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Doctorbox: Die App hinter dem Tübinger Corona-Projekt

14.05.2021 | 13:30 Uhr | Halyna Kubiv

Das Tübinger Projekt hat vor allem in diesem Frühjahr Aufsehen erregt: Keine Schließungen, dafür umfangreiche Testungen – und bei negativem Ergebnis gab es ein Tagesticket für Gastronomie und Einzelhandel. Wir erklären hier, wie das technisch funktioniert.

An Corona-Apps besteht derzeit kein Mangel, die dienstälteste ist jedoch weitgehend unbekannt. Zwar wurde die  auf Googles und Apples APIs basierende offizielle Corona-Warn-App relativ schnell ins Leben gerufen, doch Doctorbox, ein Startup aus Berlin besteht schonseit 2016. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich die Entwickler auf digitale Patientenakten spezialisiert. Seit Anfang 2020 stellt das Unternehmen zahlreichen Testzentren seine Software "Schnelltest ToGo" zur Verfügung. So setzt für dei PCR-Übermittlung einer der ersten Testzentren in München auf der Theresienwiese auf die Lösung von Doctorbox. Aktuell arbeitet Doctorbox nach eigenen Angaben für die Schnelltestübermittlung mit rund 450 Testzentren überall in Deutschland zusammen.

 

Zuletzt hat die Corona-Warn-App die Schnittstelle des Anbieters für Schnelltest-Ergebnisse integriert. Eigene separate App zur Kontaktnachverfolgung hat nach Angaben von Doctorbox rund 600 000 Nutzer. Wir haben mit dem Geschäftsführer Oliver Miltner darüber gesprochen: Demnach hatte Doctorbox einen Vorsprung durch jahrelange Präsenz auf dem digitalen Gesundheitsmarkt: Die Firma hat an einer Ausschreibung des Pharma-Herstellers Roche teilgenommen, diese für sich gewonnen und durfte danach in den Testzentren des Konzerns die Ergebnisse digital verarbeiten und an Patienten vermitteln.

Für die Apotheken, die ja ebenfalls Schnelltests anbieten, hat der Entwickler neben der Testung-Software eine eigene Lösung zur Kontaktnachverfolgung im Angebot, die die Nutzer mit der installierten Doctorbox-App per Bluetooth in dem eigenen Geschäft registrieren können.  Die Kosten dafür – rund 30 Euro bei der Einrichtung und etwa 100 Euro pro Jahr als Infrastrukturkosten.

 

Die fast schon Standardfrage zum Datenschutz durfte nicht fehlen:  Doctorbox ist jedoch nach ISO27001-Standard zertifiziert. Die Übertragung der Testergebnisse ist durchgehend (Ende-zu-Ende) verschlüsselt, so konnte der Anbieter auf unsere Frage nicht antworten, wie viele der mit dem Schnelltest positiv getesteten Patienten ihre Daten in der Corona-Warn-App geteilt haben.

 

Als Anfang des Jahres das Problem mit den Schnelltests und einer möglichen Zulassung in die Geschäfte und weitere Einrichtungen aufkam, wurde in der schwäbischen Provinz der Kreis Böblingen zum Vorreiter. Der Landrat hat rund eine Viertel Million Euro in die Schnelltest-Strategie investiert, die Software – Schnelltest to Go – hat Doctorbox geliefert. Seit dem Start in Böblingen wurden bislang 1 000 000 Testergebnisse ausgeliefert. Die Lösung hat sich wohl im Umkreis herumgesprochen, denn auch beispielsweise Sindelfingen setzt auf die Software aus Berlin. Vor dem Start des Tübinger Modellprojekts Mitte März haben plötzlich die Verantwortlichen beim Berliner Startup angeklopft. „Es wurde klar, dass ohne schnelle Auswertungen, dafür aber mit Papierzetteln das Projekt nie wirklich starten könnte, wir haben die Software für Tübingen an einem Wochenende vom Freitag bis Montag fertig gestellt“, so Geschäftsführer Miltner. Der Tübinger Modellprojekt ist mittlerweile beendet, selbst mit gestiegenen Infektionszahlen hat jedoch die Unternehmung bewiesen, dass auch großangelegte Testkampagnen ohne Papier, Fax und stattdessen mit QR-Codes und Apps schnell vonstatten gehen können.

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