2661802

EU zwingt Apple zum „Öffnen“ des iPhones

23.05.2022 | 16:01 Uhr | Stephan Wiesend

Der Digital Markets Act der EU soll IT-Konzerne wie Google, Meta und Apple einschränken, für Apple gerät aber die Absicherung des iOS-Systems in Gefahr.

Über den Digital Markets Act (DMA) und den Digital Services Act (DSA) haben wir schon öfter berichtet, haben die neuen Regelungen doch starke Auswirkungen auf Apple. Erst am 16.5. hat sich der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments nun auf eine endgültige Fassung des DMA geeinigt, mit großer Mehrheit.  Schon im Juli wird dieser Text dem Parlament zur endgültigen Abstimmung vorgelegt, zusammen mit dem DSA. 20 Tage später tritt dann die Veröffentlichung in Kraft, sechs Monate später müssen die Bestimmungen eingehalten werden – auch bei Apple. Für Cupertino sorgen diese Bestimmungen vielleicht für noch mehr Probleme als anfangs vermutet.

Ungewöhnlich für EU-Gesetze: Selbst in den USA hat der DMA für einiges Aufsehen gesorgt. Auch UK hat einige an der EU-Gesetzgebung orientierte Gesetze in Vorbereitung und in den USA gibt es bereits ähnliche Vorschläge. Die Wichtigkeit von Europa sollte außerdem nicht unterschätzt werden. So steht der europäische Markt für etwa ein Viertel von Apples Umsätzen. Verstöße gegen die Bestimmungen könnten außerdem kostspielig werden, so kann die Kommission bei einem Verstoß Geldbußen in Höhe von bis zu 10 Prozent des weltweiten Umsatzes verhängen, bei einer wiederholten Nichteinhaltung sogar bis zu 20 Prozent. Zudem kann die Kommission bei wiederholten Verstößen den Erwerb anderer Unternehmen für bestimmte Zeit untersagen.

Der Inhalt

Ziel des DMA sind besondere Verpflichtungen für Online-Plattformen wie Facebook, Google und Apple, die als „Gatekeeper“ fungieren. Betroffen sind nur sehr große Plattformen (EU-Umsatz von mehr als 7,5 Milliarden Euro oder einem Marktwert von mehr als 75 Milliarden Euro und mindestens 45 Millionen monatlichen Endnutzern und 10.000 jährlichen gewerblichen Nutzern.)

Kleinere Plattformen sollen gezielt gestärkt werden, diese können etwa von einem Gatekeeper wie Apple das Öffnen von dessen Messaging-Plattform verlangen, um einen „Lock-in“-Effekt zu vermeiden. Ein weiteres Problem für Apple: Auch der App Store ist betroffen, Anwender sollen Apps und App Stores von Drittanbieter nutzen können. Ein alternativer App-Store – wie es ihn unter Android mit dem Amazon Store gibt, existiert für iOS-Apps bisher nicht. Für Apple ist dies schon schlimm genug. Wie etwa der Seite Macrumors auffiel , werden Entwicklern aber noch weit tiefere Eingriffe in iOS ermöglicht. Ist ein Gatekeeper nämlich auch Hardwarehersteller, müssen Entwicklern laut DMA die gleichen Zugriffsmöglichkeiten zugestanden werden wie dem Hersteller.

Wie unter den Ziffern 56 und 57 steht , ist es zwar durchaus erlaubt, dass Apple den direkten Zugriff auf Hardwarefunktion oder Dienste beschränkt, etwa auf NFC, Sicherheitsfunktionen (wie Apples Secure Enclave), Prozessor und Authentifizierungssysteme. Verpflichtet wird ein Gatekeeper aber zu „interconnect through interfaces or similar solutions to the respective features as effectively as the gatekeeper's own services or hardware”. Funktionen, die bisher nur Apples eigenen Apps zur Verfügung stehen, müssten dann auch App-Entwicklern bereitgestellt werden – auch Funktionen für alternative Bezahlsysteme. So sollte etwa auch die Beschränkung von allen iOS-Browsern auf Apples Webkit-Unterbau – wie bisher vorgeschrieben – bald Geschichte sein.

Fazit:

Für Apple bringt die DMA vermutlich noch viel Ärger, ist doch die Abgeschlossenheit von iOS ein wichtiger Geschäftsvorteil. Dagegen könnte es für Entwickler bald viele neue Freiheiten geben – zumindest in Europa.

Macwelt Marktplatz

2661802