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Drei Ex-Apple-Mitarbeiter über Jony Ive

04.07.2019 | 11:30 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

Das Erbe von Jony Ive bei Apple ist nicht zu unterschätzen. Drei Ex-Mitarbeiter berichten über seinen Werdegang in Cupertino.

Über Jony Ives Abschied von Apple ist an sich schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Fast Company hat nun drei ehemalige Apple-Mitarbeiter zu Ive und seinem Wirken befragt. Sein ehemaliger Vorgesetzter Don Norman erinnert sich an ihn als einen Leuchtturm des Industriedesigns in einem im Jahre 1996/97 reichlich dysfunktionalem Apple. Eines Tages kam Ive zu ihm mit einem neuen Design des Desktop-Computers, der neben Eleganz und Schönheit dem Nutzer noch eine Möglichkeit bot, RAM-Riegel ohne großen Aufwand auszutauschen. Die Entscheider in Apples Produktlinie waren aber dagegen. So gingen Ive und Norman von einem Produkt-Manager zum anderen und überzeugten sie von dem neuen Konzept. Letztendlich lag die Entscheidung bei dem damaligen CEO von Apple, auch ihn konnten die beiden überreden. Norman zeigt dies als Beispiel, wie zerrüttet Apple damals war – die Idee von Jony Ive war genial, die langwierige Überzeugungsarbeit wäre gar nicht nötig gewesen.

Ken Kocienda hingegen, seinerzeit für iPhone-Software zuständig, spricht ihm ab, Softwaredesign richtig verstanden zu haben. Als CDO habe er daher in Sahen Software wie ein genialer Orthopäde gewirkt, der plötzlich auch am Herzen operieren müsse. Kocienda habe Ive eine neue iOS-Funktion zum ersten Mal vorgestellt, Ive bat ihn, die Animationsgeschwindigkeit eines Design-Elementes zu ändern. Das tat der Angestellte fast sofort, indem er das iPhone an dem Macbook anstöpselte und ein paar Änderungen auf dem Laptop vornahm. Ive zeigte sich fasziniert und bemerkte, dass eine solche Anforderung beim Produkt-Design wohl Wochen verlangen dürfte, nicht ein paar Minuten. Kocienda ist sich sicher, dass Ive mit der Zeit sich in das Software-Design einarbeiten würde. Bislang ist das noch nicht passiert.

Imran Chaudhri, früher Direktor von Apples Human Interface Group sieht ihn hingegen als einen Vorkämpfer für die Schönheit mit einem unvergleichlichen Gespür dafür, was Schönheit bedeute. Steve Jobs sah sich als einen talentierten Komponisten, der letztendlich die Schönheit in Software und Hardware zu ihrem Höhepunkt bringen sollte. Von Jony Ive hat er verlangt, dass die Hardware in einem aus- und eingeschalteten Zustand schön bleibt, dabei hat Jobs verhindert, dass sich die beiden Team von Produkt Design und Software miteinander austauschten. Chaudhri berichtet, er habe Ive die funktionierende iPhone-Software auf einem Parkplatz hinter dem aufgemachten Kofferraumdeckel gezeigt.

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