eingeht.

Das ist Blooming

HDR-Videos fordern für optimale Bildqualität erstklassige Abspielgeräte vor allem bei Tests von TV-Geräten wird öfter der Bildfehler „Blooming“ bemängelt. Gemeint ist mit diesem unerwünschten „Blühen“ eine Art Aura oder Schatteneffekt, der um helle Objekte auf schwarzem Hintergrund sichtbar wird. Laut Berichten ist Apple Mini-LED-Panel nicht frei von diesem Effekt, der vor allem bei weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu sehen ist. Viel diskutiert wurde das Problem bereits TV-Geräten, auch Apple geht in dem Support-Dokument darauf ein. Er entsteht laut Apple, wenn die LED-Zonen größer als die LCD-Pixelgröße sind. Um einem weißen Buchstaben sieht man dann einen leichten weißen Schimmer.

Den meisten Berichten zufolge ist dieses Problem aber bei Filmen und Fotos kaum sichtbar, nur bei bestimmten Objekten wie der sich nicht bewegenden Darstellung von Text. Ein Beispiel ist etwa fest eingeblendeter weißer Text auf schwarzem Hintergrund – eine Situation mit besonders hohem Kontrast.

Zu dem Thema sind bereits zahlreiche Videos auf Youtube erschienen, dabei gibt es aber ein Problem: Eine genaue Dokumentation dieses Bildfehlers per Foto oder Video ist kaum möglich. Es ist wohl fast unmöglich diesen Bildfehler so zu fotografieren oder zu filmen, wie ihn ein Betrachter mit eigenen Augen sieht. Nicht aus Zufall handelt es sich bei den Beispielen oft um Fotos in dunklen Räumen, da hier der Effekt noch deutlicher sichtbar wird.

So erklärt Apple die HDR-Funktionen

Wie Apple jetzt auf einer eigenen Support-Seite näher erklärt, wird das Licht des Displays von 10 000 Mini-LEDs erzeugt (nur beim 12,9-Zoll-Modell). Von diesen sind jeweils vier zu einer einzeln ansteuerbaren Local-Dimming-Zone zusammengefasst. Laut Apple sollte das Display dank dieser 2500 sehr kleinen Zonen eigentlich gerade keinen Überstrahlungseffekt aufweisen. Zusätzlich soll auch die optische Beschichtung des Displays dies unterstützen. Die Technologie nennt sich außerhalb des Apple-Kosmos übrigen auch full-array local dimming oder FALD.

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Angesteuert werden die Mini-LED und LCD-Schichten des Displays separat auf Pixelebene. Proprietäre Algorithmen sollen Übergänge zwischen Mini-LED und LCD-Schichten außerdem koordinieren, um ein optimales Betrachtungserlebnis zu erzielen. Eine leichte Unschärfe oder Farbänderungen beim Scrollen vor schwarzem Hintergrund sind laut Apple aber „normales Verhalten“.

Unsere Meinung:

Nach unserer ersten Einschätzung sollte man die Kritik am neuen iPad Pro nicht überbewerten. Wie stark den Käufer der beschriebene Effekt stört, ist wohl sehr subjektiv und könnte sehr stark vom Einzelnen und dessen Nutzungsart abhängen. Das Display ist schließlich noch in vielen weiteren Bereichen besser als das des Vormodells. Es bietet erstmals echte HDR-Unterstützung, wenn es auch mit OLED-Panels in diesem Bereich wohl nicht mithalten kann. Vermutlich ist für viele Käufer die hervorragende und gesteigerte Helligkeit (etwa für die Arbeit bei Sonnenlicht) und Farbgenauigkeit wichtiger, eine Eigenschaft bei der wieder OLED-Panel Probleme haben. Für perfekten HDR-Filmgenuss ist aber wohl eh ein OLED-TV-Gerät die bessere Lösung.

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